Politik

Europäische Schuldenkrise gefährdet russisches Wachstum

Lesezeit: 2 min
03.09.2012 23:35
Um eine zweite Finanzkrise im Land zu vermeiden, sollte sich Russland derzeit statt auf das gebeutelte Europa lieber auf das Geschehen in Asien konzentrieren. Die Schuldenkrise in Europa gefährde die russische Wirtschaft und den Bankensektor, so Andrey Kostin, CEO der zweitgrößten Bank Russlands.
Europäische Schuldenkrise gefährdet russisches Wachstum

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Das Wirtschaftswachstum Russlands verlangsame sich derzeit, warnte VTB-Chef Andrey Kostin - seine Bank ist die zweitgrößte Bank Russlands. Ähnliche Probleme, wie sie das Land bereits im Jahr 2008 bzw. die Weltgemeinschaft schon 2007 erlebt hat, sieht sein Unternehmen diesmal allerdings nicht auf Russland zukommen, sagte er der Russian Today in einem Interview. Laut Prognosen der VTB werde die Weltwirtschaft in diesem Jahr um etwa 2,5 Prozent wachsen, die russische Wirtschaft hingegen um 3,5 Prozent.

„Es wird keine zweite Welle der Krise, sondern eine lange Zeit der Erholung geben”, so Kostin weiter. Die europäische Schuldenkrise und die fortschreitende Rezession bereiten seinem Haus aber dennoch Sorgen. Die Nachfrage nach russischen Exportgütern, wie etwa nach Metallen, sei bereits gesunken. Hält diese Entwicklung an, werde das auch zu sinkenden Ölpreisen führen und das würde dann auch die VTB-Kunden sowie den gesamten russischen Bankensektor betreffen. Hier, so konstatiert er, müsse eine Menge getan werden. „Noch ist nicht klar, wie diese Krise gelöst werden sollte. Doch am Ende des Tages rechnen wir nicht mit einem starken Rückgang in der Wirtschaft.”

Während Europa also mit seinen eigenen Problemen beschäftigt ist, stellt Kostin heraus, würden auf der anderen Seite jedoch Schwellenländer – vor allem in Asien – wertvolle Wachstumsimpulse für die Weltwirtschaft liefern. Positiv wertet der Branchenfachmann deshalb auch die Signale, die derzeit vom APEC-Gipfel ausgehen. Seit 2. September findet dieser im fernöstlichen Wladiwostok und damit erstmals in Russland statt. Hier, so meldet auch Riu Novosti, gehe die Asiatisch-Pazifische Wirtschaftsgemeinschaft – ungeachtet der beunruhigenden Lage der Weltwirtschaft – unbeirrt den Weg zu einer Steigerung der regionalen Wirtschaftsintegration.

Derzeit heißt es von dort: „Die Schaffung eines Systems für die freie und offene Handels- und Investitionstätigkeit in der APEC-Region ist eine der programmatischen Schlüsselaufgaben des Forums. Das Jahr 2020 ist ein Orientierungspunkt für die Bewegung auf dem Wege zu einer Liberalisierung des Handels und der Investitionen.“

Der APEC gehören derzeit 21 Staaten aus dem asiatisch-pazifischen Raum an. Unter ihnen befinden sich China, Japan, Australien, Kanada, Russland sowie die USA. Die Staats- und Regierungschefs der 20 Mitgliedsländer kommen allerdings erst am 8. September nach Wladiwostok, um dann „über eine Liberalisierung des Handels und der Investitionen, eine wirtschaftliche Integration, Aufbau vonVerkehrs- und Logistikketten und Innovationen zu beraten”.

Weitere Schritte zur Liberalisierung der wirtschaftlichen Beziehungen mit der Region werden von Kostin ganz klar begrüßt. Aus wirtschaftlicher Sicht handle es sich hier um eine der am schnellsten wachsenden Regionen der Welt. Dabei besonders im Blick hat er China, Singapur und Indonesien. Für Russland sei es seiner Ansicht nach unerlässlich hier den Fokus zu setzen. In Asien gäbe es ein riesiges Potenzial an Ressourcen, Energie und global Kooperationen. Auch die VTB, so führt er weiter aus, werde sich in den kommenden fünf Jahren auf diesen Markt konzentrieren.


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Die Beziehungen sind keine Einbahnstraße: Was China von Deutschland benötigt
22.06.2024

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) besucht gerade China, um auf gut Wetter beim Thema Strafzölle zu machen - Stichtag in der EU...

DWN
Finanzen
Finanzen Erben und Vererben - steuerliche Aspekte im Überblick
22.06.2024

Erbschaften und Schenkungen sind in Deutschland nicht nur mit emotionalen, sondern auch mit steuerlichen Herausforderungen verbunden....

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Seltene Erden: Gigantisches Vorkommen in Norwegen entdeckt
22.06.2024

Im Süden Norwegens wurde ein bedeutender Rohstofffund gemacht. In einem urzeitlichen Vulkanschlot entdeckten Geologen das größte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Chinas Elektroriese BYD: Das Geheimnis des Erfolgs von Wang Chuanfu
22.06.2024

BYD hat Tesla als größten Hersteller von Elektroautos abgelöst, und hinter diesem Erfolg steht Wang Chuanfu. Während Elon Musk weltweit...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft OECD: Geburtenrate hat sich innerhalb von 60 Jahren halbiert
22.06.2024

Starker Geburtenrückgang: In Deutschland und anderen Ländern bekommen Frauen deutlich weniger Kinder als früher. Das hat gravierende...

DWN
Technologie
Technologie Fraunhofer-Institut: Elektro-Lastwagen bald wettbewerbsfähig
22.06.2024

Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts könnten Batterie-Lastwagen schon bald kostentechnisch mit Diesel-Lkw mithalten. Der Hauptfaktor...

DWN
Technologie
Technologie Digitalisierung im Gesundheitswesen lahmt weiterhin
22.06.2024

Obwohl in Deutschland das Gesetz zur Beschleunigung der Digitalisierung des Gesundheitswesens (Digital-Gesetz/DigiG) Ende 2023...

DWN
Politik
Politik Der Chefredakteur kommentiert: Keine Hausaufgaben mehr? Die Grünen und ihr verhängnisvoller Irrweg
21.06.2024

Liebe Leserinnen und Leser, jede Woche gibt es ein Thema, das uns in der DWN-Redaktion besonders beschäftigt und das wir oft auch...