Goldpreis klettert auf Dreiwochenhoch – Zollstreit und Unsicherheit treiben Anleger in sichere Häfen
Die neue Woche beginnt mit kräftigen Aufschlägen beim Goldpreis. Hintergrund ist die zurückgekehrte Unsicherheit rund um die US-Zollpolitik. Nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA gegen Teile der Zollpolitik von Präsident Donald Trump folgte prompt die nächste Eskalation – mit spürbaren Folgen für den Goldkurs und den Silberpreis.
Am Morgen kostete eine Feinunze Gold 5.127 Dollar (4.337 Euro). Im Handelsverlauf wurde mit knapp 5.177 Dollar der höchste Stand seit Ende Januar erreicht. Damit notiert der Goldpreis aktuell auf einem Dreiwochenhoch. Auch der Terminmarkt zog an: Bis 8.30 Uhr (MEZ) verteuerte sich der am aktivsten gehandelte Future auf Gold (April) um 76,10 auf 5.157,00 Dollar pro Feinunze. Parallel dazu legte auch der Silberpreis zu. Für eine Feinunze Silber (etwa 31,1 Gramm) wurden zuletzt 85,47 US-Dollar bezahlt. Damit bewegt sich der Silberpreis auf dem Niveau von Mitte Februar, wenngleich der Schwung hier im Verlauf wieder etwas nachließ.
Auslöser der jüngsten Preissprünge bei Goldpreis und Silberpreis sind die Entwicklungen im Zollstreit der USA mit dem Rest der Welt. Der Supreme Court hatte am Freitag große Teile der Zölle von Präsident Donald Trump gekippt, die dieser auf Grundlage eines Gesetzes für nationale Notfälle durchgesetzt hatte. Trump reagierte umgehend und kündigte auf einer anderen rechtlichen Grundlage einen Globalzoll von zunächst zehn Prozent an, den er noch am Wochenende auf 15 Prozent anhob. Bereits zuvor war ein weltweiter Zoll auf Importe in die USA von 10 Prozent im Gespräch gewesen. Mit den nun angekündigten 15 Prozent schöpft Trump die Höchstgrenze eines Handelsgesetzes, auf das er sich beruft, voll aus.
Gold: Kurstreiber Trump und andere Unsicherheiten
Die Unsicherheit nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs treibt den Gold-Preis weiter an. Zeitweise verteuerte sich eine Feinunze um bis zu 1,4 Prozent auf 5176 Dollar – der höchste Stand seit drei Wochen. Analysten sprechen von einer klassischen Fluchtbewegung in sichere Anlagen. Händler griffen verstärkt zu Goldbarren, da der Goldpreis in turbulenten Zeiten als Gradmesser für die Risikoaversion gilt.
"Die Unsicherheit hat sich wieder einmal erhöht, was deutlich am Goldpreis und noch stärker bei Silber abzulesen ist", schrieben die Experten der Dekabank. Auch Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank verwies auf die offene Lage: "Da die USA in den vergangenen Monaten mit zahlreichen Ländern Handelsabkommen geschlossen haben, stellt sich nun die Frage, was denn nun eigentlich gilt." Eigentlich sollte der Handelsausschuss des EU-Parlaments am morgigen Dienstag die mit den USA vereinbarten Zollvereinbarungen absegnen. Nun wird es jedoch zunächst am Montag eine Sondersitzung des EU-Verhandlungsteams geben. "Zu Wochenbeginn gibt es also eine ganze Reihe an Fragezeichen", so Gitzel weiter.
Goldpreis profitiert von Dollar-Schwäche und Inflationsdaten
Die Zollunsicherheit setzte den Dollar unter Druck und verstärkte die Nachfrage nach dem als "sicheren Hafen" geltenden Edelmetall. Hinzu kommt: Der Euro reagierte auf die jüngsten Entwicklungen mit Kursgewinnen zum US-Dollar. Da Gold und Silber in Dollar notieren, werden sie für Anleger aus dem Euroraum günstiger – was die Nachfrage zusätzlich stützt und den Goldkurs weiter antreibt. Auch Konjunkturdaten spielen eine Rolle für den Goldpreis aktuell. Daten vom Freitag zeigten, dass die US-Inflation im Dezember stärker als erwartet gestiegen ist. Anzeichen deuten zudem auf eine weitere Beschleunigung im Januar hin. Das würde die Erwartungen stärken, dass die US-Notenbank die Zinssätze nicht vor Juni senken wird.
Zum Wochenstart gerieten in Asien sowohl die Aktienmärkte als auch Wall-Street-Futures unter Druck. Die anhaltende Unsicherheit über die US-Zollpolitik belebte erneut den sogenannten "Sell America"-Trend. In diesem Umfeld bleibt der Goldpreis ein zentraler Profiteur der globalen Risikoaversion. Ob der Goldpreis weiter zulegen kann, hängt nach Einschätzung von Marktbeobachtern maßgeblich von der Dauer der Zollunsicherheit ab. "Ob der Goldpreis in naher Zukunft wieder über 5400 Dollar steigen kann, könnte davon abhängen, wie lange die Unsicherheit bezüglich der Zölle anhält und ob die USA militärische Maßnahmen gegen den Iran ergreifen", sagte Tim Waterer, Analyst vom Handelshaus KCM Trade.
Fest steht: Solange die handelspolitischen Spannungen und geopolitischen Risiken hoch bleiben, dürfte der Goldpreis als sicherer Hafen im Fokus der Anleger stehen.
Goldpreis bleibt Gradmesser der Unsicherheit
Der Goldpreis hat sich erneut als Krisenbarometer der Finanzmärkte erwiesen. Die Kombination aus juristischen Rückschlägen für die US-Zollpolitik, der anschließenden Erhöhung auf 15 Prozent sowie steigender Inflation hat die Verunsicherung spürbar verstärkt. Anleger reagierten mit einer Flucht in sichere Häfen, was den Goldkurs auf ein Dreiwochenhoch trieb. Auch die Dollar-Schwäche und der Sell-America-Trend stützten den Gold-Preis zusätzlich. Entscheidend wird nun sein, wie lange die handelspolitischen Spannungen anhalten und ob geopolitische Risiken weiter zunehmen. Der Goldpreis aktuell bleibt damit eng an politische Entwicklungen gekoppelt.

