Finanzen

IWF gegen Deutschland: Debatte um Schuldenschnitt für Griechenland

Lesezeit: 2 min
22.04.2016 13:26
Der IWF fordert weiterhin einen Teilerlass der griechischen Schulden als Voraussetzung weiterer Kredite. Zudem äußerte IWF-Chefin Christine Lagarde Zweifel an den von der Europäischen Statistikbehörde überprüften Daten zur griechischen Wirtschaft.
IWF gegen Deutschland: Debatte um Schuldenschnitt für Griechenland

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Die Debatte um Schuldenerleichterungen für Griechenland geht in die nächste Runde. Am kommenden Donnerstag soll es ein Sondertreffen der Euro-Finanzminister geben. Er hoffe, dass dann eine Einigung über die von Athen abverlangten Reformen erzielt werden könne, sagte am Freitag Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem nach Beratungen der Minister in Amsterdam. Zudem sei er froh, dass die Diskussion darüber nun beginne und sah dies als „guten Schritt vorwärts“, wie AFP berichtete. Der Internationale Währungsfonds (IWF) wiederholte beim Treffen der Euro-Finanzminister seine Forderung nach Schuldentragfähigkeit – damit ist ein teilweiser Verzicht der Gläubiger auf ihre Forderungen gegenüber Griechenland gemeint.

Das hoch verschuldete Griechenland ist seit Jahren von internationalen Geldgebern abhängig. Im Sommer 2015 vereinbarte Athen mit den Euro-Ländern ein drittes Kreditprogramm von bis zu 86 Milliarden Euro. Im Gegenzug muss Griechenland eine Reihe von harten Sparauflagen und Reformen erfüllen. Damals sagten die Gläubiger Athen aber auch Gespräche über Schuldenerleichterungen zu, falls Schlüsselreformen umgesetzt werden.

Unterstützung für die gewünschten Schuldenerleichterungen bekam Griechenland vom IWF. Dieser hält die Schuldenlast, die laut EU 2015 bei 177 Prozent der Wirtschaftsleitung lag, auf Dauer nicht für tragfähig und macht Schuldenerleichterungen zur Voraussetzung für eine Beteiligung am dritten Kreditprogramm für das Land. „Das Programm muss auf zwei Beinen stehen“, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde, die an dem Treffen in Amsterdam teilnahm. Es müsse ausreichende Reformen geben und „am Ende des Tages Schuldentragfähigkeit“.

Wolfgang Schäuble sagte dagegen, das Thema stehe bei den Beratungen „jetzt gerade nicht im Vordergrund“. Wenn Griechenland die geforderten Reformen umsetze, „dann stellt sich das Thema nicht“. In Sachen Schuldenerleichterungen sei „alles geregelt.“ Dennoch ist Schäuble nach zähen Verhandlungen diese Woche erstmals von einer strikten Austerität abgewichen und hält offenbar an einer neuen Idee in einem „Non-Paper“ fest. Die sieht einen „Sparbeschluss auf Vorrat“ vor, um den Gesprächen neuen Impuls zu geben. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat vor wenigen Wochen ein Einlenken im Schulden-Streit mit Griechenland angedeutet.

IWF-Chefin Lagarde äußerte unterdessen Zweifel an den jüngsten Haushaltszahlen zu Griechenland. Die neuen Daten würden die Lage aus ihrer Sicht ändern, „wenn sie korrekt sind“. Denn in der Vergangenheit habe es immer wieder Zahlen gegeben, die im Laufe der Zeit „erheblich korrigiert“ worden seien. Der IWF werde sie deshalb „sehr sorgfältig prüfen“. Schäuble wies Lagardes Zweifel zurück. Die Zahlen seien von den europäischen Statistikbehörden überprüft und von den europäischen Institutionen bestätigt worden, sagte er. Die Europäer arbeiteten gemeinsam mit dem IWF daran, „eine Lösung zustande zu bringen“. Generell sehe die Lage für Griechenland nicht so pessimistisch aus.

Nach Angaben der EU-Statistikbehörde Eurostat hat Griechenland im vergangenen Jahr einen Primärüberschuss von 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung erzielt – also ein knappes Budgetplus vor den beträchtlichen Zinszahlungen.

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..



DWN
Technologie
Technologie DWN Aktuell - Sicherheit zehntausender deutscher Unternehmen von globalem Hackerangriff bedroht

Als Microsoft vergangene Woche vier Sicherheitslücken bekanntgab, war von gezielten Attacken die Rede. Inzwischen entwickelt sich daraus...

DWN
Finanzen
Finanzen Dax rappelt sich nach Freitags-Klatsche - Continental der Unruhestifter

Ende der vergangenen Woche waren die Börsen noch sehr schwach gewesen, weil die Autowerte eingebrochen waren. Doch sieht heute Morgen...

DWN
Finanzen
Finanzen Börsen-Ticker: Angriff auf saudischer Anlage treibt Ölpreise

Die Preise für Rohöl steigen auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr. Lesen Sie alle weiteren Meldungen von den Finanz- und...

DWN
Deutschland
Deutschland IWF und Bundesregierung planen die Enteignung des deutschen Mittelstands

DWN-Kolumnist Ernst Wolff fordert den Mittelstand auf, sich zu wehren - weil seine Existenz gefährdet ist.

DWN
Politik
Politik „Fußballfest auf den Gräbern tausender Arbeitsmigranten“: Fan-Bündnis fordert DFB zum Boykott der WM in Katar auf

In Katar werden ausländische Arbeiter auf den Baustellen zur Fußball-WM verheizt. Nun wird der Druck auf den DFB erhöht - für den...

DWN
Politik
Politik Bill Gates warnt vor Bio-Terrorismus mit Viren und Klimawandel

Der US-Milliardär prognostiziert, dass künftig Personen Viren gezielt entwickeln könnten, um sie freizusetzen. Er warnt offen vor...

DWN
Politik
Politik Bundesregierung will Fregatte in Krisengebiet schicken: Supermacht sendet Warnung

Einem Schiff der deutschen Marine steht eine heikle Mission bevor.

DWN
Deutschland
Deutschland Pommes, Chips und Schokolade: Kinder ernähren sich während Lockdown ungesünder

Der Lockdown führt dazu, dass sich Kinder massiv ungesund ernähren. Ein Ernährungsmediziner warnt vor krankhaftem Übergewicht mit...