Politik

Eklat um Bayer-Coach gegen den BVB: Rudi Völlers Wut-Interview

Lesezeit: 2 min
21.02.2016 23:24
So etwas gab es in der Bundesliga-Geschichte noch nicht. Nach Bayer-Protesten gegen das Dortmunder Siegtor unterbricht der Schiedsrichter die Partie. Am Ende gewinnt der BVB - die Folgen des Eklats sind offen. Rudi Völler redete sich nach dem Speil um Kopf und Kragen.
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Rudi Völler war nach dem Eklat von Leverkusen weder vor der Kamera noch in den Katakomben der «BayArena» zu bändigen. «Ich weiß nicht, ob Schiedsrichter Felix Zwayer jetzt gesperrt wird. Ich kann es mir nicht vorstellen», schimpfte Bayer Leverkusens Sportdirektor voller Sarkasmus nach dem 0:1 (0:0) im Topspiel über den in der Bundesliga-Geschichte einmaligen Vorfall.

Der Berliner Referee hatte nach dem Siegtor von Pierre-Emerick Aubameyang (64. Minute) auf die heftigen Proteste von Bayer-Trainer Roger Schmidt gegen die Ausführung des dem Tor vorausgehenden Freistoßes reagiert: Der Coach wurde auf die Tribüne verbannt. Da Schmidt keine Anstalten machte, den Innenraum zu verlassen, unterbrach Zwayer das Spiel, schickte die Teams in die Kabine und pfiff erst nach knapp zehn Minuten wieder an.

«So ein Spiel zu unterbrechen und so eine Hektik reinzubringen, ist völlig unnötig», echauffierte sich Völler. «Ich verlange von Herrn Zwayer, dass er das unserem Trainer erklärt.» Stefan Kießling, der Schmidt die Zwayer-Anweisung überbringen sollte, sagte: «Ich möchte das gar nicht groß kommentieren. Es war eine Scheiß-Situation und unnötig. Er hätte auch hingehen und ihm das sagen könnten.»

Leverkusens Coach Schmidt rechtfertigte sein Verhalten, entschuldigte sich aber auch für die Eskalation. «Ich habe zu lange gezögert, zu gehen. Es war ein Fehler von mir. Ich bin zu stur gewesen», bekannte er. Aber er habe nicht verstehen können, warum der Referee ihm nur «aus 45 Metern» signalisiert habe, auf die Tribüne zu gehen. «Ich wollte eine Erklärung», meinte Schmidt, der mit einer saftigen Strafe durch das DFB-Sportgericht rechnen muss. «Als Trainer lebe ich für Fußball und setzte mich für Gerechtigkeit ein.»

Auslöser war sein hitziger Protest gegen die Entstehung des Treffers. «Ich denke, wir sind durch ein irreguläres Tor in Rückstand geraten», beharrte er. Nach einem Foul hatte Matthias Ginter den Freistoß schnell ausgeführt, der Ball lag in der Dortmunder Hälfte aber 5,8 Meter vom Ort des Fouls entfernt.

Schiedsrichter Zwayer meinte, so handeln zu müssen, wie er es laut DFB-Regelwerk auch tun konnte. «Trainer Schmidt hat sich meinen Anweisungen widersetzt, deshalb musste ich so handeln», sagte er. «Er war relativ aufgebracht, deshalb habe ich es als angemessen angesehen, Distanz zu ihm zu halten.»

Auch Herbert Fandel, Vorsitzender der DFB-Schiedsrichterkommission, verteidigte die Zwayer-Entscheidung. «Schiedsrichter Zwayer hat in der Situation nach dem Dortmunder Treffer regeltechnisch richtig entschieden», erklärte er. «Ob der Schiedsrichter direkt mit dem Trainer spricht oder den Spielführer schickt, liegt allein in seinem Ermessen.» Auf jeden Fall könne es nicht sein, dass der Trainer eine Entscheidung ignoriert und eine persönliche Erklärung des Unparteiischen durch sein Verhalten erzwingen will.»

Weiteren Ärger löste nach dem Wiederanpfiff eine Szene in der 70. Minute aus, in der BVB-Spieler Sokratis den Ball im eigenen Strafraum mit dem Arm ins Toraus beförderte. «Wenn er den Elfmeter nicht pfeift, dann vielleicht auch, weil ich zu emotional war», meinte Schmidt.

«Wir hätten uns nicht beklagen können, wenn der Handelfmeter gegeben worden wäre», gab BVB-Kapitän Mats Hummels zu, zeigte aber wenig Verständnis für Schmidts Verhalten: «Man kann sich als Schiedsrichter nicht gegenüber allen rechtfertigen und erklären.» Wichtiger als der ganze Aufruhr war ihm aber der Sieg. «Wenn wir uns nicht ganze dämlich anstellen, dürften wir Platz zwei sicher haben», meinte er. Der Abstand zu Bayer beträgt nun 16 Punkte.

Die Leverkusener, die nun von Tabellenplatz drei gerutscht sind, hatten in der Endphase des Spiels noch eine gute Chance zum Ausgleich durch Torjäger Havier «Chicharito» Hernández, doch Sekunden vor Schluss feuerte er den Ball über das Tor.

«Die Unterbrechung war ein Vorteil für die Leverkusener, die durch das Gefühl der Benachteiligung eine besondere Energie entwickelten», sagte BVB-Coach Thomas Tuchel. Am Ende hätten seine Dortmunder noch das «Quäntchen Glück» gehabt.

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