Panorama

Zwischen Alltag und Angriffen: So erleben Israelis den Krieg

Mal Espresso, dann wieder Sirenengeheul: In Tel Aviv kämpfen die Menschen darum, ein Stück Normalität zu bewahren. Eindrücke aus einer Stadt zwischen Alltag und Ausnahmezustand.
11.03.2026 07:23
Lesezeit: 2 min
Zwischen Alltag und Angriffen: So erleben Israelis den Krieg
Israel, Tel Aviv: Menschen und ihre Hunde schlafen in einer Tiefgarage als Vorsichtsmaßnahme gegen mögliche iranische Raketenangriffe. (Foto: dpa)

Raketeneinschlag erschüttert Nordwesten

Im Nordwesten der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv ist am Wochenende ein ungewöhnlich lauter Knall zu hören. Nach einem iranischen Angriff strömen in einem Viertel zahlreiche Menschen aus Schutzräumen auf die Straße. Es hat sich herumgesprochen: In der Gegend ist ein Raketenteil eingeschlagen.

Seit anderthalb Wochen greifen Israel und die USA Ziele im Iran an. Das Land schlägt zurück und feuert Raketen auf Israel sowie weitere Staaten der Region. In Israel unterstützt Umfragen zufolge eine große Mehrheit den Krieg, trotz des mitunter tödlichen Raketenbeschusses. Viele hoffen auf einen Regierungssturz im Iran. Viele Israelis sehen ihre Heimat durch das iranische Raketen- und Atomprogramm existenziell bedroht.

Nach dem Einschlag am Sonntag drängen Polizisten Anwohner und Schaulustige zurück und sperren die Gegend großflächig ab. Spezialkräfte untersuchen zunächst, ob weitere Explosionsgefahr besteht. Ein Auto wurde getroffen, daneben hat das Raketenteil ein großes Loch geschlagen.

Die Besitzerin des Autos ist sichtlich geschockt. "Ich war nicht zu Hause", berichtet sie. Auch ihre Wohnung habe etwas abbekommen – ihr Mann habe ihr erzählt, dass Fensterscheiben zerbrochen seien. Immerhin: Er selbst habe den Angriff sicher im Luftschutzbunker überstanden. Mehr kann die Frau nicht berichten – auf den Handys aller Umstehenden ertönt schon wieder der schrille Warnton des israelischen Zivilschutzes. Ein weiterer Angriff steht bevor. Eilig machen sich die Menschen erneut auf den Weg in Schutzräume.

Schutzräume werden zum Schlafplatz

Viele Menschen verbringen derzeit auch die Nächte in Schutzräumen, weil sie es sonst kaum rechtzeitig in die Bunker schaffen würden. Nach einer Handywarnung bleiben nur wenige Minuten, um sich in Sicherheit zu bringen, und nicht jeder hat einen Bunker in unmittelbarer Nähe. In einem unterirdischen Parkhaus im Norden von Tel Aviv haben einige Anwohner sogar Zelte aufgebaut, in denen sie übernachten.

Alltag über der Erde: Cafés, Strand, Sport

Oberirdisch zeigt sich ein Bild, das fast normal wirkt. Die meisten Geschäfte haben geöffnet, am Strand treiben Menschen Sport, und viele Israelis sitzen wieder in Cafés, Bars oder Restaurants. Die Lokale sind allerdings längst nicht so gut besucht wie üblich.

"Wir sind an Ausnahmesituationen gewöhnt", erklärt der Anwalt Itay, der mit einem Arbeitskollegen einen Espresso trinkt. Raketenangriffe gehören für Israelis seit Jahrzehnten zum Alltag. Die iranischen Geschosse gelten allerdings als besonders gefährlich. "Wir passen uns immer an die aktuelle Lage an", sagt der 60-Jährige weiter. Er erkundige sich derzeit immer nach dem nächsten Schutzraum, wenn er außer Haus unterwegs sei.

Arbeit und Familie im Ausnahmezustand

Eine Kellnerin in dem Café wirkt weniger gelassen: "Ich habe Kinder und wäre in dieser Zeit wirklich gerne bei ihnen", sagt die 38 Jahre alte Avital. Sie müsse aber arbeiten, weil die Familie auf das Einkommen angewiesen sei, erklärt die Israelin, während sie für einen Kunden einen Kaffee zubereitet. Ihre Kinder seien gerade bei ihrer anderen Mutter – und damit zumindest in besten Händen. Kindergärten und Schulen im Land bleiben derzeit noch geschlossen.

Mehrmals täglich warnen die Behörden vor Angriffen. In den Cafés bleiben dann die Gläser stehen, in den Supermärkten die Einkaufswagen. Nach rund 20 Minuten gibt es meistens Entwarnung, und die Menschen können die Schutzräume wieder verlassen. Dann versuchen sie, ihren Alltag so gut es geht wieder aufzunehmen.

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