Import von Stickstoffdüngern in der EU bricht ein, Preise ziehen deutlich an
Der Import von Stickstoffdüngern in die Europäische Union ist im Januar drastisch zurückgegangen. Gleichzeitig lagen die Preise für Düngemittel rund ein Viertel über dem Durchschnitt des Jahres 2024.
Mit Blick auf die beginnende Nachdüngung von Getreide nach dem 25. Februar rücken die Entwicklungen am Düngemittelmarkt in den Fokus. Nach Inkrafttreten des CO₂-Grenzausgleichsmechanismus CBAM ist der Import von Stickstoffdüngern massiv eingebrochen. Im Januar führte die EU nur noch 179.877 Tonnen ein, im Januar des Vorjahres waren es 1.183.728 Tonnen.
Der Rückgang um 84 Prozent sorgt in der Branche für erhebliche Unruhe. Der europäische Dachverband der Landwirte und landwirtschaftlichen Genossenschaften COPA-COGECA warnt, dass sich die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe weiter verschärft. Die Landwirtschaft stehe ohnehin seit Jahren unter starkem Kostendruck.
CBAM verteuert Importe und soll CO₂-Kosten angleichen
Seit dem 1. Januar wendet die EU den Mechanismus zur CO₂-Grenzanpassung CBAM an. Ziel ist es, sicherzustellen, dass importierte emissionsintensive Produkte vergleichbare CO₂-Kosten tragen wie Waren aus der EU, die dem europäischen Emissionshandel unterliegen.
Damit soll verhindert werden, dass Unternehmen ihre Produktion in Länder mit niedrigeren Umweltstandards verlagern und die Waren anschließend wieder in die EU exportieren. Für Importeure aus Drittstaaten bedeutet dies den Erwerb von CO₂-Zertifikaten. Die finanzielle Abrechnung erfolgt jeweils rückwirkend auf Jahresbasis.
Der Mechanismus führt faktisch zu höheren Preisen bei betroffenen Produkten. Insbesondere bei Düngemitteln, die energieintensiv hergestellt werden, schlagen zusätzliche CO₂-Kosten unmittelbar auf die Importpreise durch.
Landwirte rechnen mit weiteren Preissteigerungen
Europäische Landwirte und Genossenschaften hatten die EU-Institutionen in den vergangenen drei Jahren wiederholt darauf hingewiesen, dass die Einbeziehung von Düngemitteln in CBAM die Lieferströme beeinträchtigen und die Kosten erhöhen werde, sofern keine flankierenden Schutzmaßnahmen greifen.
Nach Angaben von Semenarna Ljubljana werden erste Preiserhöhungen für Düngemittel aus Nicht-EU-Staaten ab Februar erwartet, wenn die Saison der Nachdüngung beginnt. Auch Zrno Raka, einer der größten Anbieter von Mineraldüngern im Land, rechnet mit einer Verteuerung von rund fünf Prozent bei Importen aus Serbien.
Stickstoffdünger, die unmittelbar unter CBAM fallen, machen rund 46 Prozent des gesamten Düngemittelverbrauchs in der EU aus. Mehr als 30 Prozent dieser Menge werden traditionell importiert. Ein so deutlicher Einbruch der Einfuhren lasse sich nicht folgenlos kompensieren, betont COPA-COGECA.
Steigende Kosten treffen auf niedrige Getreidepreise
Parallel dazu steigen die Düngemittelpreise in Europa weiter. Im Januar lagen sie rund 25 Prozent über dem Durchschnitt des Jahres 2024. Für landwirtschaftliche Betriebe machen Düngemittel im Schnitt zwischen 15 und 30 Prozent der Gesamtkosten aus.
Der europäische Ackerbau steht seit drei Jahren unter erheblichem Druck, da die Getreidepreise als zu niedrig gelten. Zusätzliche Kosten durch teurere Düngemittel könnten die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe in mehreren Mitgliedstaaten weiter verschlechtern. Der Verband warnt vor einer möglichen Destabilisierung landwirtschaftlicher Märkte.
Kostenrisiko auch für deutsche Betriebe
Für deutsche Landwirte hat die Entwicklung erhebliche Bedeutung. Steigende Düngemittelpreise treffen auf einen angespannten Getreidemarkt und erhöhen den Druck auf die Margen. Sollten sich die Importengpässe verfestigen und die Preise dauerhaft auf hohem Niveau bleiben, könnte dies die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Betriebe weiter schwächen. Die Diskussion über Klimapolitik, Versorgungssicherheit und die Belastbarkeit der Agrarwirtschaft dürfte damit auch hierzulande an Schärfe gewinnen.


