Finanzen

Marode spanische Banken hoffen auf Schonung durch die EZB

Lesezeit: 2 min
23.10.2014 23:28
Beim Stresstest der EZB dürfte vor allem Banken kleinere Länder durchfallen. Für größere Staaten gilt: Die Banken müssen überleben, um das Finanzsystem nicht zu gefährden. Darauf hoffen vor allem die spanischen Banken, die ja erst vor zwei Jahren aus dem ESM gerettet wurden.
Marode spanische Banken hoffen auf Schonung durch die EZB

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Banken aus Griechenland, Italien, Österreich, auf Zypern, in Portugal und womöglich Belgien werden den Stresstest offenbar nicht bestehen. Doch auch Banken in Spanien könnten ebenfalls dazu gehörten. In den Portfolios spanischer Banken befinden sich faule Kredite in Höhe von 184,3 Milliarden Euro. Allerdings dürfte die EZB kaum Interesse daran haben, Zombiebanken „durchfallen“ zu lassen. Denn dies hätte auch negative Folgen für die Bilanz der Notenbank, in der sich Staatsanleihen und Nothilfekredite an Banken befinden.

Nach Angaben der spanischen Zentralbank (Banco de España) stieg das Verhältnis der faulen Kredite bei Spaniens Banken im August auf 13,25 Prozent. Dies sind beunruhigende Anzeichen.

Das Volumen der faulen Kredite beträgt inzwischen 184,3 Milliarden Euro, wie Independent Online berichtet. Weiter fallende Immobilienpreise und eine sinkende Vergabe von Krediten belasten die Bilanzen der Geldhäuser.

In erster Linie beruht dies auf dem Erbe des Immobilien-Booms, welches bekanntlich die spanische Regierung dazu zwang, auf den ESM-„Rettungsschirm“ zurückzugreifen, um seine Banken zu stützen. Mitte 2012 bekam das Land bis zu 100 Milliarden Euro aus dem europäischen Hilfsfonds ESM zugesprochen, wovon es rund 41,3 Milliarden Euro in Anspruch nahm.

Zwar ist der Anteil der faulen Kredite von 13,6 Prozent seit letzten Dezember leicht gesunken, dennoch reagierten die Märkte auf die potentiell katastrophale Kombination aus Rezession und möglicher Deflation. Die Zinsaufschläge für Staatsanleihen in den Peripherieländern, darunter Spanien, legten zuletzt deutlich zu.

Zudem gehen die Finanzmärkte davon aus, dass bei dem Bilanzcheck der EZB, der am 26. Oktober veröffentlicht wird, auch faule Kredite versteckt sein dürften, wonach Banken weitaus mehr Eigenkapital benötigen, als bisher erwartet.

Ebenso für Unruhe sorgte ein Bericht der spanischen Nachrichtenagentur EFE, wonach mindestens elf Banken aus sechs Euro-Ländern den seit Monaten laufenden Fitnesscheck der Aufseher nicht bestanden haben, darunter drei griechische, drei italienische, zwei österreichische, eine zyprische, eine portugiesische und womöglich eine belgische Bank.

Als weiterer, verstörender Faktor kommt hinzu, dass die EZB bereit ist, griechische Banken zu stützen, sowie die Zusicherung der EU-Kommission, dem griechischen Staat auch dann noch finanziell zu helfen, wenn das „Rettungsprogramm“ aus dem zweiten „Hilfspaket“ Ende des Jahres aufläuft. Gut möglich, dass beim Stresstest der EZB einige Banken durchfallen. „Doch kann die Notenbank auch kein Interesse daran haben, die Schwächen der europäischen Banken wirklich schonungslos aufzudecken“, berichtet die FAZ.

Die FAZ wörtlich:

„Denn dann würde sie das europäische Finanzsystem destabilisieren. Dies hätte auch negative Folgen für die Bilanz der Notenbank, in der sich Staatsanleihen und Nothilfekredite an Banken befinden. Wirklich neutral kann die Europäische Zentralbank in ihrer Bestandsaufnahme also nicht vorgehen“.

Den Befreiungsschlag, also das Ausscheiden der Zombiebanken aus dem Markt, verhindere die EZB selbst, so die FAZ. Denn sie wolle die nicht überlebensfähigen Institute mit Billigkrediten und Käufen von Kreditpaketen weiter unterstützen.

Doch vorerst will die EZB offenbar verhindern, dass an irgendeiner Stelle Panik ausbricht. Daher wird auch Griechenland wohl verschont werden: Die griechische Alpha Bank hat nach Reuters-Informationen den Stresstest bestanden. Das Institut benötige kein zusätzliches Kapital, sagten zwei mit der Situation vertraute Personen. Die griechischen Institute galten insgesamt als Wackelkandidaten.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber 5 Immobilienweisheiten – oder wie Sie den Wert Ihrer Immobilie steigern können

Aufgrund der hohen Nachfrage zeigen Immobilien eine äußerst positive Wertentwicklung. Mit ein paar Maßnahmen lässt sich der Preis der...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft EU-Kommission: Schulden-Regeln sollen weiter ausgesetzt bleiben

Die Stabilitätsregeln in der EU sollen nach Meinung der Kommission auf unbestimmte Zeit ausgesetzt bleiben.

DWN
Politik
Politik NZZ-Chef: "Die Zeit der liberalen Kreuzzüge ist vorbei."

Am Sonntag wurde dem Chefredakteur der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ), Eric Gujer, in der Frankfurter Paulskirche der Ludwig-Börne-Preis...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Ukraine: Getreide-Exporte im Mai weiter im Tiefflug

Seit Anfang Mai exportiert die Ukraine nur mehr rund ein Drittel des Getreides im Vergleich zum Mai 2021.

DWN
Finanzen
Finanzen Kommt die Vermögensabgabe – und wie schützen sich Anleger?

Immer mehr Stimmen fordern einen Corona- oder Ukraine-Lastenausgleich – also eine verpflichtende Vermögensabgabe, die die exorbitanten...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Scholz sucht im Senegal nach Gas - vom „Klimaschutz“ ist plötzlich keine Rede mehr

Die Bundesregierung sucht plötzlich händeringend nach Gas. Noch vor wenigen Monaten hatte Berlin die Afrikaner zur Abkehr von fossilen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Eine echte Bedrohung: Cyberkrieg gegen deutsche Mittelständler

Die deutschen Mittelständler sind vermehrt Ziel von Cyberattacken ohne sich dagegen erfolgreich wehren zu können.

DWN
Politik
Politik Gegen China: USA forcieren „drastische“ Aufrüstung Japans

Washington forciert die - bislang untersagte - Aufrüstung Japans. Eine neue Wirtschaftsinitiative soll zudem zur Eindämmung Chinas...

DWN
Politik
Politik Habeck in Davos: Ungarn soll sich bei Öl-Embargo nicht zurücklehnen

"Wir sehen das Schlechteste von Europa", schmähte Habeck in einer Diskussionsrunde beim Weltwirtschaftsforum in Davos.