Politik

Merkels Flüchtlings-Chef offenbar vor Auswechslung

Lesezeit: 2 min
18.08.2016 02:32
Bundeskanzlerin Merkel will den Chef des Bundesamts, Weise, für Flüchtlinge offenbar durch eine Nachfolgerin ersetzen. Es ist Merkel bisher nicht gelungen, die Flüchtlinge wie erhofft auf bezahlte Arbeitsplätze zu bekommen. Die Wirtschaft sperrt sich gegen unrealistische Erwartungen.
Merkels Flüchtlings-Chef offenbar vor Auswechslung

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wird nach Informationen der «Nürnberger Nachrichten» künftig von einer Frau geleitet. Der bisherige Leiter Frank-Jürgen Weise werde im kommenden Jahr von Jutta Cordt abgelöst, schreibt die Zeitung unter Berufung auf nicht näher bezeichnete informierte Kreise. Eine Bestätigung dafür war am Mittwochabend weder beim BAMF noch beim Bundesinnenministerium zu bekommen, dem die Nürnberger Behörde untersteht.

Cordt verbrachte einen Großteil ihres Berufslebens in der Bundesagentur für Arbeit und leitet seit 2014 die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg. Dass Weise, der auch Chef der Bundesagentur ist, im kommenden Jahr als Leiter des BAMF aufhört, ist schon länger bekannt.

Die Vorwürfe der Politik gegen die deutsche Wirtschaft, nicht genug für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt zu unternehmen, werden lauter. Zuletzt forderte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann mehr Jobs und Lehrstellen für Flüchtlinge. Die Klagen werden von führenden Wirtschaftsvertretern jedoch zurückgewiesen.

Der neue Arbeitgeberpräsident Steffen Kampeter sagte zu der daraus resultierenden Diskussion, es sei, als würde einem Marathonläufer vorgeworfen, er habe nach zehn Kilometern noch keine Medaille gewonnen. Nötig sei eine „lange Anstrengung“, die mit Mut und Zuversicht und nicht mit Schuldzuweisungen gemeistert werden müsse.

Zudem wies der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) darauf hin, dass der Zugang zum Arbeitsmarkt für Flüchtlinge erst Anfang August erleichtert worden sei. Dies habe die Politik so entschieden und dürfe nicht der Wirtschaft angelastet werden, betonte Kampeter.

Auch DIHK-Präsident Eric Schweitzer wies Vorwürfe zurück, wonach sich die Wirtschaft nicht genügend für die Flüchtlingsintegration engagiere. Von dem Tag, an dem ein Flüchtling deutschen Boden betrete, bis zu dem Punkt, wo er in der Lage sei, eine Ausbildung oder Einstiegsqualifizierung anzufangen, vergingen durchschnittlich zwei Jahre, sagte er der Saarbrücker Zeitung. Kernproblem seien fehlende Sprachkenntnisse, die erst erarbeitet werden müssten.

Bislang bieten viele große Arbeitgeber kaum Jobs für Flüchtlinge. Die 30 größten Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) hatten nach einer im Juli veröffentlichten Umfrage der nur 54 Flüchtlinge eingestellt. Mitte September ist ein Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Vorstandschefs der wichtigsten deutschen Konzerne geplant.

Dabei müssten die Vorstände „konkrete Zusagen“ machen, forderte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann. Er sagte, viele Unternehmenschefs hätten „vor einem Jahr die Ankunft der Flüchtlinge als eine Chance für unsere Gesellschaft begrüßt“. Nun erwarte er, „dass diesen Worten auch Taten folgen“. Die Dax-Konzerne sollten sich dabei die Handwerksbetriebe und die mittelständische Wirtschaft zum Vorbild nehmen, „die sich in besonderer Weise anstrengen“.

Nach Einschätzung der Städtetagspräsidentin Eva Lohse (CDU) dürfte es noch Jahre dauern, die Flüchtlinge in Deutschland in Arbeit zu bringen. Es sei vielleicht voreilig gewesen zu glauben, mit den Neuankömmlingen könne man den Fachkräftemangel beheben, sagte Lohse im Südwestrundfunk. In den nächsten fünf Jahren sei es sicher möglich, viele Flüchtlinge zu integrieren, „wenn wir uns die Zeit nehmen“.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Westeuropas Automarkt stürzt auf 30-Jahres-Tief

Dem Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer zufolge wird auch 2021 ein rabenschwarzes Jahr für Europas Autobranche.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Verfassungsrechtler und Banker warnen: Green Deal der EU nur mit Ökodiktatur möglich

Ein Ex-Bundesverfassungsrichter warnt davor, dass Deutschland und Europa in eine „Öko-Diktatur“ abgleiten könnte. Doch auch Analysten...

DWN
Politik
Politik Merkel stellt Verbindung zwischen Pandemie und Umweltschutz her – drohen uns nun Klimabeschränkungen?

Angela Merkel zufolge erhöht die Zerstörung der Natur die Gefahr der Übertragung von Krankheitserregern wie das Corona-Virus. Die...

DWN
Finanzen
Finanzen Höhere Inflation im Anmarsch - ein gutes Omen für Gold

Während viele andere Geldanlagen zuletzt starke Gewinne verzeichneten, zeigte Gold eine auffällige Schwäche. Doch dies dürfte sich nun...

DWN
Politik
Politik Jens Spahn: Ein Mann und seine Abenteuer

Die bisherige Karriere von Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn ist aufregend verlaufen. Die DWN zeichnen die wichtigsten Stationen...

DWN
Politik
Politik Opposition: Bundesregierung will Mitsprache des Bundestags bei Corona in speziellem Gremium „versenken“

Die Oppositionsparteien FDP und Grüne kritisieren Pläne der Bundesregierung zur Bildung eines speziellen Gremiums.

DWN
Politik
Politik Steinmeier erwägt staatliche Regulierung der sozialen Medien im Namen der Freiheit und der Demokratie

Bundespräsident Steinmeier meint: „Die Demokratien der Welt müssen ihre Verfasstheit auch im Digitalen sichern, gegen Feinde von innen...

DWN
Finanzen
Finanzen Springt die US-Notenbank als Retter ein, wenn es zum Preis-Krach beim Bitcoin kommt?

Ein Finanzanalyst spricht von einem „Bitcoin-Casino“, bei dem der Preis über eine „Buy & Hype“-Taktik künstlich in die Höhe...

DWN
Finanzen
Finanzen City of London fürchtet Abzug des billionenschweren Derivategeschäfts in die EU

In der City of London liegen die Nerven blank. Den Verlust kleinerer Märkte an den Kontinent nahm man noch hin, nun droht mit einem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Trotz Brexit: RWE bringt in Großbritannien Schlüsselprojekt für Windenergie voran

Viele deutsche Industrieunternehmen stehen zwar wegen des Brexits unter Druck. Doch nicht so der Energiekonzern RWE, für den...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Wird die OPEC+ die Ölproduktion erhöhen?

Es gibt einige Hinweise darauf, dass die OPEC+ am Donnerstag die Ölproduktion ankurbeln wird. Russland unterstützt dieses Vorhaben,...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der Held von Hanoi: Mann rettet Mädchen nach Sturz aus dem 12. Stockwerk

Vietnam feiert einen Lastwagenfahrer, der einem aus einem Hochhaus stürzenden Kind das Leben gerettet hat.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Corona-Rezession wie Zweiter Weltkrieg – der Tod des Gastgewerbes ist beschlossene Sache

Die aktuelle Corona-Rezession weist große Ähnlichkeiten mit den wirtschaftlichen Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf. Aus einem...

DWN
Politik
Politik Corona-Ticker - Vorbild Israel: EU arbeitet an „Grünem Pass“ für Geimpfte

Die EU-Kommission arbeitet an einem Gesetz zur Einführung eines „Grünen Passes“, der geimpften Bürgern offenbar Vorteile gegenüber...