Politik

Ganz einfach: Warum es in Japan keine Schul-Massaker gibt

Lesezeit: 2 min
17.12.2012 15:32
Als Reaktion auf das Massaker an einer amerikanischen Grundschule fordert Präsident Obama eine strengere Gesetzgebung für sein Land. Als Vorbild könnte dabei Japan dienen, das Land mit den weltweit strengsten Waffengesetzen und der niedrigsten Mordrate.
Ganz einfach: Warum es in Japan keine Schul-Massaker gibt

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Ein neuerliches Massaker an einer Grundschule, bei dem 20 Kinder getötet wurden, erschüttert die USA (mehr hier). Aus diesem Anlass bringt US-Präsident Barack Obama wieder einmal strengere Regeln zum Besitz von Waffen ins Spiel. „Diese Tragödien müssen ein Ende haben.“, sagte er. Und deshalb müsse es in den USA gesetzliche und kulturelle Veränderungen geben. Die USA haben die weltweit lockerste Waffengesetzgebung, und entsprechend gibt es dort auch die meisten Handfeuerwaffen in Privatbesitz. Ein ganz anderer Umgang mit Waffen wird in Japan gepflegt, dem Land mit den strengsten Gesetzen in der entwickelten Welt. Japan hat die geringste Mordrate weltweit.

In Japan hat kaum jemand eine Privatwaffe, denn die allermeisten Waffen sind illegal, berichtet The Atlantic. Wer trotz Verbot eine Waffe besitzt, muss mit einer Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren rechnen. Bereits seit 1971 dürfen kleinkalibrige Waffen nicht mehr verkauft werden. Wer noch eine Waffe aus der Zeit vor 1971 besitzt darf diese zwar bis zu seinem Tod behalten, jedoch nicht vererben. Die Erben müssen die Waffe bei der Polizei abgeben.

Nur Schrotflinten und Luftgewehre dürfen heute legal gekauft werden, allerdings unter harten Auflagen. Zunächst muss der potentielle Käufer an einem ganztägigen Seminar teilnehmen, dass mit einem schriftlichen Test endet, der nur einmal im Monat stattfindet. Dann muss er sich in einem Krankenhaus vorstellen, um einen Psycho- und Drogentest abzulegen, den er bei der Polizei vorzulegen hat. Schließlich führt die Polizei eine umfangreiche Überprüfung des potentiellen Käufers durch. Wenn er vorbestraft ist oder Verbindungen zu extremistischen Vereinigungen hat, darf er keine Waffe besitzen.

Doch auch, wenn man in Japan die Prozeduren zum Erwerb einer Schrotflinte oder eines Luftgewehrs bewältigt hat, ist der Hürdenlauf nicht vorüber. Man muss die Polizei genauestens darüber informieren, wo man seine Waffe lagert. Auch muss die Waffe weggeschlossen werden, sodass sie im Falle eines Einbruchs kaum zur Selbstverteidigung genutzt werden kann. Die Einhaltung dieser Vorschriften wird von der japanischen Polizei einmal jährlich überprüft. Außerdem muss das Seminar zum Umgang mit Waffen inklusive Abschlusstest alle drei Jahre wiederholt werden.

Der im Vergleich mit den USA komplett andere Umgang mit Waffen in Japan leitet sich auch aus der Geschichte ab. Die Amerikaner haben das „Recht der Bürger auf den Besitz und das Tragen von Waffen“ in ihrer Verfassung stehen. Dadurch wollten die Gründerväter der USA die Freiheit der Bürger bewahren und das Gewaltmonopol des Staates beschränken. Ein japanisches Gesetz aus dem Jahr 1958 liest sich ganz anders: „Niemand soll eine Feuerwaffe oder ein Schwert besitzen.“

Sogar die japanische Polizei hatte bis 1946 keine Feuerwaffen. Damals ordneten die amerikanischen Besatzer ihnen den Waffenbesitz an - auch um dort amerikanische Waffen verkaufen zu können. Allerdings dürfen japanische Polizisten ihre Waffen nicht mit nach Hause nehmen und diese nur in absoluten Notfällen verwenden. Da sich die amerikanische Polizei darauf einstellen muss, dass auch die Bürger bewaffnet sind, neigt auch sie eher zum Einsatz von Schusswaffen. Erst kürzlich erschossen amerikanische Polizisten einen Rollstuhlfahrer, der sie mit einem Kugelschreiber attackierte, wie CNN berichtete (hier).

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