Finanzen

China-Crash und Nahost: Europas Börsen schwer unter Druck

Lesezeit: 2 min
04.01.2016 11:57
Der erste Handelstag im Neuen Jahr verläuft die europäischen Aktienmärkte sehr unerfreulich. China liefert dazu die erste böse Überraschung. Die logische Folge: Auch die Welt-Konjunktur richtet sich nicht nach den Wünschen den Optimisten.
China-Crash und Nahost: Europas Börsen schwer unter Druck

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Daniela Pegna fasst für Reuters die Ereignisse vom Montagmorgen zusammen:

Ein Börsencrash in China hat am ersten Handelstag des neuen Jahres die Aktienmärkte in Europa mit in die Tiefe gerissen. Dax und EuroStoxx50 brachen am Montag um jeweils mehr als drei Prozent ein. Investoren fürchteten, dass die Schwäche der Volksrepublik Auswirkungen auf die exportorientierten deutschen Unternehmen und die Weltwirtschaft haben könnte, erläutert Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets. Verantwortlich für die miese Stimmung auf dem Börsenparkett waren vor allem schwache Daten aus der chinesischen Industrie, wo die Produktion im Dezember den zehnten Monat in Folge geschrumpft ist. "Ein Traumstart ins neue Jahr sieht anders aus", sagte ein Händler.

In China wurde der Aktienhandel am Morgen vorzeitig beendet, nachdem sich die Verluste des Shanghai-Composite auf sieben Prozent aufgetürmt hatten. Diese Notbremse, ein automatischer Stopp-Mechanismus, ist erst zu Jahresbeginn in Kraft getreten. Zu schaffen machten den Anlegern auch die zunehmenden Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Saudi-Arabien brach am Sonntag die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab, nachdem ein Streit zwischen den beiden Ländern eskaliert war.

Der Dax fiel in der Spitze um 3,8 Prozent auf 10.329 Zähler, das war der größte Kursrutsch seit Bekanntwerden des VW-Abgasskandals Ende September. Das Börsenjahr 2015 hatte der Leitindex, in dem die 30 größten deutschen Unternehmen notiert sind, mit einem Plus von knapp zehn Prozent abgeschlossen. Der EuroStoxx50 gab am Montag 3,4 Prozent nach, der Nikkei-Index in Japan beendete den Handel rund drei Prozent schwächer.

CHINAS WIRTSCHAFT WACKELT

Die Sorgen um den Zustand der chinesischen Wirtschaft sind nicht neu. Schon im vergangenen Jahr hatten die sich mehrenden Zeichen für eine Konjunkturabkühlung im Reich der Mitte immer wieder zu Turbulenzen an den chinesischen wie auch europäischen Börsen geführt. Auch die Währung der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft ist seit Wochen unter Druck - am Montag markierte der Yuan mit 6,5365 Yuan zum Dollar den tiefsten Stand seit fast fünf Jahren. China, einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands, steuert nach jahrelangem Boom auf das schwächste Wachstum seit einem Vierteljahrhundert zu. Die Regierung hat für 2015 ein Plus von sieben Prozent anvisiert - nach 7,3 Prozent im Jahr davor. Ökonomen erwarten für 2016 nur noch einen Anstieg von 6,5 Prozent.

Verursacht wurde der Börsen-Crash am Montag in China aber auch durch den bevorstehenden Ablauf eines Aktien-Verkaufsverbots für Großaktionäre, das im Sommer eingeführt worden war. Viele Anleger trennten sich von ihren Papieren, weil sie davon ausgingen, dass die Großinvestoren dies nach Fristende ebenfalls tun werden.

KONJUNKTURSORGEN LASTEN AUF KUPFER- UND ÖLPREIS

Am Rohstoffmarkt reagierten die Anleger ebenfalls verschnupft auf den rabenschwarzen Handelstag in China. Kupfer verbilligte sich um bis zu 2,3 Prozent auf 4596 Dollar je Tonne. Auch der Ölpreis nahm seine Talfahrt wieder auf. Die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee, die sich wegen der Spannungen im Nahen Osten zunächst um bis zu 3,3 Prozent je Fass verteuert hatte, kostete mit 37,03 Dollar zeitweise 0,7 Prozent weniger. China ist ein wichtiger Abnehmer für Öl und Kupfer. Im vergangenen Jahr ist der Brentpreis um mehr als 35 Prozent in die Knie gegangen, das Industriemetall verbilligte sich um rund 25 Prozent.

Deutlich nach oben ging es dagegen für den Goldpreis, da das Edelmetall vor allem in Krisenzeiten gern als sicherer Hafen angesteuert wird. Gold verteuerte sich um bis zu 1,3 Prozent auf 1074,20 Dollar je Feinunze.

Unter den Einzelwerten hatten am deutschen Aktienmarkt die Kursverlierer des vergangenen Jahres das Nachsehen. RWE und E.ON, die 2015 rund 54 und 37 Prozent verloren hatten, fielen um 5,9 und 4,3 Prozent. ThyssenKrupp notierten 4,8 Prozent schwächer - im abgelaufenen Börsenjahr hatte sich das Minus hier auf knapp 14 Prozent summiert.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Europa nach Corona: Werden die hohen Schulden eine nachhaltige Erholung bremsen?

Kann Europas Wirtschaft trotz der hohen Schuldenbelastung nach Corona wieder durchstarten? Der Chefvolkswirt der IKB Bank, Klaus Bauknecht,...

DWN
Politik
Politik Von Diktatoren umzingelt: Wann zerbricht in Europa die Demokratie?

In Europas Peripherie herrschen Diktatoren: Aber auch auf unserem so stabil scheinenden Kontinent steht die Demokratie im Feuer, schreibt...

DWN
Politik
Politik Die Feinde von Byzanz: Putin vergleicht NATO und USA mit Kreuzfahrern

Russlands Präsident Putin hat angesichts der jüngsten Spannungen mit der NATO einen historischen Vergleich gezogen. Es dürfe niemals...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermeiden Sie diese 7 Fehler beim Aktienkauf

Fehler kosten an der Börse oftmals viel Geld. Privatanleger, die zum ersten Mal mit Aktien handeln, treten meistens in dieselben...

DWN
Finanzen
Finanzen Erster Euro-Zentralbankchef fordert offen noch stärkere Anleihekäufe durch die EZB

Griechenlands Notenbankchef Yannis Stournaras wagt sich aus der Deckung. Er fordert von der EZB ein noch stärkeres Gelddrucken, um den...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Großkonzerne verdrängen mit E-Autos und Vernetzung die kleinen Werkstätten

Zu den Verlierern von E-Mobilität und Digitalisierung gehören auch die freien Werkstätten. Die Autohersteller und ihre...

DWN
Politik
Politik Bundestagswahl 2021: Jetzt werden auch noch Kritiker von Briefwahlen als Verschwörungstheoretiker diffamiert

Nun werden alle Menschen als Verschwörungstheoretiker diffamiert, die angesichts der anstehenden Bundestagswahl darauf hinweisen, dass...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Das Ringen um die wichtigste Region der Welt - Teil 1

In Südostasien treffen geopolitische, wirtschaftliche und militärische Strategien von Amerikanern und Chinesen direkt aufeinander. Die...

DWN
Deutschland
Deutschland Reiseveranstalter sehen nur eine Rettung: Den digitalen Impfpass

Die deutsche Reisebranche will im Sommer endlich wieder höhere Umsätze machen. Sie setzt dabei auf den digitalen Impfpass, den alle...

DWN
Finanzen
Finanzen In der Eurozone zirkulierende Geldmenge steigt weiter rasant an

Die in der Eurozone zirkulierende Geldmenge steigt weiter stark an. Offenbar decken sich die Bürger insbesondere mit Bargeld und schnell...

DWN
Politik
Politik Great Reset: Ansichten von SPD-Chefin Esken decken sich mit der Agenda des Weltwirtschaftsforums

Fleischverzicht, eine drastische Reduzierung von Flügen und weitere Maßnahmen sollen laut SPD-Chefin Saskia Esken gut sein, um das Klima...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundesregierung schwört Bevölkerung auf fortgesetzten Lockdown ein

Die Mehrheit der Deutschen plädiert für Lockerungen, doch die Bundesregierung und ihre Experten halten dagegen und schließen ein...

DWN
Politik
Politik Sky-Moderator: „Globalisten“ verhelfen mit dem Great Reset China und Big Tech zur Weltmacht

Der Sky-Moderator Rowan Dean berichtet, dass die „Globalisten“ des Weltwirtschaftsforums den Niedergang der USA bis 2030 propagieren....

DWN
Politik
Politik In ihrem Klimawahn zerstört die EU Europas Auto-Industrie: „Wir werden eine Arbeitslosigkeit erleben, wie wir sie noch nie gehabt haben“

Neue Pläne der EU-Kommission bedeuteten faktisch ein Verbot von Verbrennungsmotoren. Mehrere gewichtige Stimmen aus der Autobranche warnen...