Wirtschaft

Breite Allianz für faire Bezahlung: Mehrheit fordert Tarifpflicht bei Staatsaufträgen

In der Debatte um die Verwendung öffentlicher Gelder zeichnet sich ein deutlicher Stimmungsumschwung ab: Eine große Mehrheit der Arbeitnehmer in Deutschland spricht sich dafür aus, staatliche Aufträge künftig nur noch an Firmen zu vergeben, die ihre Mitarbeiter fair entlohnen. Eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag des DGB belegt, dass dieser Wunsch parteiübergreifend verankert ist und sogar unter CDU-Mitgliedern eine deutliche Mehrheit findet.
20.02.2026 14:17
Lesezeit: 1 min

Rückenwind für das Bundestariftreuegesetz

Die Forderung ist klar definiert: Öffentliche Mittel sollen nicht länger als Katalysator für Lohndumping dienen. Die Umfrage zeigt, dass 59 Prozent der abhängig Beschäftigten den Vorschlag unterstützen, Billiglöhne bei der Vergabe öffentlicher Aufträge auszuschließen. Besonders brisant ist dieses Ergebnis mit Blick auf den CDU-Parteitag in Stuttgart, da sich auch innerhalb der Unions-Anhängerschaft exakt 59 Prozent der Erwerbstätigen für eine solche Regelung aussprechen. Damit wächst der Druck auf die Politik, den bereits vorliegenden Gesetzentwurf von Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) zügig zu verabschieden.

Kritik an politischer Verzögerungstaktik

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Unternehmen bei Bundesaufträgen ab einem Wert von 50.000 Euro ihre Angestellten zwingend nach Tarif bezahlen müssen. Während die Gewerkschaften und die Linksfraktion der Union eine „Blockadehaltung“ vorwerfen, betont der DGB, dass Steuergelder nicht dazu genutzt werden dürften, tarifflüchtige Unternehmen gegenüber sozial verantwortlichen Betrieben zu bevorzugen. Angesichts geplanter Milliardeninvestitionen des Bundes in den kommenden Jahren wird die Tariftreue zu einer zentralen Weichenstellung für die deutsche Wirtschaftsstruktur.

Das Ziel: 80 Prozent Tarifbindung

Aktuell profitieren lediglich 49 Prozent der Beschäftigten von den Schutzrechten eines Tarifvertrags. Dieser Wert liegt weit unter der Zielmarke der Europäischen Union, die eine Abdeckung von 80 Prozent vorschreibt. Die Befürworter der Reform argumentieren, dass nur durch gesetzliche Vorgaben bei der öffentlichen Beschaffung ein fairer Wettbewerb garantiert und die Abwärtsspirale bei den Löhnen gestoppt werden kann. Das Land stehe hier vor der Wahl, entweder den Status quo der Tarifflucht zu zementieren oder die soziale Marktwirtschaft durch klare Vergabekriterien zu stärken.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Der wachsende Trend zu flexiblen Konsumausgaben bei deutschen Verbrauchern

Deutsche Haushalte verändern ihr Ausgabeverhalten grundlegend. Wo früher feste Sparpläne und monatliche Budgets den Alltag bestimmten,...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Billigfluggesellschaften stehen vor dem Absturz: Ein Gigant könnte als Einziger übrig bleiben
12.08.2026

Zwei der drei unabhängigen Billigfluggesellschaften Europas hängen in den Seilen, nachdem der Ölpreisschock die Lage zusätzlich...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall-Street-Händler halten sich vor Inflationsbericht zurück
11.08.2026

Welche Impulse jetzt die Kurse bewegen und warum Anleger gespannt auf die neuen Daten blicken

DWN
Technologie
Technologie Nvidia holt die Wall Street ins KI-Geschäft
11.08.2026

Hunderte Milliarden Dollar fließen in den Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. Der Chipriese Nvidia, der davon...

DWN
Politik
Politik Geleaktes Dokument zeigt, dass den USA Waffen fehlen: Was wir wissen
11.08.2026

Trumps Krieg gegen Iran leert die amerikanischen Lager für Langstreckenraketen. Das zeigen ein Leak und Berichte aus anonymen Quellen in...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hotels verlieren Gäste: Deutsche bleiben häufiger zu Hause
11.08.2026

Im Juni gab es in deutschen Hotels weniger Übernachtungen – vor allem inländische Gäste blieben aus. Im Halbjahr bleibt die Branche...

DWN
Finanzen
Finanzen Insiderhandel oder nicht? Trump verkauft seine Truth-Posts mit Zeitvorsprung an Firmen
11.08.2026

Wer Trumps Posts früher liest, kann an den Finanzmärkten Millionen bewegen – und genau dafür zahlen Händler bis zu 100.000 Dollar im...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dürre macht Sprit teurer: Lokale Engpässe möglich
11.08.2026

Die Dürre erreicht die Tankstelle: Sinkende Rheinpegel verteuern den Transport von Benzin und Diesel. Drohen jetzt regionale Engpässe,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI bei der Jobsuche: Warum ChatGPT Ihre Bewerbung ruinieren kann
11.08.2026

Eine Bewerbung in nur einer Minute, perfekt formuliert und ohne mühsames Ringen um jedes Wort. Künstliche Intelligenz hat die Jobsuche...