Politik

Polizei Bremen nimmt aus Psychiatrie geflüchteten Algerier fest

Lesezeit: 2 min
28.07.2016 01:18
Ein junger Asylbewerber ist am Mittwochabend in Bremen festgenommen worden. Mit den Worten „Ich sprenge Euch in die Luft“ war er aus der Psychiatrie entflohen. Mittlerweile stellte sich heraus, dass offenbar keine Gefahr von ihm ausging, wie die Polizei berichtet.

Ein flüchtiger Psychiatriepatient hat in Bremen wegen einer möglichen Bedrohungslage einen größeren Polizeieinsatz ausgelöst. Beamte räumten am Mittwoch nach eigenen Angaben ein Einkaufszentrum, in dem sich der 19-Jährige zeitweise aufhielt, berichtet AFP. Zuvor hatte er demnach Äußerungen getätigt, die sich auf den Münchener Amoklauf und Anschläge bezogen.

Einsatzkräfte der Bundespolizei nahmen den Algerier am Abend am Bremer Hauptbahnhof in Gewahrsam. Dort wollte er nach Erkenntnissen der Ermittler offenbar per Zug zurück in den niedersächsischen Ort fahren, in dem die Psychiatrie liegt, aus der er am Nachmittag geflüchtet war. Nach Angaben der für den Fall zuständigen Polizei in Diepholz entkräftete sich jeder Gefährdungs- oder sogar Extremismusverdacht in den folgenden Vernehmungen. „Die Vermutung einer Fremd- oder Eigengefährdung bestätigte sich dabei nicht mehr“, teilten die Beamten in der niedersächsischen Stadt am Donnerstag mit.

Die Aussagen des Manns seien nach dessen glaubwürdigen Angaben in Momenten starker Erregung gefallen. In dem Einkaufszentrum seien weder Sprengstoff noch andere gefährliche Gegenstände gefunden worden, ergänzte ein Sprecher der Bremer Polizei am Donnerstag. Bereits zuvor hatten die Beamten mitgeteilt, dass die Evakuierung „ohne Zwischenfälle“ verlaufen sei.

Wie die Beamten in Diepholz mitteilten, wurde der Mann inzwischen entlassen. Er war demnach ursprünglich am Sonntag aufgrund eines richterlichen Beschlusses in die Psychiatrie in Bassum eingewiesen worden, nachdem er wegen Hausfriedensbruchs und Diebstahls in Gewahrsam genommen worden war und sich währenddessen selbst verletzt hatte. Bereits am Mittwochnachmittag wurde der Unterbringungsbeschluss aber aufgehoben.

Gegenüber den Beamten hatte er demnach anfangs unter anderem auch Äußerungen mit Blick auf den Amoklauf von München und Anschläge der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) getätigt. Bei seiner Flucht aus der Psychiatrie am Mittwoch rief er einer ihm nacheilenden Ärztin ferner zu: „Ich

sprenge Euch in die Luft.“ Daher sei zunächst von möglicher „Eigen- und Fremdgefährdung“ ausgegangen worden, erklärten die Beamten.

„Weder seine psychische Verfassung noch seine etwaigen Reaktionen beziehungsweise. Handlungen waren abschätzbar“, erklärten die Beamten in Diepholz. In solchen Situationen würden „polizeiliche Standardmaßnahmen“ eingeleitet, bis jedes Risiko ausgeschlossen werden könne. In Deutschland hatte es in den vergangenen Tagen zwei islamistische Anschläge in Würzburg und Ansbach gegeben, bei denen jeweils die Täter getötet und mehrere Menschen verletzt wurden. Zudem tötete ein Schüler bei einem Amoklauf in München neun Menschen und sich selbst. Die Sicherheitslage gilt deshalb als besonders angespannt.

Nach dem Mann war zunächst im Umkreis der Psychiatrie gefahndet worden, wobei auch die Polizeibehörden der umliegenden Regionen einbezogen wurden. Parallel dazu erhielt die Bremer Polizei nach eigenen Angaben am Mittwochnachmittag einen Notruf, in dem auf einen potenziell verdächtigen Menschen in einem Einkaufszentrum der Stadt hingewiesen wurde. Zivilbeamte sondierten „verdeckt“ die Lage, während ein Zeuge nach Angaben der Polizei anhand einer Bildaufnahme bestätigte, dass es sich tatsächlich um den Gesuchten aus Bassum handelte. Die Evakuierung sei eingeleitet worden, weil eine „geordnete Suche“ nach dem Verdächtigen und eventuell von diesem deponierte Gegenstände unmöglich gewesen wäre, erklärten die Beamten. Auch sollten keine Unbeteiligten gefährdet werden.

DWN
Politik
Politik Die Entwicklung von Großreichen
25.07.2024

Angesichts des kürzlich beendeten G7-Gipfels, der die sinkende Bedeutung der Gruppe offenbarte, stellt sich die Frage, wo die Macht heute...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Silicon Valley hat bei US-Wahlen zwei Eisen im Feuer: J.D. Vance - vor allem Kamala Harris
24.07.2024

Die Hi-Tech-Schmieden im – weltweit zum Synonym für Innovationsfähigkeit gewordenen – Silicon Valley halten sich selbstbewusst für...

DWN
Politik
Politik Konflikt mit dem Westen: Russland plant Stärkung der Kriegsflotte
24.07.2024

Russland beabsichtigt, angesichts der Spannungen mit dem Westen, seine Kriegsflotte erheblich zu verstärken. "Die USA und andere...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Russland öffnet den Bankenmarkt: Strenge Regeln und neue Chancen – aber nicht für alle!
24.07.2024

Russland plant eine drastische Marktöffnung für ausländische Banken, die sich auf strenge Regeln und hohe Anforderungen stützt. Trotz...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kabinett: Entlastungen für Unternehmen auf dem Weg - doch nicht ohne Probleme
24.07.2024

Die Bundesregierung möchte die Konjunktur ankurbeln und Firmen entlasten. Das Kabinett beschließt wichtige Maßnahmen eines...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche Bank erleidet massiven Gewinneinbruch
24.07.2024

Die Erfolgssträhne der Deutschen Bank ist gerissen. Das traditionsreiche Geldhaus musste im zweiten Quartal einen satten Gewinnrückgang...

DWN
Finanzen
Finanzen Neue Steuerklassen und Freibeträge: Was sich ändert
24.07.2024

Das Bundeskabinett will mehrere Entlastungen bei der Einkommensteuer auf den Weg bringen und berät das zweite Jahressteuergesetzes von...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilienkrise: Zwangsversteigerungen in Deutschland nehmen deutlich zu
24.07.2024

Hohe Zinsen, mehr Insolvenzen und eine schwache Wirtschaftskonjunktur – die Zahl der Zwangsversteigerungen steigt in Deutschland um acht...