Politik

Gegen Draghi: Offener Machtkampf in der Europäischen Zentralbank

Lesezeit: 1 min
06.12.2015 13:36
In der EZB ist es zu zu einem offenen Machtkampf gekommen: EZB-Chef Mario Draghi soll versucht haben, die konservativen Geldpolitiker unter Druck zu setzen. Doch diese probten den Aufstand und stoppten den Plan Draghis, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen.
Gegen Draghi: Offener Machtkampf in der Europäischen Zentralbank

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In der EZB ist es zu einem offenen Machtkampf über das Ausmaß der jüngsten geldpolitischen Lockerung in der Eurozone gekommen. EZB-Präsident Mario Draghi habe mit vorherigen Andeutungen, nach denen eine weitere kräftige Geldspritze in der Euro-Zone nötig sei, die anderen Euro-Zentralbankern unter Druck setzen wollen. Doch laut Informationen der Nachrichtenagentur Reuters bewirkte die Taktik das Gegenteil: Am Ende habe sich im EZB-Rat jene Gruppe durchgesetzt, die bereit war, die Märkte mit seinen Entscheidungen zu den Zinsen und zur Ausweitung des Anleihenkaufprogramms zu enttäuschen, weil von der Wirtschaftsentwicklung und von der Inflationsfront zuletzt günstigere Nachrichten gekommen seien.

Die EZB hatte am Donnerstag angekündigt, ihr umstrittenes Anleihen-Kaufprogramm auszuweiten und zu verlängern. Zudem müssen die Banken im Euroraum künftig einen etwas höheren Strafzins zahlen, wenn sie überschüssiges Geld bei der Zentralbank parken. Die Europäischen Börsen und der Euro-Kurs waren trotz der expansiven Maßnahmen auf Talfahrt gegangen - an den Märkte man nämlich mit erheblich stärkeren Lockerungen erwartet.

"Draghi hat die Erwartungen absichtlich zu weit hochgeschraubt", kritisierte ein Insider. Damit habe der EZB-Präsident versucht, Druck auf den EZB-Rat auszuüben. Dafür sei er dann von mehreren Zentralbankern im kleinen Kreis kritisiert worden. Sein Ruf als großer Kommunikator habe gelitten. Anders als im vergangenen Jahr, als die Kritiker der Lockerungspolitik vor einer Ratsentscheidung an die Öffentlichkeit gingen, hätten sie dieses Mal eher im Hintergrund gearbeitet und gebremst.

"Wenn wir zu viel getan hätten, wäre der Euro womöglich auf Parität zum Dollar abgesackt", schilderte ein Eingeweihter Überlegungen, die letztlich die EZB-Entscheidung prägten. Eine so starke Dollaraufwertung hätte die Dinge für die Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen, in Hinblick auf die erwartete Zinswende in den USA noch schwieriger gemacht. "Nun aber dürfte die Fed ziemlich gelassen sein", sagte der Insider weiter.

Was den kräftigen Kursrückgang an den Börsen Europas nach der EZB-Entscheidung von der vergangenen Woche angeht, äußerten sich die Experten überrascht. "Uns war bewusst, dass es eine Marktreaktion geben wird, aber sie ist um einiges deutlicher ausgefallen, als wir das angenommen hatten", sagte einer der Insider. Insgesamt habe es dennoch eine ganze Reihe guter Argumente gegeben, es mit der weiteren Geld-Ausweitung nicht zu übertreiben: "Wir haben uns etwas Pulver trocken gehalten. Nun können wir reagieren, wenn es nötig ist."

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