Deutliches Lohnplus und Sprung über die 1.000-Euro-Marke
Die Ausbildungsvergütungen in tarifgebundenen Betrieben haben im vergangenen Jahr erneut die allgemeinen Lohnsteigerungen übertroffen. Nach Auswertungen des WSI-Tarifarchivs der Hans-Böckler-Stiftung stiegen die monatlichen Entgelte für den Nachwuchs in 20 ausgewählten Tarifbereichen um durchschnittlich 6,7 Prozent. Im Vergleich dazu fielen die regulären Tarifanpassungen mit einem Zuwachs von 2,6 Prozent deutlich moderater aus. Auch für das aktuelle Jahr zeichnet sich dieser Trend ab: Fachleute prognostizieren ein Plus von 3,9 Prozent für Auszubildende, während die allgemeinen Tarifgehälter voraussichtlich um 3,1 Prozent steigen werden.
Inzwischen überschreitet die monatliche Vergütung für den Großteil der Tarif-Azubis bereits ab dem ersten Ausbildungsjahr die Grenze von 1.000 Euro. Damit liegt das Einkommen der angehenden Fachkräfte über dem Höchstsatz für Bafög-Empfänger, der bei 992 Euro im Monat verharrt. Aus Sicht der Gewerkschaften ist dieser Trend ein wichtiger Schritt, um jungen Menschen zum Berufsstart ein finanziell eigenständiges Leben unabhängig vom Elternhaus zu ermöglichen.
Große Unterschiede schon bei Tarifvertrag
Lediglich in drei beobachteten Tarifbranchen werden im ersten Ausbildungsjahr weniger als 1.000 Euro gezahlt. Das gilt für Azubis in der Landwirtschaft, in der Floristik in Westdeutschland und im Friseurhandwerk in Nordrhein-Westfalen, wo mit 785 Euro am wenigsten gezahlt wird. Fast das Doppelte gibt es mit 1.491 Euro bundeseinheitlich für Pflegeberufe im Öffentlichen Dienst von Bund und Gemeinden. Den absoluten Spitzenwert erreichen gewerbliche Auszubildende am Bau mit 1.714 Euro im vierten Lehrjahr.
Das Institut verweist zugleich auf große Unterschiede zwischen tarifgebundenen und tariflosen Betrieben, in denen rund 45 Prozent aller Auszubildenden beschäftigt seien. Ohne Tarifvertrag gilt für die jungen Leute nur die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung von monatlich 724 Euro im ersten Ausbildungsjahr.
Dienstleister locken mit hohen Sätzen
In den vergangenen zehn Jahren sind die Ausbildungsvergütungen mit einem Plus von 47 Prozent deutlich schneller gestiegen als die Tariflöhne (+35 Prozent). Vor allem Dienstleistungsbranchen mit einem insgesamt niedrigen Vergütungsniveau hätten die Sätze hochgesetzt, um dem zunehmenden Fachkräftemangel zu begegnen, sagt WSI-Experte Thorsten Schulten.

