Studie: Besserverdiener haben klügere Kinder

 

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26.05.2015 12:07
US-Forscher haben einen Zusammenhang zwischen den Denk-Leistungen von Kindern und dem Einkommen ihrer Eltern belegt. Schüler mit gut verdienenden Eltern haben demnach nicht nur eine bessere Allgemeinbildung: Die Forscher fanden auch strukturelle Unterschiede in den Gehirnen der Kinder.
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Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der Harvard University sorgen für Aufsehen. Sie fanden in einer neuen Studie an 12- bis 13-Jährigen Schülern einen Zusammenhang zwischen Allgemeinbildung, dem Einkommen der Eltern und bestimmten anatomischen Aspekten des Gehirns.

Schon frühere Studien haben belegt, dass Schüler von besserverdienenden Eltern im Durchschnitt schulisch besser abschneiden als Schüler aus weniger reichen Elternhäusern. Bekannte Gründe hierfür sind fehlende Förderung der Kinder durch Nachhilfe und allgemein schlechtere Lernbedingungen.

Allerdings war noch nicht bekannt, dass Kinder von Gutverdienern in bestimmten Hirnarealen eine dickere Hirnrinde haben – an Stellen, die für die visuelle Wahrnehmung und für das Speichern von Wissen zuständig sind. Diese Größenunterschiede des Gehirns korrelieren zusätzlich mit den Ergebnissen des Standardtests, mit dem die schulischen Leistungen der Kinder abgefragt wurden.

„Wie man es erwartet, ist es schlecht in einer bildungsfernen Umgebung aufzuwachsen. Wir sehen das nicht nur anhand der Testergebnisse, wir sehen das in den Köpfen dieser Kinder“, so John Gabrieli, Professor der Neurowissenschaften am MIT und einer der Autoren der Studie. „Für mich ist das eine Aufforderung zum Handeln. Wir möchten die Möglichkeiten für diejenigen verbessern, deren Umgebung es ihnen nicht leicht macht.“

Zum Ziel der Studie gehörte nicht, Gründe für die gefundenen Unterschiede in den Gehirnen der Kinder zu untersuchen. Frühere Studien zeigten jedoch, dass die Kinder von Geringverdienern häufig unter frühkindlichem Stress leiden, einen schlechteren Zugang zu Bildung haben und in ihrer  früheren Kindheit weniger mit ihnen gesprochen wird. Jeder dieser Faktoren wurde durch vergangene Studien mit geringerem schulischen Erfolg in Zusammenhang gebracht.

In den letzten Jahren habe sich der Spalt zwischen sozial besser und schlechter gestellten Schülern vergrößert. Sogar obwohl die Unterschiede zwischen verschiedenen Rassen und Ethnien verschwinden. Das berichtet Martin West, Professor für Pädagogik an der Harvard Graduate School of Education und einer der Autoren der Studie. „Dieser Spalt, gemessen an Testergebnissen, ist ein allgegenwärtiges und schon lange bestehendes Phänomen der amerikanischen Bildungslandschaft und in Schulsystemen auf der ganzen Welt. Es besteht großes Interesse daran, dagegen anzugehen.“

Die Hauptautorin der Publikation, die in Psychological Science erschien, ist Allyson Mackey, Forscherin des MIT McGovern Institute for Brain Research. In der Studie wurden 58 Schüler, alle 12 oder 13 Jahre alt, untersucht. Davon waren 23 Kinder aus Familien mit einem geringen und 35 aus Familien mit einem guten Gesamteinkommen. Kinder von Geringverdienern waren diejenige, die Anspruch auf ein vergünstigtes oder kostenloses Schulessen haben.

Die Forscher verglichen die Ergebnisse der Schüler aus dem Massachusetts Comprehensive Assessment System mit Untersuchungen des Cortex – dessen Hauptaufgaben sind umfassend denken, sprechen, Wahrnehmung und Motorik. Unterschiede der Dicke des Cortex, also der Hirnrinde, stellten die Wissenschaftler per Magnetic Resonance Imaging (MRI) fest. Speziell an den Stellen, die für die visuelle Wahrnehmung und die Speicherung von Wissen zuständig sind.

Diese anatomischen Unterschiede korrelieren sowohl mit den Testergebnissen als auch mit den verschiedenen Einkommen der Familien. Laut den Wissenschaftlern könnten die Abweichungen in der Größe der Hirnrinde bis zu 44 Prozent der Einkommensunterschiede erklären, die in dieser Studie gefunden wurden.

Vergangene Studien fanden bereits Zusammenhänge zwischen dem Einkommen und bestimmten anatomischen Unterschieden. Allerdings gelang es nicht diese Unterschiede mit akademischen Leistungen zu verknüpfen.

„Mehrere Labore haben bereits von Unterschieden in Strukturen von Kindergehirnen als Konsequenz des Einkommens der Familie berichtet. Diese Studie ist allerdings die erste, die damit auch schulische Leistungen verbindet“, so Kimberly Noble, Professor der Pädiatrie an der Columbia University, die nicht Teil des Forschungsteams war.

Die Forscher der Studie stellten an anderen Stellen des Gehirns keine Unterschiede fest und sie deuten darauf hin, dass die strukturellen Unterschiede der Anatomie nicht permanent sein müssen. „Es gibt sehr viele deutliche Hinweise darauf, dass Gehirne stark verformbar sind. Unsere Ergebnisse bedeuten nicht, dass zukünftige, gezielte Förderung, und all diese Dinge, keinen Unterschied machen können.“, meint Gabrieli.

In weiteren Studien möchten die Forscher mehr darüber herausfinden, wie man diesen Leistungsunterschied verringern kann und – sofern möglich – untersuchen, inwiefern das Einfluss auf die Anatomie eines Gehirns haben kann.


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