Wirtschaft

Lucid Gravity im Überblick: Luxus-Elektro-SUV fordert deutsche Premium-Marken heraus

Der Lucid Gravity ist ein elektrischer Luxus-SUV des US-Herstellers Lucid Motors, der auf große Reichweite, viel Innenraum und hohe Ladeleistung ausgelegt ist. Welche Bedeutung dieses Modell für den Wettbewerb im deutschen Markt haben kann, bleibt offen.
24.02.2026 11:00
Lesezeit: 4 min
Lucid Gravity im Überblick: Luxus-Elektro-SUV fordert deutsche Premium-Marken heraus
Der Lucid Gravity erweitert den Markt für elektrische Luxus-SUV und setzt mit Reichweite, Ladeleistung und Raumangebot neue Vergleichsmaßstäbe (Foto: Miloš Milač/Casnik Finance)

Lucid Gravity Grand Touring im Segment der elektrischen Luxus-SUVs

Der Lucid Gravity Grand Touring ist ein vollelektrischer SUV aus den USA, der sich im oberen Luxussegment positioniert. Das Modell kombiniert hohe Antriebsleistung, große Reichweite und ein überdurchschnittliches Raumangebot mit Ladeleistungen, die derzeit nur wenige Wettbewerber erreichen.

Während deutsche Hersteller den Markt für elektrische Premiumfahrzeuge bislang dominieren, versucht Lucid Motors mit dem Gravity gezielt, etablierte Modelle herauszufordern. Der Hersteller aus Kalifornien bietet ein Fahrzeug an, das sowohl technisch als auch konzeptionell neue Akzente setzen soll. In Deutschland liegt der Einstiegspreis für den Gravity Grand Touring bei 116.900 Euro.

Testfahrten im Umfeld von Los Angeles

Im Rahmen der jährlichen Testfahrten zur Wahl des World Car of the Year rund um Los Angeles wurde der Lucid Gravity Grand Touring ausführlich erprobt. Die Route führte unter anderem über den Angeles Crest Highway, eine anspruchsvolle Bergstraße nördlich der Metropole.

Dabei zeigte sich, dass der Gravity nicht nur auf dem Datenblatt auffällt. Die Kombination aus Größe, Leistung und Fahrkomfort stellt hohe Anforderungen an Fahrwerk und Antrieb. Entscheidend ist daher, wie gut das Fahrzeug diese Eigenschaften im realen Fahrbetrieb ausbalanciert.

Einordnung gegenüber europäischen Wettbewerbern

In seiner Grundausrichtung lässt sich der Gravity als Pendant zu Modellen wie dem BMW iX oder dem Mercedes-Benz EQS SUV verstehen. Mit einer Länge von 5,03 Metern, einer Breite von zwei Metern und einem Radstand von 3,03 Metern bewegt er sich klar im Oberklasseformat.

Auffällig ist die eher vanartige Silhouette, die sich deutlich von klassischen SUV-Proportionen unterscheidet. Dieser Ansatz zahlt vor allem auf den Innenraum ein, der konsequent auf maximale Raumausnutzung ausgelegt ist.

Innenraumkonzept mit Fokus auf Platzangebot

Der Lucid Gravity bietet serienmäßig sieben Sitzplätze. Das Kofferraumvolumen beträgt 780 Liter und wächst bei umgeklappten Sitzreihen auf bis zu 3.398 Liter. Zusätzlich steht ein vorderer Stauraum mit 230 Litern zur Verfügung.

Auch die dritte Sitzreihe ist voll nutzbar, was den Gravity funktional näher an einen Großraumwagen rückt. Besonders die zweite Sitzreihe bietet umfangreiche Verstellmöglichkeiten und erleichtert den Zugang zu den hinteren Plätzen.

Antrieb, Batterie und Reichweite

Der Gravity Grand Touring verfügt über zwei Elektromotoren mit einer Gesamtleistung von 617 Kilowatt beziehungsweise 839 PS. Das maximale Drehmoment liegt bei 1.232 Newtonmetern. Der Sprint von null auf 100 Kilometer pro Stunde dauert 3,6 Sekunden.

Die Batterie besitzt eine Bruttokapazität von 123 Kilowattstunden. Lucid gibt eine Reichweite von bis zu 748 Kilometern an. Geladen werden kann mit bis zu 400 Kilowatt an Gleichstrom-Ladestationen sowie mit 22 Kilowatt an Wechselstromanschlüssen.

Fahrverhalten zwischen Komfort und Kontrolle

Trotz seiner Größe und eines Leergewichts von 2.684 Kilogramm zeigt der Gravity ein überraschend kontrolliertes Fahrverhalten. Das serienmäßige Luftfahrwerk filtert Unebenheiten wirkungsvoll heraus und sorgt zugleich für eine stabile Karosserielage.

In Kurven bleibt das Fahrzeug berechenbar, auch wenn die Masse spürbar ist. Die Lenkung arbeitet präzise und liefert ausreichend Rückmeldung. Die hohe Motorleistung ist im Alltag eher selten erforderlich, steht jedoch jederzeit zur Verfügung.

Verbrauch und Alltagstauglichkeit

Während der Testfahrten lag der Stromverbrauch zwischen 22 und 25 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Daraus ergibt sich eine realistische Reichweite von rund 500 Kilometern bei gemischter Fahrweise. Für ein Fahrzeug dieser Größe und Leistungsklasse ist dieser Wert konkurrenzfähig. Der Gravity eignet sich damit nicht nur für repräsentative Zwecke, sondern auch für längere Strecken ohne häufige Ladepausen.

Digitales Bedienkonzept und Ausstattung

Das Cockpit wird von einem 34 Zoll großen, gebogenen Display mit hoher Auflösung dominiert. Es vereint digitale Instrumente, Fahrinformationen und Infotainment in einer durchgehenden Anzeige. Ergänzt wird es durch einen 12,6 Zoll großen Touchscreen in der Mittelkonsole.

Trotz des hohen Digitalisierungsgrads setzt Lucid auf einige physische Bedienelemente, insbesondere für zentrale Funktionen. Die Serienausstattung umfasst zahlreiche Assistenzsysteme, Mehrzonen-Klimaautomatik, Kamerasysteme und Komfortfunktionen, die bei europäischen Herstellern häufig optional sind.

Marktpositionierung und offene Fragen

Preislich bewegt sich der Lucid Gravity Grand Touring auf dem Niveau etablierter deutscher Premium-SUVs. Angesichts der umfangreichen Serienausstattung erscheint das Angebot wettbewerbsfähig.

Offen bleiben jedoch Fragen zur langfristigen Zuverlässigkeit, zur Serviceabdeckung und zum Wiederverkaufswert. Lucid verweist auf ein wachsendes europäisches Servicenetz sowie auf softwarebasierte Wartungskonzepte. Belastbare Erfahrungswerte liegen bislang jedoch kaum vor.

Bedeutung für den deutschen Automarkt

Für den deutschen Markt zeigt der Lucid Gravity, dass der Wettbewerb im Segment der elektrischen Luxusfahrzeuge zunehmend international wird. Besonders bei Ladeleistung, Raumkonzept und Serienausstattung setzt das Modell neue Vergleichsmaßstäbe.

Ob sich Lucid dauerhaft neben den etablierten Herstellern behaupten kann, hängt jedoch weniger von der Technik als von Vertrauen, Servicequalität und Markenaufbau ab. Für deutsche Anbieter wächst damit der Druck, ihre Elektro-Strategien weiter zu schärfen.

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