Politik

Die EU will 200.000 Flüchtlinge in Europa ansiedeln

Lesezeit: 2 min
21.10.2015 15:07
Die EU plant, 200.000 Flüchtlinge in Europa anzusiedeln. Dieser Vorstoß soll Teil des Deals mit der Türkei sein, die als Gegenleistung den Flüchtlingsstrom nach Europa eindämmen wird.
Die EU will 200.000 Flüchtlinge in Europa ansiedeln

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Brüssel will im kommenden Jahr ein großangelegtes Umsiedlungsprogramm für 200.000 Flüchtlinge innerhalb der EU umsetzen. Lediglich für Großbritannien und Irland ist dieses Programm nicht verbindlich. Die Umsiedlungsaktion ist Teil eines Deals zwischen der Türkei und der EU, wonach die Türkei den Zustrom von Flüchtlingen in die EU stoppen und die EU als Gegenleistung die bereits in der EU angekommenen Flüchtlinge auf die verschiedenen EU-Länder verteilen soll, meldet die FT. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat der Türkei auch Visa-Erleichterungen, die Beschleunigung des EU-Beitritts und Milliarden-Hilfen versprochen – wenn die Türkei bei der Rückführung der Flüchtlinge mit der EU kooperiert.

In der vergangenen Woche einigten sich die EU-Staaten in Brüssel darauf, der Türkei drei Milliarden Euro zukommen zu lassen, damit das Land sich um die 2,5 Millionen syrischen Flüchtlinge kümmern kann. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat parallel zu den Verhandlungen mit der EU nur Spott für die Unfähigkeit Brüssels im Umgang mit der Flüchtlingsproblematik übrig, berichtet die Financial Times. „Die Europäer nehmen 30.000 bis 40.000 Flüchtlinge auf und werden dafür sofort für den Nobelpreis nominiert. Wir haben 2,5 Millionen Flüchtlinge aufgenommen, doch niemanden kümmert das. Doch wir alle wissen, dass dieser Preis auf Bestellung vergeben wird“, zitiert die Zeitung Zaman den türkischen Staatschef.

Das Treffen zwischen Merkel und Erdoğan fand am Sonntag vor dem Hintergrund von Ad-hoc-Grenzschließungen in Slowenien, Ungarn und Kroatien statt. Die Länder sind nicht mehr in der Lage, den Flüchtlingsstrom aufzuhalten. Der EU-Kommissar für Migration, Dimitris Avramopoulos, sagt: „Wir müssen mehr Flüchtlinge aus den Ländern umsiedeln, die ohnehin schon die größte Last auf ihren Schultern tragen. Wir müssen den Flüchtlingen zudem legale Wege nach Europa bieten und gleichzeitig unsere Grenzen schützen. Die Schmuggler, die die Flüchtlinge ausbeuten, müssen gestoppt werden.“ Nach Angaben des UNHCR sind 600.000 Flüchtlinge seit Anfang des Jahres in die EU eingereist. Viele von ihnen nahmen die Route über die Türkei und Griechenland nach Europa. Der ursprüngliche Plan 160.000 Flüchtlinge auf diverse EU-Staaten zu verteilen, führte zuvor zu heftigen Streitigkeiten zwischen Berlin und den Staaten Osteuropas.

Doch das schlechte Wetter mit sintflutartigem Dauerregen hat die Zahl der Flüchtlinge vor allem aus Syrien, Afghanistan, Pakistan und dem Irak nicht verringert. Im Oktober reisten pro Tag durchschnittlich 5.100 Menschen aus der Türkei über Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und jetzt Slowenien weiter nach Österreich und Deutschland. Auch aus Afrika kommen weiter viele Menschen über Libyen nach Italien. Allein am letzten Wochenende hat die italienischen Marine und Küstenwache 1.300 Menschen aus dem Meer gerettet, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa am Montag. Acht Menschen konnten nur noch tot geborgen werden. Bis zum 15. Oktober hatten in diesem Jahr nach Angaben des UNHCR 137.000 Menschen Italien auf dem Seeweg erreicht. Zum Vergleich: in Griechenland kamen bislang 473.000 Flüchtlinge und Migranten an.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Marktbericht
Marktbericht Mit digitalem Gold auf Erfolgskurs

Die Vervielfachung der Geldmenge hat enorme Auswirkungen. Die Inflation ist nicht mehr aufzuhalten. Auf der anderen Seite zeichnet sich...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der Ausverkauf geht weiter: Nächster deutscher Hightech-Konzern wird vom Ausland übernommen

Trotz ständigen Bekundungen der Bundesregierung, strategisch wichtige Unternehmen vor Übernahmen aus dem Ausland zu schützen, geht der...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Zwischen Russland und Saudi-Arabien bahnt sich ein neuer Ölpreis-Krieg an

Im März findet das nächste Treffen der OPEC + statt. Während Saudi-Arabien die Öl-Produktion weiter drosseln will, plädiert Russland...

DWN
Politik
Politik Jetzt bahnt sich auch ein digitaler EU-Impfpass an

Am 25. und 26. Februar werden die Mitglieder des Europäischen Rates zusammenkommen, um über die Einführung von digitalen Impfpässen zu...

DWN
Deutschland
Deutschland Plötzlich üben die Medien Kritik an Spahn, doch es ist zu spät

Die Medienlandschaft hat sich dazu durchgerungen, Jens Spahn zu kritisieren. Doch es ist zu spät, obwohl die Deutschen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesbank warnt vor überhöhten Immobilienpreisen

Im vergangenen Jahr haben die „markanten Preisübertreibungen“ auf dem Wohnungsmarkt zugenommen, so die Bundesbank. Teilweise liegen...

DWN
Finanzen
Finanzen Digitale Zentralbankwährungen für den Großhandel und Einzelhandel bahnen sich an

In einem aktuellen Bericht plädiert die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich für die Einführung von digitalen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bargeld-Nutzung in den USA ist während der Pandemie gestiegen

In den USA ist nach Angaben eines Unternehmens für Sicherheitsdienste und Werttransporte die Bargeldnutzung gestiegen.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Schwab hatte es „vermutet“: Großunternehmen werden größer, während Kleinunternehmen ganz verschwinden

Der Gründer des Weltwirtschaftsforums Klaus Schwab schreibt in seinem Buch „Covid-19: Der Grosse Umbruch“, das im Juli 2020 erschienen...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundeskabinett beschließt Einführung des digitalen Impfpasses

Das Bundeskabinett hat am Montag die Einführung eines digitalen Impfpasses beschlossen, damit Geimpfte Restaurants und Konzerte besuchen...

DWN
Politik
Politik Blackwater-Gründer Prince spielte zentrale Rolle im Libyen-Krieg

Einem UN-Bericht zufolge spielte der Blackwater-Gründer Erik Prince eine wichtige Rolle im Libyen-Konflikt. Dass die UN erst jetzt auf...

DWN
Finanzen
Finanzen BÖRSE AKTUELL: Heftige Korrektur bei Bitcoin - jetzt wird der Einstieg vollends zum Vabanque-Spiel

Gestern vermeldeten wir den rapiden Kursverfall der Kryptowährung "Bitcoin". Heute liefert unser Börsen-Experte Andreas Kubin, wie...

DWN
Finanzen
Finanzen Dax: Anleger hoffen nach Powells Rede weiter auf Riesen-Konjunkturpaket aus den USA

Die Börsen entwickeln sich langsam weiter. Heute Nachmittag warten die Anleger auf wichtige Konjunkturdaten.

DWN
Politik
Politik E-Patientenakte: Merkel und Spahn haben den Datenschutz ausgehebelt, doch keiner hat es bemerkt

Die Bundesregierung hat durch ein neues Patientenakten-Gesetz den Datenschutz ausgehebelt. In der Akte sollen alle relevanten...

DWN
Deutschland
Deutschland Geduld des Handels ist am Ende: Klagewelle gegen Lockdown rollt

Obi, Media Markt, Breuninger und Co. wollen nicht länger auf Zugeständnisse der Politik warten. Immer mehr Händler versuchen, vor...