Finanzen

Analysten: Spekulationen verzerren den Öl-Preis

Lesezeit: 2 min
30.08.2016 02:31
Beobachter zufolge sind die Ausschläge beim Ölpreis Folge massiver Spekulationen an den Terminbörsen und in Umlauf gebrachter Gerüchte. Mit Angebot und Nachfrage in der Realwirtschaft hätten die Notierungen kaum zu tun. Der derzeit zu beobachtende Preisanstieg werde aufgrund des globalen Überangebots dauerhaft nicht aufrechtzuerhalten sein.
Analysten: Spekulationen verzerren den Öl-Preis
Der Umfang der Verkaufspositionen von Hedgefonds und der Preis für WTI-Öl. (Grafik: oilprice.com)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Das laufende Jahr war bisher von großen Schwankungen am Ölmarkt gekennzeichnet. Einem deutlichen Einbruch zu Jahresbeginn – währenddessen die Notierungen auf bis zu 27 Dollar pro Barrel (159 Liter) einbrachen – folgte in den Monaten darauf eine Verdopplung auf rund 50 Dollar.

Mit realen Veränderungen bei Angebot und Nachfrage können solche Preissprünge indes nicht erklärt werden, sagen Beobachter wie John Kemp von Reuters. Besonders Termingeschäfte und sonstige Wetten von Hedgefonds seien die wahren Treiber der Preise. Kemp zufolge „gab es seit Anfang 2014 eine enge Korrespondenz zwischen den Positionen der Hedgefonds und den Ölpreisen.“

Hinter der seit Februar laufenden Erholung der Ölpreise steht Kemp zufolge die Tatsache, dass Hedgefonds netto wieder mehr Geld auf steigende Preise gesetzt hätten. Im März schrieb Kemp: „Die Wetten auf steigende Ölpreise von Hedgefonds und anderen Geldmanagern befinden sich fast auf Rekordhöhe und halfen dadurch, Öl über 40 Dollar pro Barrel zu schieben. Hedgefonds haben mit 579 Millionen Barrel ihre Netto-Kaufpositionen von nur 242 Millionen Barrel zum Ende des vergangenen Jahres mehr als verdoppelt. Die kombinierten Netto-Verkaufspositionen für WTI-Öl an der New Yorker Mercantile Exchange und der ICE Futures Europe hingegen wurden seit Anfang Februar von 261 Millionen Barrel auf jetzt 112 Millionen Barrel gekürzt.“

Ein weiterer Treiber der Preisbildung, welcher mit den Termin-Spekulationen zusammenhängt, seien bewusst in Umlauf gebrachte Desinformationen sowie das Erwecken falscher Hoffnungen durch die Produzenten. In diesem Zusammenhang besitzen die Verlautbarungen Saudi-Arabiens sowie die Treffen der OPEC hohe Relevanz.

Das Rohstoff-Portal oilprice.com bemerkt dazu: „Das Doha-Treffen endete ohne Ergebnis, wie die meisten Beobachter erwartet hatten, aber nicht bevor die Ölpreise über 42 Dollar stiegen, ohne dass sich die fundamentale Marktsituation geändert hätte. Aufgrund des Überangebots sanken die Notierungen Anfang August wieder knapp unter 40 Dollar. Die OPEC kündigte erneut ein Treffen an, um über ein Einfrieren der Fördermenge zu beraten und die Ölpreise stiegen daraufhin erneut deutlich.“

Die meisten Beobachter sind sich darin einig, dass ein Einfrieren der Fördermengen nicht zu höheren Preisen führen würde, weil das weltweite Förderniveau derzeit sehr hoch ist. „Ein Einfrieren bei 34 Millionen Barrel täglich ist nicht dasselbe wie 33 Millionen Barrel am Tag. Es verzögert die Erholung der Notierungen nur weiter nach hinten“, wird ein Analyst von oilprice.com zitiert.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Politik
Politik Paul-Ehrlich-Institut: Fast 50.000 aus Deutschland gemeldete Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen stehen im zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen

Das Paul-Ehrlich-Institut führt in einem Sicherheitsbericht aus, dass vom 27.12.2020 bis zum 30.04.2021 „über 49.961 aus Deutschland...

DWN
Politik
Politik Das ist die Rede von Bundespräsident Steinmeier zum 76. Jahrestag des Kriegsendes

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat anlässlich des 76. Jahrestags des Kriegsendes eine bewegende Rede gehalten.

DWN
Finanzen
Finanzen Wann werden die Zentralbanken endlich abgeschafft?

All die vielen monetären Anstrengungen der letzten Jahrzehnte waren anscheinend umsonst. Die Zentralbanken verfehlen ständig ihre Ziele...

DWN
Finanzen
Finanzen Alzheimer: So bewahren Sie Freiheit, Finanzen und Lebensqualität trotz Diagnose

Betroffene und Angehörige reagieren zuerst geschockt auf die Diagnose von Alzheimer oder anderen Demenzerkrankungen. Doch gerade in diesen...

DWN
Deutschland
Deutschland Einmalige Vermögensabgabe durch Super-Reiche könnte dem Bund 310 Milliarden Euro bescheren

Durch eine einmalige Vermögensabgabe durch Multimillionäre in Deutschland könnte der Bund 310 Milliarden Euro einnehmen, um die...

DWN
Politik
Politik Der Klimaschutz entwickelt sich zur Seifenoper: Die Aktivisten ergehen sich in hohlen Phrasen - statt tatkräftig anzupacken

DWN-Kolumnist Ronald Barazon glaubt, dass Klimaschutz notwendig ist. Aber Ergebnisse seien nicht mit Protest und Phrasendrescherei zu...

DWN
Politik
Politik Putin gedenkt Weltkriegs-Ende: Es gibt keine Vergebung für diejenigen, die „wieder aggressive Pläne pflegen“

Anlässlich des 76. Jahrestags des Sieges der Sowjetunion über Nazideutschland hat Russlands Präsident Wladimir Putin gesagt, dass es...

DWN
Politik
Politik US-Marine fängt Schiff mit Tausenden Waffen im Arabischen Meer ab

Die US-Marine hat im Arabischen Meer ein staatenloses Segelschiff mit Tausenden Waffen abgefangen.