Finanzen

Gegen den Dollar: China will Rubel-Krise zur Stärkung des Yuan nutzen

Lesezeit: 2 min
22.12.2014 01:31
China will Russland gegen die Abwertung des Rubel helfen, die Liquiditäts-Engpässe auslösen könnte. Das ist zumindest in einem Währungs-Abkommen zwischen beiden Ländern festgelegt. So könnte China Dollar verkaufen und Rubel kaufen, um den Rubel zu stützen.
Gegen den Dollar: China will Rubel-Krise zur Stärkung des Yuan nutzen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Das Staatliche Devisenamt von China (SAFE) beobachtet den Rubel-Verfall sehr aufmerksam. Denn China und Russland haben im Oktober ein Währungs-Abkommen getroffen, wonach die Stützung des Rubels oder des Yuans im Verantwortungsbereich beider Staaten liegt. Dieses nennt sich SWAP-Abkommen und hat ein Volumen über 24 Milliarden Dollar.

Zugleich will China die Rubel-Schwäche nützen, um den Yuan als Weltwährung zu positionieren: China will seinen Handel mit Russland wegen des Rubel-Absturzes verstärkt in Yuan abwickeln. Dies könne den Warenaustausch sicherer und verlässlicher machen, erklärte der chinesische Handelsminister Gao Hucheng. Die westlichen Sanktionen hätten den seit einigen Jahren anhaltenden Trend einer intensiveren Yuan-Nutzung verstärkt, sagte Gao dem Hongkonger Sender Phoenix TV zufolge. Russland und China könnten in diesem Jahr ihr Ziel erreichen, den Handel zwischen den beiden Ländern auf ein Volumen von 100 Milliarden Dollar zu steigern.

Die russische Währung hat in diesem Jahr im Vergleich zum Dollar 45 Prozent an Wert eingebüßt. In der vergangenen Woche verbuchte sie dabei einen besonders dramatischen Kursrutsch. Die Turbulenzen auf dem Devisenmarkt hätten jedoch nur einen geringen Einfluss auf Kooperationen der beiden Länder bei Energie- und Fertigungsprojekten, fügte Gao hinzu. China käme eine geringere Nutzung des Dollar beim internationalen Handel gelegen, da es seit Jahren das Ziel verfolgt, den Yuan weltweit als Reserve-Währung zu etablieren.

Zwei Banker, die der chinesischen Notenbank nahe stehen, sagten der Zeitung South China Morning Post, dass das Abkommen mit Russland in erster Linie gegen Dollar gerichtet sei. Die Rolle des Dollar soll verringert werden. Wenn es Liquiditäts-Engpässe gibt, sollen sich China und Russland gegenseitig helfen. China könnte dies durch die Senkung seiner Dollar-Bestände und den Aufkauf von Rubel vornehmen.

Der Vorsitzende der in Shanghai ansässigen Private-Equity-Gruppe Yinshu Kapital, Wang Feng, sagt: „Die Yuan-Rubel-SWAP-Geschäft war nicht nur eine finanzielle Angelegenheit (…) Es hat politische Hintergründe und ist ein Zeichen des politischen Vertrauens.“

Die BRICS-Staaten haben im Juli eine eigene Entwicklungsbank und einen Währungsfonds gegründet. Der BRICS-Währungsfonds soll die Schwellenländer in Krisenzeiten vor Kapitalflucht schützen. Russland könnte schon bald von diesem Fonds Gebrauch machen.

China hat bisher SWAP-Abkommen mit insgesamt weltweit 20 Notenbanken abgeschlossen. Dazu gehört auch die EZB. Im Oktober wurde zwischen der Notenbank Chinas (PBoC) und der EZB eine Swap-Vereinbarung mit einer Laufzeit von drei Jahren geschlossen. Dazu meldete der Hessische Wirtschaftsminister Florian Rentsch in einer Mitteilung:

„Die SWAP-Vereinbarung zwischen der chinesischen und der Europäischen Zentralbank ist sehr zu begrüßen. Sie entspricht den gewachsenen Finanzierungsbedürfnissen insbesondere der mit China eng im Austausch stehenden deutschen Wirtschaft. Sie ist auch ein weiterer grundlegender Schritt für den Aufbau von Frankfurt als Standort für die Abwicklung von Geschäften in der chinesischen Währung Renminbi (RMB).“


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft DWN-Kommentar: Wie Russland den Westen in der Ostsee testet - und China uns im Zollstreit
24.05.2024

Liebe Leserinnen und Leser, jede Woche gibt es ein Thema, das uns in der DWN-Redaktion besonders beschäftigt und das wir oft auch...

DWN
Politik
Politik Hessen will Ukrainisch an Schulen als zweite Fremdsprache einführen
24.05.2024

Manchen jungen Ukrainern fehlt in Hessen die zweite Fremdsprache für die gymnasiale Oberstufe. Sie müssen vorerst aufs Abitur verzichten....

DWN
Technologie
Technologie „Mission KI“: Deutschlands Initiative für Künstliche Intelligenz und Datenökonomie
24.05.2024

„Mission KI“ heißt die nationale Initiative zur Stärkung der KI- und Datenökonomie in Deutschland. Gemeinsam mit Acatech und dem...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Deutsche Wirtschaft zu Jahresbeginn leicht gewachsen
24.05.2024

Keine große Überraschung, aber erste Anzeichen für Zuversicht: Das Statistische Bundesamt meldet erste Anzeichen für einen...

DWN
Immobilien
Immobilien Studie: Worüber sorgen sich die Akteure am Immobilienmarkt?
24.05.2024

Eine Studie hat die Lage der deutschen Immobilienwirtschaft aus der Sicht von Kauf- und Bauinteressenten, Immobilienbesitzern und...

DWN
Politik
Politik Demokratiefest rund um Kanzleramt und Bundestag
24.05.2024

75 Jahre Grundgesetz - mit Diskussionen, Konzerten und allerhand Informationen feiert Deutschland seine Verfassung. Die Bundesregierung...

DWN
Politik
Politik Kritik am Hartz-IV-Nachfolger: Bestraft das Bürgergeld aufrichtige Arbeitnehmer?
24.05.2024

Nach Zeiten-, Energie- und Wirtschaftswende fordert jetzt auch die CDU eine Wende bei der Sozialpolitik. Arbeit soll sich wieder lohnen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Was bei „Workation“ beachten? Umfassender Ratgeber zu Steuer- und Sozialversicherungsfragen
24.05.2024

Entdecken Sie die Welt der Workation - eine aufregende Mischung aus Arbeit und Urlaub! Arbeiten Sie von den schönsten Orten der Welt aus,...