Gemischtes

Mobilfunkpreise sinken kurzfristig weiter

Lesezeit: 2 min
26.06.2015 12:32
Der Wettbewerb im deutschen Mobilfunk ist auch nach der Fusion von O2 und E-Plus noch vorhanden. Die Preise gehen vorerst weiter zurück. Dennoch ist der Wettbewerb auf dem Mobilfunkmarkt intensiv, so Experten.
Mobilfunkpreise sinken kurzfristig weiter

Seit Telefónica mit der Marke O2 ankündigte, E-Plus kaufen zu wollen und zum größten Mobilfunker nach Kunden in Deutschland aufzusteigen, fürchteten Verbraucherschützer Preiserhöhungen. Die Sorge: Wenn einer weniger den Wettbewerb anheizt, könnte es mit den Zeiten sinkender Preise für die Kunden bald vorbei sein – wie etwa in Österreich in ähnlicher Situation geschehen.

Die Tarife sind seit der Fusion vergangenen Oktober aber nicht wie befürchtet gestiegen. Im Mai lagen die Mobilfunkpreise nach Daten des Statistischen Bundesamts 2,1 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Das ist zwar ein geringerer Rückgang als im Schnitt der vergangenen Jahre, eine echte Trendumkehr sieht aber anders aus.

„Kurz und mittelfristig werden die Preise nicht steigen, denn wir bewegen uns nach wie vor in einem sehr wettbewerbsintensiven Markt“, sagt Marktexperte Werner Ballhaus von der Unternehmensberatung PwC. Schließlich gibt es neben den drei Großen Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland auch noch Service-Provider wie Freenet, United Internet und Drillisch, die Leitungen mieten und weiterverkaufen.

Dass für die Kunden alles rosig bleibt, ist aber dennoch nicht gesagt: Bei Tarifänderungen dauert es üblicherweise, bis Statistiker das auch tatsächlich am Gesamtmarkt messen können. Und Ballhaus hält Preiserhöhungen künftig auch durchaus für gerechtfertigt. „Langfristig wäre eine Preisanpassung allerdings hilfreich, um Investitionen in den notwendigen Ausbau der digitalen Infrastruktur zu ermöglichen.“ Davon hätten alle Marktteilnehmer etwas - also sowohl Anbieter als auch Kunden.

Aber nach Jahren des Umsatzschwunds fassen die Netzbetreiber aktuell auch ohne Preiserhöhungen wieder Fuß, Telekom und Telefónica nehmen im Mobilfunk nach langer Durststrecke bereits wieder mehr Geld ein. Das mobile Internet krempelt den Markt um, ein immer größerer Teil der Einnahmen aus Mobilfunkdienstleistungen kommt aus den Datenpaketen.

Die Telekom erzielte in den ersten drei Monaten des Jahres fast die Hälfte ihres Umsatzes im deutschen Mobilfunk mit Daten, bei Telefónica lag der Anteil bereits darüber. Und der Datenhunger von Smartphone und Co. sorgt sogar dafür, dass Anbieter häufig Datenvolumen gratis drauflegen, um am Markt weiter attraktiv zu sein.

Die SMS rutscht dagegen rapide ab: Von der einstigen Gelddruckmaschine wurden 2014 nach Zahlen der Bundesnetzagentur nur noch 22,5 Milliarden Stück verschickt – ein Minus von mehr als 60 Prozent gegenüber dem Höchstwert aus dem Jahr 2012. Internetdienste wie Whatsapp und Facebook setzen den Kurznachrichten schwer zu.

Wie sehr die Netzbetreiber auf die Datenerlöse mit dem Internet setzen, zeigte sich auch in der jüngsten Versteigerung von Mobilfunklizenzen. Insbesondere die für den schnellen Datenfunk LTE geeigneten Frequenzen waren den drei Konzernen viel wert, insgesamt legten sie über 5 Milliarden Euro auf den Tisch.

Ein Zubrot für die Konzerne: Die Roaminggebühren für das Telefonieren im EU-Ausland fallen wohl nicht wie ursprünglich geplant Ende des Jahres weg. Derzeit dürfen die Anbieter hierfür - ohne Mehrwertsteuer - maximal 19 Cent pro Minute für abgehende Gespräche berechnen, pro SMS 6 Cent. Das Europaparlament wollte die Zusatzgebühren ganz abschaffen, aber in einigen EU-Staaten regte sich Widerstand. Kürzlich stellte EU-Digitalkommissar Günther Oettinger aber zumindest eine Streichung ab 2017 in Aussicht.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Deutschland
Deutschland Geschlossene Läden und Ausgangssperren: Merkel macht Deutschland endgültig dicht

Auf die Menschen in weiten Teilen Deutschlands kommen Ausgangsbeschränkungen und geschlossene Läden nach bundesweit verbindlichen...

DWN
Finanzen
Finanzen Gemeinsam mit Bill & Bill: Bundesministerium ist Mitglied bei Anti-Bargeld-Lobby

Die „Better than Cash Alliance“​​​​​​​ kämpft weltweit gegen die Bargeld-Nutzung und für den Einsatz digitaler...

DWN
Politik
Politik Papst Franziskus unterstützt Lockdowns, universelles Grundeinkommen und die Agenda des Weltwirtschaftsforums

Papst Franziskus ist ein Unterstützer der Corona-Lockdowns. Scharfe Kritik übt er an Anti-Corona-Demos. Die Ansichten dieses Papstes...

DWN
Finanzen
Finanzen Raus ins Grüne: Wie Sie ein Ferienhaus kaufen

Nicht erst zu Zeiten von Corona zieht es viele Menschen ins Grüne – darunter auch den Autor dieses Textes. Im Sommer 2020 hat er sich...

DWN
Politik
Politik Kindesmissbrauch im Live-Stream: Nur sechs Jahre für Auftraggeber dank deutscher Kuscheljustiz

Er ließ Kinder aus anderen Ländern vor laufender Kamera sexuell missbrauchen – nun ist ein Online-Täter aus München zu sechs Jahren...

DWN
Politik
Politik Bundesregierung bereitet Corona-Sondergesetze vor - Polizei-Hundertschaften riegeln Berliner Regierungsviertel ab

Die Bundesregierung hebelt den Föderalismus in Deutschland ab einer Inzidenz von 100 aus. Die Inzidenz steigt jedoch zwingend bei mehr...

DWN
Politik
Politik US-Verteidigungsminister Austin besucht Berlin und Stuttgart, stockt Truppenpräsenz in Deutschland auf

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin ist zu Besuchen in Berlin und Stuttgart eingetroffen. Die Zahl der in Deutschland stationierten...

DWN
Technologie
Technologie Chinas digitale Zentralbankwährung wird ein Ablaufdatum haben

Chinas Notenbank ist mit den Tests ihrer digitalen Währung weit vorangeschritten. Aus der neuen Technologie ergeben sich für die...