Finanzen

Banken-Krise: Bulgarien will Zugriff auf EU-Steuergelder

Lesezeit: 1 min
15.07.2014 14:32
Bulgarien will als erstes Nicht-Euro-Land der Bankenunion beitreten. Die Ankündigung erfolgt wenige Tage nach dem Bank-Run auf das viertgrößte Geldhaus des Landes. Mit dem Zugriff auf die europäischen Sicherungssysteme soll die heimische Banken-Krise entspannt werden.
Banken-Krise: Bulgarien will Zugriff auf EU-Steuergelder

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Bulgariens Präsident Rossen Plewneliew sagte am Montag in Sofia, dass das Land sich der europäischen Bankenaufsicht anschließen wolle. Es wäre das erste Land außerhalb der Eurozone, das sich der Bankenunion anschließen will, wie der EUobserver berichtet. So soll „die Stabilität seiner Banken“ garantiert werden.

Hintergrund könnte sein, dass hierfür auch der ESM für eine Bankenrekapitalisierung in Frage käme – selbst für ein Nicht-Euro-Land wie Bulgarien. Zuletzt wurde von den Euro-Finanzministern erwägt, dass eine ESM-Tochter auch außerhalb der Eurozone zum Einsatz kommen könnte.

Für Banken dieser Länder würde man demnach einen europäischen Fonds benötigen, der im Notfall bei der Sanierung eines Geldhauses aushelfen kann. Diese Aufgabe könne eine ESM-Tochter übernehmen.

Dazu müsste jedoch der ESM-Vertrag geändert werden. Dies stieß bisher vor allem in Deutschland auf Widerstand.

Die Bulgarische National Bank (BNB) hatte am Freitag den Sparern versprochen, dass ihre Ersparnisse bei der Corporate Commercial Bank (Corpbank CCB) sicher seien. Zuvor war erwogen worden, der Bank die Lizenz zu entziehen. Doch offenbar hätte dies erhebliche Folgen für den Staat sowie politische Verwerfungen nach sich gezogen.

Untersuchungen hatten zuletzt ergeben, dass bei der Bank Dokumente für ein Kreditportfolio im Umfang von umgerechnet 1,75 Milliarden Euro verschwunden sind. Zentralbankchef Iwan Iskrow gab daraufhin die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens bekannt.

„Wesentliche Teile der Kredit-Dateien für ein Kreditportfolio von 3,5 Milliarden Leva (1,75 Milliarden Euro), aus dem insgesamt 5,4 Milliarden Lew-Kredit-Portfolio fehlen. Höchstwahrscheinlich wurden sie in den Tagen zerstört, kurz bevor die Bank unter „Vormundschaft“ gestellt wurde“, heißt es bei centralbanking.com.

In den Skandal der undurchsichtigen und übermäßigen Kreditvergabe verwickelt ist der Eigentümer der Bank, Tsvetan Vassilev. Es gäbe enge Verflechtungen zwischen den Schuldnern der Bank und dem Eigentümer.

Nachdem die Dokumente offenbar im Reißwolf vernichtet wurden, ist es nicht mehr möglich, die Schulden der Kreditnehmer in Höhe von 1,75 Milliarden Euro einzutreiben.

Wirtschaftsprüfungen in den vergangenen Wochen haben ergeben, dass große Mengen an Bargeld von der CCB abgezogen wurden. Insgesamt wurde etwa 142,5 Millionen US-Dollar abgehoben, davon 93 Millionen Euro, weitere Einlagen im Wert von 45.000 US-Dollar und der Rest in bulgarischen Lew, wie centralbanking.com meldet.

Die Corporate Commercial Bank (CCB) hatte die Geschäfte der multinationalen, französischen Bank Crédit Agricole gekauft, kurz bevor der Skandal ruchbar wurde (mehr zu den europäischen Verflechtungen der bulgarischen Banken hier).

Prüfungen der CCB durch die Zentralbank ergaben, dass es „Aktionen“ gab, die im „Widerspruch zum Gesetz und guter Bankpraxis standen, um es milde auszudrücken“, sagte ein Verantwortlicher bei der Bulgarische National Bank (BNB).

 

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Japans Notenbank droht Crash der globalen Finanzmärkte auszulösen

Namhafte Spekulanten wetten massiv auf einen Zinsanstieg in Japan, da die Notenbank keine andere Wahl zu haben scheint. Doch die globalen...

DWN
Deutschland
Deutschland Ende der EEG-Umlage: Warum Sie noch heute Ihren Strom ablesen sollten

Es sollte einmal ein großer Entlastungsschritt werden. Doch die Abschaffung der Ökostrom-Umlage reicht aus Sicht von Experten nicht aus,...

DWN
Politik
Politik Russische Hacker nehmen Europa ins Fadenkreuz: EU wappnet sich für Cyberkrieg

Allein in dieser Woche wurden bereits Institutionen zweier europäischer Länder zur Zielscheibe russischer Hacker. Etwa zeitgleich einigt...

DWN
Finanzen
Finanzen Kommt eine neue Weltordnung – und wie können Anleger reagieren?

Mit China und Russland bildet sich ein neuer Gegenpol zu den USA. Anleger können sich gegen die geopolitischen Risiken nicht bloß durch...

DWN
Politik
Politik Die EU: Große Zukunft oder baldiger Zerfall?

Die EU – beziehungsweise die Reihe von Organisationen, aus denen sie hervorgegangen ist – besteht seit nunmehr 71 Jahren. Für viele...

DWN
Panorama
Panorama Globale Lebensmittelkrise treibt Millionen Menschen in die Hungersnot

Die Welt steht vor einer globalen Lebensmittelkrise. Der Krieg in der Ukraine ist dabei nur der Auslöser einer ohnehin instabilen globalen...

DWN
Deutschland
Deutschland Studie: So abhängig ist Deutschland von Rohstoff-Importen

Deutschland ist in Bezug auf Rohstoffe nicht nur völlig abhängig, sondern auch sehr anfällig. Eine Studie des Münchner ifo-Instituts...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Papierindustrie schlägt wegen Gaskrise Alarm

Die energieintensive Papierindustrie in Deutschland warnt vor dem Hintergrund der Gaskrise vor einem Produktionsstopp. Dabei geht es um die...