Politik

GDL droht mit mehrtägigem Streik im Bahnverkehr

Lesezeit: 1 min
15.02.2015 01:01
Die Gewerkschaft der Lokführer hat mit ausgiebigen Streiks gedroht, weil sie Lohnverbesserungen auch für weitere Berufsgruppen durchsetzen will. Die Deutsche Bahn zeigt sich überrascht. Die Streiks können hundert Stunden dauern, sagte GDL-Chef Claus Weselsky.
GDL droht mit mehrtägigem Streik im Bahnverkehr

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Lokführergewerkschaft GDL hat der Deutschen Bahn im Tarifkonflikt ein Ultimatum gestellt und mit mehrtägigen Streiks gedroht. «Der nächste Streik wird um die hundert Stunden lang sein», sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky der «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» (FAS). Die GDL sandte der Bahn demnach ein sogenanntes «Verhandlungsprotokoll» mit neun Punkten. Sie will nur auf dessen Grundlage weiterverhandeln und verlangt, dass die Bahn die Forderungen anerkennt - bis zur Sitzung der Tarifkommission am kommenden Mittwoch um 11 Uhr. Eine GDL-Sprecherin bestätigte dies am Samstag auf dpa-Anfrage.

Eine Bahn-Sprecherin sagte der dpa: «Die Deutsche Bahn hat keinerlei Verständnis für erneute Streikdrohungen und dafür keinen Anlass geliefert, im Gegenteil: wir haben Kernforderungen der GDL wie zum Flächentarifvertrag erfüllt.» Eine vernünftige Lösung könne es ausschließlich am Verhandlungstisch geben - und nicht durch unnötige Verunsicherung der Kunden und Mitarbeiter der Bahn. «Das Papier, von dem hier die Rede ist, werden wir bewerten, wenn es offiziell vorliegt», sagte die Sprecherin weiter.

Wenn das Papier nicht bis zur Sitzung der Tarifkommission von allen Seiten unterschrieben worden sei, «werden wir unseren Beschlussgremien die Fortsetzung der Streiks vorschlagen», schrieb Weselsky dem Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes, Werner Bayreuther. Die Gewerkschaft könne einen Arbeitskampf binnen eines Tages organisieren. Demnach könnte schon am kommenden Wochenende der Bahnverkehr im ganzen Land erheblich gestört werden.

Der Konflikt dreht sich vordergründig um formale Fragen. Bisher gibt es nur einen Flächentarifvertrag für Lokführer; für andere Berufsgruppen hat die Bahn Haustarifverträge geschlossen. Die GDL hat schon durchgesetzt, dass künftig auch die Arbeitsbedingungen von Zugbegleitern und Disponenten mit einem Flächentarifvertrag geregelt werden. Wie die FAS schrieb, verlangt sie dies auch für Lokrangierführer und will sie wie Lokführer einstufen – was den Betroffenen erhebliche Lohnzuwächse einbrächte und deshalb von der Bahn abgelehnt werde.

Die Bahn betonte dagegen in einer Stellungnahme, es sei die GDL gewesen, die am Mittwoch erklärte habe, Berufsgruppen wie Instruktoren, Trainer und Lokrangierführer nicht in den Flächentarifvertrag aufnehmen zu wollen. «Und das mit der Begründung, dass es diese Berufsgruppen bei den Wettbewerbern der DB im Eisenbahnverkehrsmarkt so gar nicht gebe.»

Die Gewerkschaft hatte die Verhandlungen mit der Bahn am Mittwoch für gescheitert erklärt. Sie begründete dies damit, dass der Konzern sie verpflichten wolle, sich Tarifverträgen der Konkurrenzgewerkschaft EVG unterzuordnen.

Die GDL hat in dem Tarifkonflikt im vergangenen Herbst bereits sechsmal gestreikt, zuletzt Anfang November. Die GdL war in der Öffentlichkeit massiv attackiert worden, weil sie von ihrem Streikrecht Gebrauch gemacht hatte.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Deutsche Bank warnt vor explodierender Inflation - "Weltwirtschaft sitzt auf einer Zeitbombe"

Der globale Chef-Ökonom der Deutschen Bank sieht den Anbruch einer gefährlichen neuen Phase der Wirtschaftspolitik gekommen, da die...

DWN
Finanzen
Finanzen Bernegger analysiert: Die Inflation ist da - und sie wird schlimmer werden

DWN-Kolumnist Michael Bernegger zeigt auf, wie sich die Inflation entwickeln wird.

DWN
Deutschland
Deutschland Spielerberater: „Auch die Vereine profitieren von uns“

Spielerberater haben generell nicht den besten Ruf. Zu Unrecht, findet Thies Bliemeister. Im Interview mit den DWN erläutert der Inhaber...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutschland braucht mehr Strom als berechnet – was bedeutet das?

Bei den bisherigen Annahmen, wie viel Strom das Land braucht, liegt man ordentlich daneben. Doch wie soll der erhöhte Strombedarf gedeckt...

DWN
Politik
Politik USA und Russland werden die Arktis unter sich aufteilen

In der Arktis werden die USA und Russland die EU und China voraussichtlich verdrängen. Deutschland könnte sich dennoch an...

DWN
Technologie
Technologie Bayerische Hightech-Schmiede bekämpft mit Mikroorganismen den Klimawandel - und begeistert neue Investoren

Viele Produkte, die wir täglich anwenden, basieren auf Petrochemie, beispielsweise Arzneimittel oder Kleidungsstücke. Bei ihrer...

DWN
Politik
Politik Biden reicht Putin die Hand - um gemeinsam gegen China vorzugehen

Joe Biden verfolgt auf seiner Europa-Reise nur ein Ziel: Eine amerikanisch-europäisch-russische Allianz gegen China zu schmieden. Der...

DWN
Finanzen
Finanzen Bernegger analysiert: Droht uns die Inflation?

DWN-Kolumnist Michael Bernegger analysiert die konjunkturelle Lage.