Politik

Germanwings Absturz: Piloten-Verbände üben scharfe Kritik an Ermittlungen

Lesezeit: 1 min
28.03.2015 01:48
Der europäische Pilotenverband ECA fürchtet um die Unabhängigkeit der Ermittlungen im Fall des Germanwings Absturzes. Der Internationale Pilotenverband kritisiert, dass die vorzeitige Veröffentlichung von Teilergebnissen aus der Auswertung des Stimmenrekorders die Ermittllungen behindere und auf „Sensationalismus und Voyeurismus der übelsten Sorte“ abziele.
Germanwings Absturz: Piloten-Verbände üben scharfe Kritik an Ermittlungen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Mit großer Verärgerung haben Pilotenverbände darauf reagiert, dass Ermittlungsinformationen zum Germanwings-Absturz vorab an Medien weitergegeben worden sind. Der französische Pilotenverband SNPL kündigte am Freitag an, Anzeige wegen Verrats von Berufsgeheimnissen zu erstatten. Der europäische Pilotenverband ECA fürchtet um die Unabhängigkeit der Ermittlungen, wie die dpa schreibt.

Dass Daten aus dem Stimmenrekorder der Germanwings-Maschine so schnell öffentlich gemacht worden seien, sei ein schwerer Verstoß gegen akzeptierte Standards der Unfallaufklärung, kritisierte der Pilotenverband. Er verwies auf ähnliche Kritik des internationalen Berufsverbandes Ifalpa.

Grund für die geplante Anzeige des französischen SNPL sind Berichte der «New York Times», die Informationen auf Basis des Stimmrekorders der abgestürzten Maschine noch vor der Pressekonferenz des Staatsanwaltes verbreitet hatte. Das bedeute, dass es eine undichte Stelle gegeben habe, sagte der Präsident der Vereinigung, Eric Derivry, im französischen Sender BFMTV.

Der zuständige Staatsanwalt Brice Robin aus Marseille hatte am Donnerstag Erkenntnisse der Ermittler zum Todesflug bekanntgegeben. Er hatte aus den Aufzeichnungen des Stimmenrekorders gefolgert, dass der Copilot am Ende des Fluges allein in der Kabine war und der Pilot aus der Kabine ausgesperrt war. Der Copilot soll den Airbus nach derzeitiger Einschätzung der Ermittler absichtlich zum Absturz gebracht haben. Über mögliche Motive gab es zunächst keine gesicherten Erkenntnisse.

Die informelle Weitergabe von Informationen behindere die Ermittler in ihrer Arbeit, erklärte die ECA in einer Stellungnahme. Demnach gäbe es viele offene Fragen über den Unfallhergang. «Die notwendige Führung der Sicherheitsermittler scheint von Strafverfolgungs-Erwägungen verdrängt worden zu sein», beklagte der Verband. «Dies ist äußerst schädlich und macht es schwerer, die Luftfahrt durch Lehren aus dieser Tragödie sicherer zu machen.»

Die internationale Pilotenverband Ifalpa mit Sitz im kanadischen Montreal kritisierte die vorzeitige «Schuldzuweisung» und sprach in einer Mitteilung von einem «Vertrauensbruch gegenüber allen an der Untersuchung Beteiligten und den Familien der Opfer». Eine frühe Veröffentlichung von Teilergebnissen aus der Auswertung des Stimmenrekorders behindere die Untersuchungen. Eine solche Nutzung der Informationen sei «eine inakzeptable Störung der Privatsphäre», die auf «Sensationalismus und Voyeurismus der übelsten Sorte» abziele.

Die ECA (European Cockpit Association) vertritt nach eigenen Angaben 38 000 Piloten aus Europa. Die Ifalpa beschreibt sich als Dachverband für mehr als 100 Berufsorganisationen mit mehr als 100 000 Piloten.


Mehr zum Thema:  

Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Halbzeit Urlaub bei ROBINSON

Wie wäre es mit einem grandiosen Urlaub im Juni? Zur Halbzeit des Jahres einfach mal durchatmen und an einem Ort sein, wo dich ein...

DWN
Finanzen
Finanzen So wählt Warren Buffett seine Investments aus
25.04.2024

Warren Buffett, auch als „Orakel von Omaha“ bekannt, ist eine Ikone der Investment-Welt. Doch worauf basiert seine Investmentstrategie,...

DWN
Technologie
Technologie KI-Chips trotz Exportbeschränkungen: China sichert sich US-Technologie durch die Hintertür
25.04.2024

Trotz der US-Exportbeschränkungen für Hochleistungsprozessoren scheint China einen Weg gefunden zu haben, sich dennoch mit den neuesten...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Russlands Kriegswirtschaft: Putin geht das Geld nicht aus
25.04.2024

Russlands Wirtschaft wächst weiterhin, ist aber stark von der der Kriegsproduktion abhängig. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius...

DWN
Technologie
Technologie Petrochemie: Rettungsleine der Ölindustrie - und Dorn im Auge von Umweltschützern
24.04.2024

Auf den ersten Blick sieht die Zukunft des Erdölmarktes nicht rosig aus, angesichts der Abkehr von fossilen Treibstoffen wie Benzin und...

DWN
Politik
Politik Sunaks Antrittsbesuch bei Kanzler Scholz - strategische Partnerschaft in Krisenzeiten
24.04.2024

Rishi Sunak besucht erstmals Berlin. Bundeskanzler Scholz empfängt den britischen Premierminister mit militärischen Ehren. Im Fokus...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesbank-Präsident: Zinssenkungspfad unklar, digitaler Euro erstrebenswert
24.04.2024

Spannende Aussagen von Bundesbank-Präsident Joachim Nagel: Ihm zufolge wird die EZB nach einer ersten Zinssenkung nicht unbedingt weitere...

DWN
Technologie
Technologie Habeck sieht großes Potenzial in umstrittener CO2-Einlagerung
24.04.2024

Die Technologie "Carbon Capture and Storage" (CO2-Abscheidung und -Speicherung) ist in Deutschland ein umstrittenes Thema. Inzwischen gibt...

DWN
Politik
Politik Chinesische Spionage: Verfassungsschutz mahnt Unternehmen zu mehr Vorsicht
24.04.2024

Der Verfassungsschutz warnt vor Wirtschaftsspionage und Einflussnahme aus China. Vor allem für deutsche Unternehmen wäre eine naive...