Unternehmen

Kurz vor Börsengang: Ermittlungen gegen Chef von Windanlagenbauer Senvion

Lesezeit: 1 min
15.03.2016 14:22
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Vorstandschef des Hamburger Windanlagenbauers Senvion. Dabei geht es um Korruptionsvorwürfe aus der Zeit, als Jürgen Geißinger noch den Autozulieferer Schaeffler führte. Senvion steht kurz vor dem Börsengang.
Kurz vor Börsengang: Ermittlungen gegen Chef von Windanlagenbauer Senvion

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der neue Vorstandschef des Windanlagenbauers Senvion sieht sich kurz vor dem geplanten Börsengang mit staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wegen Korruption konfrontiert. Dabei geht es um Vorgänge aus den Jahren 2004 bis 2011, als Jürgen Geißinger noch den fränkischen Autozulieferer Schaeffler führte. Eine Sprecherin von Senvion bestätigte am Dienstag nur, dass der Hamburger Konzern von den Ermittlungen gegen seinen Chef wisse. Geißinger hatte im Herbst dort angeheuert, um das Unternehmen an die Börse zu führen.

Senvion – die ehemals zum indischen Suzlon-Konzern gehörende REpower – wirbt seit gut einer Woche um Investoren für seinen mindestens 600 Millionen Euro schweren Börsengang, der für Freitag in Frankfurt geplant ist. Ein Sprecher von Geißinger erklärte, die Ermittlungen hätten keine Auswirkungen auf die Börsenpläne. Die Bücher sind allerdings zwei Tage vor dem Ende der Zeichnungsfrist noch nicht gefüllt, wie drei mit der Situation vertraute Personen Reuters sagten. Für einen erfolgreichen Börsengang müssen in der Regel doppelt so viele Orders vorliegen.

Die Staatsanwaltschaft Würzburg erklärte, sie ermittle gegen acht ehemalige Schaeffler-Mitarbeiter wegen des Vorwurfs der Bestechung, Untreue und Steuerhinterziehung. Namen nannte der Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht, sagte aber, Gegenstand der Ermittlungen seien auch Personen, die dort ehemals führende Positionen bekleidet hätten. Es gehe um mögliche Schmiergeld-Zahlungen in der Türkei. Die Ermittlungen, die vom bayerischen Landeskriminalamt geführt würden, dauerten an. Einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstagausgabe) zufolge sollen aus den Kassen der türkischen Schaeffler-Tochter zusammen etwa 700.000 Euro Schmiergeld gezahlt worden sein, um an Aufträge zu kommen. Das habe Schaeffler 25,5 Millionen Euro mehr Umsatz gebracht.

Vorstandschef Klaus Rosenfeld erklärte am Dienstag in Frankfurt, Schaeffler äußere sich nicht zu dem Verfahren. Ein Schaeffler-Sprecher bestätigte aber, der Wälzlagerhersteller habe Geißinger und sieben weitere Ex-Mitarbeiter im Zusammenhang damit auf 13 Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Geißinger hatte Schaeffler 15 Jahre lang bis 2013 geführt und das Familienunternehmen aus Herzogenaurach mit der Übernahme des Rivalen FAG Kugelfischer und dem Einstieg beim Autozulieferer Continental in eine neue Dimension katapultiert.

Ein Sprecher Geißingers sagte, der heutige Senvion-Chef stehe nicht im Fokus der Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft Würzburg werfe ihm nicht vor, „in irgendeiner Weise selbst an Bestechungszahlungen beteiligt“ gewesen zu sein. Es gebe nur einen „niedrigschwelligen Anfangsverdacht“. Geißinger habe die Vorfälle in der Türkei lückenlos aufgearbeitet und die nötigen Vorkehrungen getroffen. „Deswegen gehen wir davon aus, dass die vorläufigen Ermittlungen zeitnah eingestellt werden.“ Auch der Eigentümer von Senvion, der Finanzinvestor Centerbridge, stellte sich hinter Geißinger: Man habe „keine Anzeichen dafür, dass er seine Pflichten als Chef von Schaeffler verletzt hat“.

 

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

 



DWN
Politik
Politik Ärzte-Zeitung ruft zur Bewertung Lauterbachs auf: Resultat ist Schulnote 6

Die Leser der Ärzte-Zeitung haben eine eindeutige Meinung von Gesundheitsminister Lauterbach.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Putin: Europa begeht mit Energiepolitik «wirtschaftlichen Selbstmord»

Putin sagte, dass die hohen Energiepreise schon jetzt die Konkurrenzfähigkeit der Industrie in der EU schmälerten. Russland wende sich...

DWN
Politik
Politik US-Justizministerium: Allianz-Fondsmanager haben Anleger betrogen

Nach Ansicht des US-Justizministeriums haben Hedgefonds-Manager einer Allianz-Tochter die Entwicklung der Fonds über Jahre hinweg...

DWN
Finanzen
Finanzen Bärenmarkt voraus: Was Anleger derzeit von professionellen Tradern lernen können

Investoren und Trader betrachten Märkte aus geradezu gegensätzlichen Perspektiven, die beide Erfolg haben können. Doch in einem...

DWN
Finanzen
Finanzen IWF erhöht Anteil von Dollar und Yuan bei Sonderziehungsrechten

Während Dollar und Yuan an Gewicht zulegen, verlieren die drei anderen im Korb der Sonderziehungsrechte vertretenen Währungen an...

DWN
Deutschland
Deutschland Windräder: Söder warnt Habeck vor Wortbruch bei Abstandsregeln

Der bayerische Ministerpräsident warnt den Wirtschaftsminister, die vereinbarten Abstandsregeln für Windräder zu kippen.

DWN
Deutschland
Deutschland Dax-Konzerne melden Rekordquartal, doch die Aussichten sind mies

Viele deutsche Börsenschwergewichte präsentierten zu Jahresbeginn Bestmarken bei Umsatz und Gewinn. Doch die Aussichten haben sich...

DWN
Deutschland
Deutschland Impfpflicht weiter auf dem Tisch: Drei Bundesländer geben nicht auf

Die Länder Baden-Württemberg, Hessen und Bayern dringen auf einen Neuanlauf im Bundestag für eine Impfpflicht ab 60 Jahren.