Technologie

Neues Bezahlsystem: Apple Wallet will Kreditkarten überflüssig machen

Lesezeit: 3 min
16.09.2014 00:30
Vor einer Woche wurde Apple Pay angekündigt – eine Variante, um digital in Kaufhäusern zu bezahlen. Nutzer sollen dabei ihr Telefon verwenden anstatt Bargeld oder Kreditkarten. Das Angebot soll mit iPhones und sogar der iWatch funktionieren. Sicherheitsbedenken hat der Konzern keine.

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Eine Reihe von großen US-Handelsketten ist bereits dafür ausgestattet, um Bezahlungen auf diese Weise abrechnen zu können. Sogar einige namhaften Banken und Kreditkartenbetreiber, unter anderem Visa, Mastercard und American Express unterstützen diesen Schritt.

Dennoch sind viele Kritiker alles andere als begeistert von diesem System. Rund 220.000 Läden können derzeit Apple Pay anbieten. Das sind jedoch gerade einmal 5,5 Prozent der 3,6 Millionen Einzelhändler in den USA. Hier sieht man, wie unbeliebt die Idee ist – sagen die Gegner. Immerhin schon 5,5 Prozent Abdeckung, eine Woche nach Markteinführung – sagen die Befürworter.

Fakt ist aber, dass die größten Handelsketten sich bisher bedeckt halten und einen Bogen um das neuartige System machen. So haben etwa Wal-Mart und Best Buy keine Anstalten gemacht, um Apple Pay in ihren Läden zu installieren.

Wie so oft ist die Idee von Apple nicht neu, nur können sie es schöner verpacken. Das sogenannte kontaktlose Bezahlen gibt es auch schon bei Starbucks, McDonald's, Google und Paypal. All diese Unternehmen haben ihr eigenes System entwickelt. Doch bisher nutzen das Angebot nur sehr wenige Kunden.

Das könnte Apple mit seiner riesigen Zahl an Fans jetzt ändern. Viele Analysten sehen dadurch auch die Chance endlich den Kreditkartenbetreibern einen Schlag zu verpassen. Andere loben das besonders sichere Bezahlen mit Apple Pay.

Die fortschrittlichen Sicherheitsmaßnahmen können durchaus positiv angesehen werden. Allerdings ist der Zeitpunkt etwas ungünstig, nachdem vor kurzem viele prominente Frauen ihre Nacktbilder im Internet sehen konnten. Eigentlich sollten die privaten Fotos in Apple's iCloud sicher gespeichert sein. Doch Hacker haben sich trotzdem Zugang verschafft und die Bilder veröffentlicht.

Wer als privater Nutzer die eigenen Nacktbilder an Hacker verliert, wird nicht gleich in allen Medien genannt. Da können gestohlen Kontodaten einen viel größeren Schaden verursachen. Vor allem haben Handydiebe jetzt auch die Möglichkeit sofort mit dem gestohlenen Smartphone shoppen zu gehen.

Dafür müssen zwar noch einige Sicherheitsmaßnahmen ausgehebelt werden. Doch durch einen solch großen Markt, werden kriminelle Hacker angezogen – einfach weil es sich besonders lohnen kann, mit einem fremden iPhone zu bezahlen. Ungeachtet dieser Gefahren geht beispielsweise Citi Investment Research von einem enormen Wachstumsmarkt aus. So sollen nach den Schätzungen von Analyst Mark May der Umsatz von kontaktlosem Bezahlen von 1 Milliarde US-Dollar im vergangenen Jahr auf 58,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 explodieren.

Um diese Zahlen erreichen zu können, müssen deutlich mehr Einzelhändler überzeugt werden. Der Hauptgrund für die Gegenwehr der Geschäfte waren bisher die Kosten, die vorab entstehen, nur damit der Kunde mit seinem Smartphone einkaufen kann. Ein passendes Gerät kostet mehrere Hundert Dollar. Zusätzlich müssen die Mitarbeiter geschult werden, um das kontaktlose Bezahlen bedienen zu können. Gleichzeitig hat der Händler dadurch aber keinen entscheidenden Vorteil – vom Service für den Kunden einmal abgesehen.

Doch Apple könnte die Geschäfte zum Umdenken zwingen. Wenn die ersten Umsatzzahlen veröffentlicht werden, ziehen vielleicht sogar Wal-Mart und Best Buy nach. In Kanada und Großbritannien ist diese Art zu zahlen schon weit verbreitet, ganz bevor Apple Pay angekündigt wurde. So laufen dort laut Mastercard 20 Prozent der Bezahlungen an der Kasse kontaktlos ab.

Ed McLaughlin, Leiter für neue Bezahlsysteme bei Mastercard beschreibt der Times of India wie gerne die Nutzern den Service verwenden: „Wir haben gemerkt, dass Kunden die per Knopfdruck zwei oder drei Mal bezahlt haben, nie wieder in ihr altes Verhalten beim Händler zurückfallen. Es ist einfach viel bequemer.“

Um den erwähnten Sicherheitsfragen den Wind aus den Segeln zu nehmen, hat Apple neben dem Fingerabdruck einen angeblich sicheren Chip entwickelt. Zudem wird weiterhin ein einmaliger Sicherheitscode benötigt, wenn Kunden bezahlen wollen.

Ganz so viel einfacher und bequemer klingt das nicht unbedingt. Mit einer Kredit- oder EC-Karte wird auch eine PIN benötigt. Dafür konnten die Nutzer bisher ohne Fingerabdruck einkaufen gehen. Ist der Akku des Smartphones leer, muss auf bisherige Zahlweisen zurückgegriffen werden. Geht das Handy verloren, gilt es Apple Pay möglichst schnell zu sperren – ähnlich wie bei den Karten.

Die neue Idee von Apple ist also noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Zumindest aber einmal ein Schuss vor den Bug der Kreditkartenbetreiber. Denn diese haben seit Jahrzehnten das Monopol auf bargeldlose Transaktionen und kassieren gerne 3 bis 4 Prozent für jede Buchung. Natürlich will sich Apple Pay einen Teil von diesem Kuchen abschneiden. Ähnlich wie Paypal kostet auch hier jede Transaktion Geld. Allerdings ist dies immer noch günstiger als per Kreditkarte zu bezahlen.

Wer also kein Freund von Bargeld ist und mit dem bedingten Sicherheitsrisiko leben kann, für den könnte sich Apple Pay als ideales System entwickeln. Auch wenn es momentan noch wenige Läden gibt, die den Service anbieten. Aber Apple-Nutzer sind bekanntlich Einschränkungen gewöhnt und somit wird dies kein Hindernis sein, wenn es darum geht möglichst stylisch zu bezahlen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Wie die USA schlafmützig den Munitionsnachschub für die Ukraine gefährden
22.02.2024

Die Ukraine muss sich gerade an mehreren Abschnitten der Kriegsfront mit Russland zurückziehen, weil ihren Truppen die Munition für ihre...

DWN
Politik
Politik „Wir brauchen in Deutschland endlich einen Befreiungsschlag“
21.02.2024

Die Bundesregierung hat ihren Jahreswirtschaftsbericht veröffentlicht und dabei ihre Wachstumsprognose nach unten korrigiert: nämlich von...

DWN
Politik
Politik Europa ist anfällig für "Teile-und-Herrsche-Strategie" der Großmächte
21.02.2024

Werden Deutschland und die EU Opfer einer zunehmenden Rivalität zwischen den USA und China? Geraten sie zwischen die Fronten? Und wie kann...

DWN
Finanzen
Finanzen Digitaler Euro: EZB versucht, Banken zu beschwichtigen
21.02.2024

Der Bankensektor sieht im digitalen Euro eine Gefahr für sein Geschäftsmodell. Die EZB versucht diese Sorgen mit Gegenargumenten zu...

DWN
Politik
Politik Effektivität zweifelhaft: EU setzt auf neue Finanz-Sanktionen gegen Russland
21.02.2024

Kurz vor dem zweiten Jahrestag des Überfalls auf die Ukraine hat die Europäische Union ihr 13. Sanktionspaket gegen Russland beschlossen....

DWN
Politik
Politik Zickenalarm: Richtungsstreit im Rat der Wirtschaftsweisen
21.02.2024

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm soll aus dem Rat der Wirtschaftsweisen geschasst werden. Hintergrund ist ein vermeintlicher...

DWN
Immobilien
Immobilien Raumgreifend: Der Bundestag dehnt sich weiter aus und wird immer teurer
21.02.2024

Das Bundesamt für Raumordnung und Bauwesen (BBR) hat den Architektenwettbewerb im sogenannten Luisenblock-Ost im Hauptstadt-Viertel...

DWN
Immobilien
Immobilien 600.000 zu wenig: Der Wohungsnotstand spitzt sich zu
21.02.2024

Der Wohnungs-Notstand in Deutschland hat einen neuen Höchstwert erreicht. Die hohen Zinsen sind der Hauptfaktor, aber es hapert an vielen...