Finanzen

Zu kompliziert: Deutsche bei Steuererklärung hilflos

Lesezeit: 1 min
06.12.2014 01:39
Die deutschen Bürger ziehen immer häufiger Steuer-Berater heran, um ihre Steuer-Erklärungen zu bewerkstelligen. Sogar durchschnittliche Angestellte gehen diesen Weg, weil sie mit den komplexen Steuer-Vorschriften überfordert sind.
Zu kompliziert: Deutsche bei Steuererklärung hilflos

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Steuern  

Die Steuervorschriften in Deutschland sind im weltweiten Vergleich sehr komplex und undurchsichtig. Davon profitieren vor allem Steuerberatungs-Gesellschaften. So ergeht es auch der Kanzlei Knappworst und Partner, die ihren Hauptsitz in Potsdam hat.

„Es gibt immer noch Menschen, die denken, dass sie mit Steuerhinterziehung durchkommen. Aber immer mehr Menschen legen Wert darauf, sich an die Vorschriften zu halten“, zitiert die Financial Times den Anwalt Stefan Donner, der einer der insgesamt 60 Mitarbeiter von Knappworst und Partner ist.

Doch es sind nicht nur die undurchsichtigen Steuervorschriften, die die Menschen dazu bewegen, sich von Steuer-Profis beraten zu lassen. Medienwirksame Steuer-Skandale der vergangenen Jahre haben eine abschreckende Wirkung auf die Gesellschaft gehabt. Dazu gehört beispielsweise die Steuer-Affäre um den ehemaligen Präsidenten des Fußball-Clubs FC Bayern München, Uli Hoeneß.

Die Zahl der Steuerberater ist in den vergangenen zehn Jahren um ein Fünftel auf 80.000 Personen angestiegen. „Wir zahlen viel Steuern in Deutschland“, sagt Clemens Fuest, Steuer-Analyst am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim. Doch es gebe einen großen Unterschied zwischen Deutschland und vielen anderen Ländern. „Im Gegensatz zu einigen anderen Ländern, wird niemand wegen Steuervermeidung bewundert“, so Fuest. Denn in Deutschland werden Steuern als ein Beitrag zum Allgemeinwohl und nicht als eine staatlich verordnete Gebühr wahrgenommen.

Ein weiterer Unterschied zu anderen Ländern ist, dass in Deutschland sich auch beispielsweise normale Angestellte von Steuer-Kanzleien beraten lassen. Viele von ihnen sollen nicht im Stande sein, die komplexen steuerlichen Vorschriften zu begreifen.

Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Steuersünder ausfindig gemacht. Um einer Gefängnis-Strafe zu entgehen haben sich im Jahr 2012 über 8.000 Personen wegen Steuer-Hinterziehung selbst angezeigt. Im vergangenen Jahr führten 26.000 Personen Selbstanzeigen durch. Im aktuellen Jahr liegt diese Anzahl bei 32.000 Personen.


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Grenzziehung: Russlands Planspiele sorgen für Besorgnis bei Nachbarn
22.05.2024

Ein russisches Gesetzesprojekt zur Neubestimmung der Ostsee-Grenzen sorgt für Aufregung bei Nachbarländern. Litauen spricht von...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Handelskonflikt mit USA und EU heizt sich auf: China erwägt höhere Import-Zölle auf Verbrenner
22.05.2024

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China eskaliert weiter und erfasst nun auch europäische Autobauer, die gar keine E-Autos...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesbank: Konjunkturaussichten hellen sich langsam auf
22.05.2024

Die deutsche Wirtschaft scheint das Gröbste überstanden zu haben. Nach einem leichten Wachstum zu Jahresbeginn dürfte die Konjunktur...

DWN
Politik
Politik Lehrerverband will Islamunterricht: Lösung für bessere Integration oder Anbiederung?
22.05.2024

Gut 1,6 Millionen Schüler moslemischen Glaubens besuchen mittlerweile Deutschlands Schulen. Für sie wünscht sich der Präsident des...

DWN
Immobilien
Immobilien Bessere Laune im Bausektor, aber Auftragsmangel immer noch zentrales Problem
22.05.2024

Auf dem ZIA-Finance Day letzte Woche ging es - unter anderen Schlüsselthemen - um die sich stabilisierende makroökonomische Lage in...

DWN
Finanzen
Finanzen Der DWN-Marktreport: Börsen im Rally-Modus – Aktienmärkte erreichen Allzeithochs, Metalle glänzen
22.05.2024

Die vergangene Woche konnte sich sehen lassen: Die internationalen Finanz- und Rohstoffmärkte warteten mit beeindruckenden Preisbewegungen...

DWN
Politik
Politik Erleichterungen für Hausarztpraxen im Fokus
22.05.2024

Das Bundeskabinett befasst sich mit einer stärkeren Absicherung der Gesundheitsversorgung für Patientinnen und Patienten - besonders in...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Europawahl und die AfD: Unternehmen äußern wirtschaftliche Bedenken
22.05.2024

Neue IW-Studie: Mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen lehnt die AfD deutlich ab. Sie sind besorgt über den Wirtschaftsstandort...