Politik

Die großen Verlierer: Ältere Arbeitslose haben keine Chance

Lesezeit: 2 min
28.07.2014 01:46
Vordergründig sind Ältere über 50 in der Europäischen Union unterdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen. Doch in allen EU-Staaten ist Langzeitarbeitslosigkeit ein besonderes Problem der Älteren. Und viele haben die Arbeitssuche faktisch aufgegeben und – wenn möglich – Regelungen für einen frühen Ruhestand genutzt. So sind sie aus der Arbeitslosenstatistik herausgefallen.

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten berichteten in letzter Zeit häufig über ein drängendes Problem in der EU: die Jugendarbeitslosigkeit (siehe z.B. hier oder hier). Aber was ist mit den Älteren? Den Leuten über 50?

Tatsächlich, wer jahrzehntelang gearbeitet hat, vielleicht in seiner Arbeit aufgegangen ist, den trifft plötzliche Arbeitslosigkeit hart. Studien zeigen, dass ältere Arbeitslose besonders häufig von Depressionen, Angstzuständen, aber auch körperlichen Krankheiten betroffen sind.

Arbeitslosigkeit ist für die Generation 50plus vor allem dort in der Europäischen Union ein Problem, wo auch die allgemeine Arbeitslosigkeit hoch ist. In Spanien beträgt z.B. die Arbeitslosenquote der 50-bis-64-Jährigen 20,9%, in Griechenland 19,6% und in Zypern 15,8%. In Deutschland, Großbritannien oder Österreich, wo zur Zeit die Arbeitslosigkeit relativ niedrig ist, haben auch die Über-50-Jährigen seltener Probleme auf dem Arbeitsmarkt.

Doch in den allgemeinen Arbeitslosenstatistiken zeigt sich kein gesondertes Problem der Über-50-Jährigen. In allen EU-Staaten ist die Arbeitslosenquote der Älteren heute niedriger als die allgemeine Arbeitslosenquote. Das gilt inzwischen selbst für Deutschland. Vor 2012 war Deutschland dagegen der einzige EU-Staat, indem unter den Älteren eine höhere Arbeitslosenquote herrschte als im Durchschnitt.

Wer allerdings mit 50plus einmal seine Stelle verloren hat, der hat besonders schlechte Chancen, einen neuen Job zu bekommen. 59,3% der arbeitslosen Älteren in der EU sind bereits Langzeitarbeitslose. Das heißt, sie suchen schon seit über einem Jahr nach einer neuen Stelle. Über die gesamte Altersgruppe 15 bis 64 hinweg, gibt es dagegen nur 48,7% Langzeitarbeitslose.

Insgesamt sind in 27 der 28 EU-Länder ältere Arbeitslose überdurchschnittlich von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Nur Rumänien scheint da eine Ausnahme machen zu wollen. Negativ-Spitzenreiter ist die Slowakei. Dort sind 79,2% der arbeitslosen Älteren bereits langzeitarbeitslos. Quoten über 70% gibt es auch in Griechenland, Portugal, Irland und Slowenien. Das sind nicht zuletzt die Länder, in denen die Eurokrise bereits lange wütet. Die einmal arbeitslos Gewordenen haben dadurch schon seit Jahren keine neue Chance bekommen.

Anlass genug, sich noch einmal die angeblich niedrigen Arbeitslosenquoten bei den Älteren anzukucken. Tatsächlich zählen die Statistiker der Brüsseler Statistikbehörde Eurostat nur diejenigen als arbeitslos, die innerhalb der zurückliegenden vier Wochen aktiv nach einer Arbeit gesucht haben. Angesichts der Perspektive Langzeitarbeitslosigkeit haben aber wohl viele ältere Arbeitslose bereits die aktive Suche nach einem neuen Job aufgegeben. Zusätzlich gibt es in vielen EU-Staaten attraktive Angebote, frühzeitig in Rente zu gehen. So liegt das tatsächliche durchschnittliche Renteneintrittsalter in fünf EU-Staaten bei 57 Jahren, in weiteren fünf EU-Staaten bei 58 und in weiteren sechs EU-Staaten bei 59. Die Deutschen gehen dagegen im Mittel erst mit 61 Jahren in Rente. In den Niederlanden liegt das Ruhestandsalter sogar bei durchschnittlich 63 Jahren, in Schweden bei 64 Jahren.

Das zeigt: Statt auf die Arbeitslosenquote sollte man besser auf die Quote der Noch-Erwerbstätigen in der Generation 50plus schauen. Und tatsächlich ist diese Quote in vielen EU-Ländern erschreckend niedrig. In Griechenland sind nur noch 43,1% der 50-bis-64-Jährigen erwerbstätig. Auch in Kroatien, Malta und Slowenien sind es unter 50%. Und in weiteren acht Staaten, darunter auch in Polen, Spanien und Italien, liegt die Erwerbstätigenquote der Älteren nur zwischen 50 und 55%.

Die höchste Erwerbstätigenquote in der Generation 50plus hat dagegen Schweden mit 77,2%. Mit deutlichem Abstand folgt Deutschland, wo noch 71,4% der 50-bis-64-Jährigen erwerbstätig sind, auf Platz 2.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Erster Euro-Zentralbankchef fordert offen noch stärkere Anleihekäufe durch die EZB

Griechenlands Notenbankchef Yannis Stournaras wagt sich aus der Deckung. Er fordert von der EZB ein noch stärkeres Gelddrucken, um den...

DWN
Deutschland
Deutschland Reiseveranstalter sehen nur eine Rettung: Den digitalen Impfpass

Die deutsche Reisebranche will im Sommer endlich wieder höhere Umsätze machen. Sie setzt dabei auf den digitalen Impfpass, den alle...

DWN
Finanzen
Finanzen In der Eurozone zirkulierende Geldmenge steigt weiter rasant an

Die in der Eurozone zirkulierende Geldmenge steigt weiter stark an. Offenbar decken sich die Bürger insbesondere mit Bargeld und schnell...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermeiden Sie diese 7 Fehler beim Aktienkauf

Fehler kosten an der Börse oftmals viel Geld. Privatanleger, die zum ersten Mal mit Aktien handeln, treten meistens in dieselben...

DWN
Politik
Politik Great Reset: Ansichten von SPD-Chefin Esken decken sich mit der Agenda des Weltwirtschaftsforums

Fleischverzicht, eine drastische Reduzierung von Flügen und weitere Maßnahmen sollen laut SPD-Chefin Saskia Esken gut sein, um das Klima...

DWN
Deutschland
Deutschland Baute der Verfassungsschutz gezielt rechtsextreme und islamistische Organisationen auf?

Ein führender Kopf von al-Qaida und den Salafisten in Deutschland war einem Bericht zufolge V-Mann des Verfassungsschutzes. Doch auch beim...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundesregierung schwört Bevölkerung auf fortgesetzten Lockdown ein

Die Mehrheit der Deutschen plädiert für Lockerungen, doch die Bundesregierung und ihre Experten halten dagegen und schließen ein...

DWN
Politik
Politik In ihrem Klimawahn zerstört die EU Europas Auto-Industrie: „Wir werden eine Arbeitslosigkeit erleben, wie wir sie noch nie gehabt haben“

Neue Pläne der EU-Kommission bedeuteten faktisch ein Verbot von Verbrennungsmotoren. Mehrere gewichtige Stimmen aus der Autobranche warnen...

DWN
Politik
Politik Corona-Homeoffice: Lehrer masturbiert vor Schülern während Zoom-Sitzung

Während einer Zoom-Sitzung mit seinen Schülern hat ein Lehrer masturbiert. Er hatte nach eigenen Angaben gedacht, die Sitzung sei vorbei....

DWN
Politik
Politik Sky-Moderator: „Globalisten“ verhelfen mit dem Great Reset China und Big Tech zur Weltmacht

Der Sky-Moderator Rowan Dean berichtet, dass die „Globalisten“ des Weltwirtschaftsforums den Niedergang der USA bis 2030 propagieren....

DWN
Politik
Politik Seekabel von Asien nach Europa: China treibt digitale Seidenstraße voran

Über ein Netz von Seekabeln setzt China sein Projekt zur digitalen Seidenstraße um. Das Kabelnetz soll Asien mit Afrika und Europa...

DWN
Deutschland
Deutschland Koalition will Schuldenbremse auch noch 2022 aussetzen

Union und SPD sind sich darüber einig, dass sie die Schuldenbremse auch 2022 noch nicht wieder einhalten wollen. Konservativere Stimmen in...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundesagentur braucht deutlich mehr Steuergeld für Kurzarbeit

Die grassierende Kurzarbeit hat den massiven Schaden, der durch die Corona-Maßnahmen verursacht worden, bisher recht gut verdeckt. Doch...

DWN
Deutschland
Deutschland Wirtschaft warnt vor den Folgen eines fortgesetzten Lockdowns

Deutsche Wirtschaftsverbände warnen die Politik vor den verheerenden Folgen des anhaltenden Lockdowns und fordern klare Schritte in...