Unternehmen

Keine Bundeshilfen für innovativen Flugtaxi-Anbieter Lilium - Grüne blockieren

Das Münchner Start-up-Unternehmen will in Kürze ein elektrisches Flugtaxi auf den Markt bringen und braucht dringend eine staatliche Kreditbürgschaft. Aber vom Bund wird es nichts geben. Die Folgen sind offen. Die Bundesregierung verschläft mal wieder eine hausgemachte Hi-Tech-Chance, weil die Grünen lieber Fahrrad fahren wollen auf kurzen Strecken. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder von der CSU wettert über fortschreitende „grüne Deindustrialisierung“.
17.10.2024 12:20
Lesezeit: 3 min

Der Elektroflugzeug-Pionier Lilium soll keine staatliche Unterstützung bekommen – nicht vom Bund und damit auch nicht von Bayern. Die Ampel-Koalition hat eine Bürgschaft über 50 Millionen Euro abgelehnt. Dem Vernehmen waren vor allem die Grünen dagegen, die Haushälter der SPD und zuletzt auch die der FDP hätten wohl zugestimmt. Mit dem Nein aus Berlin ist auch eine bayerische Hilfszusage hinfällig.

Das bayerische Kabinett hatte im September beschlossen, Lilium eine Kreditbürgschaft über 50 Millionen Euro zu gewähren - allerdings nur unter der Voraussetzung, dass sich der Bund in gleicher Weise beteiligt. „Wir hätten unseren Beitrag erbracht", sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) - und erhob schwere Vorwürfe gegen die Grünen. Die Staatsregierung hatte zuletzt wiederholt erklärt, die Hilfszusagen für Lilium nicht alleine stemmen zu können. Lilium selbst wollte sich zu den Vorgängen zunächst nicht äußern.

Das Start-up-Unternehmen arbeitet an einem vollelektrischen, senkrecht startenden und landenden Flugtaxi. Der Erstflug soll Anfang 2025 stattfinden, die ersten Maschinen sollen 2026 an Kunden ausgeliefert werden. Aber das kostet erst einmal viel Geld; allein im ersten Halbjahr 2024 wurden rund 200 Millionen Euro ausgegeben. Bislang wird das an der US-Börse Nasdaq gelistete Unternehmen von rund 70 Investoren finanziert.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

SPD-Haushälter Dennis Rohde sagte: „Deutschland kann es sich gerade nicht leisten, dass Industriearbeitsplätze der Zukunft verschwinden. Deshalb hätten wir als SPD dieser klimaneutralen Zukunftstechnologie gern staatlich unter die Arme gegriffen. Leider gab es für diese wirtschaftspolitische Überzeugung keine Mehrheit in der aktuellen Koalition.“

Der FDP-Obmann im Haushaltsausschuss, der Aschaffenburger Abgeordnete Karsten Klein, sagte, für die FDP-Fraktion hätten nach tiefgehenden Analysen die Chancen für eine Bundeshilfe überwogen. «Das Scheitern ist kein gutes Signal für das Unternehmen, die Arbeitsplätze und den Hightech-Standort Bayern.» Zugleich kritisierte er die bayerische Staatsregierung: Sie müsse «endlich Instrumente auf den Weg bringen, die es Start-ups in Bayern einfacher macht und vor allem mehr Planungssicherheit gibt».

Söder attackiert die Grünen

Söder schrieb auf X: „Nächster Fall von Bayern-Bashing und bitterer Rückschlag für den Technologie-Standort Deutschland." Die Grünen in der Ampel verweigerten Lilium die Unterstützung – obwohl es mit dem Bundeskanzleramt anders besprochen gewesen sei.

„Alte Industrie im Norden wie Werften wird vom Bund mit Milliardensummen unterstützt, aber für Zukunftsinvestitionen im Süden gibt es keinen Cent. Das ist eine krasse Fehlentscheidung und weitere grobe Benachteiligung Bayerns“, kritisierte Söder. Damit blockiere die Ampel dringend benötigte Innovation in Deutschland und gefährde über 1.000 hoch spezialisierte Arbeitsplätze. Die Grünen seien verantwortlich, wenn deutsche Kreativität in die USA, Frankreich oder nach China abwandere. Das schade dem Wirtschaftsstandort Deutschland. Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) kritisierte, Deutschland jage „seine eigenen Gründer vom Hof“.

Grünen-Abgeordnete äußerten sich nicht offen. Aus Kreisen der Grünen-Fraktion in Berlin hieß es nur: „Aufgrund vieler interner und externer fachlicher Einschätzungen und einer schwierigen Haushaltslage haben wir Zweifel, dass der Bund hier ins Risiko gehen sollte. Herr Söder kann gerne stärker mit bayerischem Geld ins Risiko gehen, er prahlt doch immer, wieviel er davon hat.“

Alternativer Standort in Frankreich

Lilium beschäftigt rund 500 Luftfahrtingenieure und hat für seine elektrischen Flugtaxis bereits Kunden mit über 700 Fest- und Vorbestellungen in den USA, Großbritannien, Frankreich, Saudi-Arabien und vielen anderen Ländern. Ein Unternehmenssprecher sagte: „Frankreich hat uns erhebliche Förderung in Aussicht gestellt, wenn wir einen zweiten Standort in Südwestfrankreich eröffnen.“

Allerdings fordern die Investoren nach Angaben von Lilium-Chef Klaus Roewe auch, dass auch der deutsche Start dem Unternehmen Starthilfe gebe, so wie es andere Staaten für ihre Elektro-Luftfahrt-Pioniere täten: „Die Anfangsinvestitionen sind einfach zu hoch, um rein privatwirtschaftlich gestemmt zu werden.“ Weltweit kein einziges Flugzeugprogramm habe es ohne staatliche Förderung zum Erfolg gebracht, schrieb der ehemalige Airbus-Manager Roewe.

China und USA fördern elektrische Luftfahrt

Mit verbesserten Batterien könnten nach Einschätzung des Unternehmens in den 2040er Jahren 80 Prozent aller Flüge elektrisch und damit CO2-frei erfolgen. In China gehöre elektrische Luftfahrt zu den Prioritäten im laufenden Fünfjahres-Plan, der chinesische Flugzeugbauer Comac und der Batteriehersteller Catl investierten Milliarden. Die USA unterstützen den Lilium-Konkurrenten Joby laut Roewe mit 600 Millionen Dollar.

Der bayerische Wissenschaftsminister Blume (CSU) kritisierte, Deutschland jage „seine eigenen Gründer vom Hof“. Die „grüne Deindustrialisierung Deutschlands“ schreiet voran.

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