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US-Investor will Lebenszeit der Menschen auf 150 Jahre erhöhen

Zahlreiche Technologie-Milliardäre investieren ihr Vermögen in Forschungsprojekte, die den Tod und das Altern aufhalten sollen. Biologen und IT-Experten entwickeln mithilfe von Gen-Datenbanken und Stammzellen Methoden, das menschliche Leben auf 150 Jahre auszudehnen. Kritiker befürchten, die Milliardäre könnten künftig die Forschungsagenda bestimmen.
15.04.2015 10:00
Lesezeit: 2 min

Der US-Investor Peter Thiel hat den Kampf der Menschheit gegen den Tod zum Ziel seiner wohltätigen Bemühungen erklärt. Verschiedenste Wissenschaftler aus Bereichen von Molekularbiologie bis Computertheorie sollen im Auftrag des milliardenschweren PayPal Mitbegründers den Tod zumindest hinauszögern. 150 Jahre Lebensdauer seien demnach ein realistisches erstes Ziel.

Sein Forscher-Team besteht aus Experten verschiedenster Bereiche, die radikale neue Ansätze verfolgen und dafür von Thiel Schecks in Millionenhöhe bekommen, so ein Bericht der Washington Post.

Thiels Experten arbeiten einerseits an verschiedenen Möglichkeiten, Menschen zu reparieren. Stammzellenforschung oder künstliche Haut gehört ebenso dazu wie Nanomedizin zur Krebsbekämpfung oder künstliche Organe als Ersatzteile. Eine Frischblutkur soll ebenfalls erstaunliche Ergebnisse im Bereich Anti-Aging gezeigt haben, so ein kürzlich veröffentlichte Studie.

Anderer Ansätze fangen bereits bei den Genen an: Die Molekularbiologin Cynthia Kenyon hat etwa durch genetische Manipulation bereits erfolgreich die Lebensspanne von Würmern verdoppelt und wird ebenfalls von Thiel gefördert.

Doch Thiel setzt auch auf Ideen, die bisher in der Wissenschaft als Häresie galten. So sei etwa der Upload des Hirns auf Mikro-Chips eine geeignete Möglichkeit, den Geist aus dem verfallenden Körper zu retten. Die große Aufgabe der Moderne sei es laut Thiel, den Tod von einer Tatsache des Lebens in ein zu lösendes Problem zu verwandeln.

Dabei gehe es nicht nur um Medizin: Algorithmen könnten für jeder Person die gesündeste Lebensweise berechnen und so etwa ein angeborenes Krebs-Risiko minimieren. Ähnlich wie Wettervorhersagen, die durch bessere Daten und mehr Rechenkapazität exakter werden, könnten Maschinen alle verfügbaren Informationen über eine Person und ihre die Umwelt miteinander in Zusammenhang setzen und so aus den gegenwärtigen Parametern  eines Menschen Voraussagen über seine Zukunft treffen.

So fördert Thiel auch den Computertheroretiker De Grey, der das Ende des Alterns durch medizinischen Fortschritt vorausgesagt hat - berechnet durch intelligente Algorithmen.

Thiel ist bei seinem Projekt nicht allein:  Google Gründer Page und Oracle Gründer Ellison  sind ebenso dabei wie Facebook, eBay, Napster und Netscape-Gründer. Nicht selten steht dahinter eine persönliche Betroffenheit der Milliardäre: Napster-Gründer Sean Parker leidet an Allergien und steckt Millionen in die Forschung gegen eben diese. Googles Sergey Brin hat ein genetisch erhöhtes Risiko für Parkinson und finanziert Datenforschung für Genetik. Oracle-Gründer Larry Ellison will gar seine persönliche Todes-Angst überwinden. Er hat verkündet, für immer leben zu wollen und bereits 430 Millionen Dollar für ein Anti-Aging-Labor gespendet. Er sagt: „Der Tod hat für mich noch nie Sinn gemacht. Wie kann eine Person da sein und dann einfach verschwinden, einfach nicht mehr da sein?“ Und Google-Gründer Larry Page gründete gleich ein eigenes Anti-Aging-Forschungs-Center namens Calico – für 750 Millionen Dollar.

Die Technologie-Millionen sind dabei, die Tagesordnung der Wissenschaft neu zu schreiben. Das führt dazu, dass sie zunehmend Richtung und das Tempo bestimmen: Einst wurde zwei Drittel der wissenschaftlichen und medizinischen Forschung von der Regierung finanziert, zum Gemeinwohl. Inzwischen wird zu zwei Dritteln von der Privatwirtschaft finanziert, zu einem wachsenden Anteil von Milliardären, die niemandem Rechenschaft schuldig sind und wenig Geduld für langwierige Genehmigungsprozesse haben.

Ihr philantrophisches Hobby verstehen die Milliardäre als Wohltat: Den Tod zu überwinden diene schließlich dem Wohl der gesamten Menschheit.

Allerdings gibt es viele Kritiker, für die diese Art der Forschung lediglich dem Wohl der reichen Menschheit dient. Alterskrankheiten zu bekämpfen helfe Milliarden Menschen in Armut nicht, die wegen Hunger, Krieg und Infektionen nicht einmal das schon jetzt mögliche Höchst-Alter erreichen. Bioethikerin Laurie Zoloth etwa sorgt sich, die Obsession der Milliardäre, länger zu leben würde eher durch Hybris als durch Wohltätigkeit motiviert. Auch Bill Gates kritisiert den neuen Fokus: „Es scheint mit ziemlich egozentrisch wenn reiche Menschen Dinge finanzieren mit denen sie länger leben, wenn wir immernoch Malaria und Tuberkulose auf der Welt haben“, so Gates, der seine Spendentätigkeit eher auf die Reduzierung der Kindersterblichkeit in Entwicklungsländern lenkt.

Eine Dystopie lautet daher, dass die Projekte gegen den Tod eines Tages die ultimative Ungerechtigkeit schaffen: Dass der Unterschied zwischen Arm und Reich irgendwann auch den Unterschied zwischen Sterblich und Unsterblich bedeuten könnte.

Auch die gesellschaftlichen Konsequenzen ihres möglichen Erfolgs stehen in der Kritik. Sechs Generationen einer Familie gleichzeitig brauchen Nahrung, Arbeit oder Renten – die Überforderung der sozialen Systeme durch die Überalterung ist programmiert.

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