Politik

Müller: Volkswagen wird trotz Krise weiter bestehen

Lesezeit: 2 min
12.09.2016 01:39
VW-Chef Müller hält die Existenz des Konzerns trotz der aktuellen Krise für gesichert. VW will nun in neue Technologien investieren – muss aber Partner finden: Gespräche mit Apple, Google und Uber sind vor einiger Zeit gescheitert. Nun hofft VW auf die Zusammenarbeit mit China.
Müller: Volkswagen wird trotz Krise weiter bestehen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Knapp ein Jahr nach Bekanntwerden des Abgas-Skandals sieht VW-Chef Matthias Müller die Gefahr einer existenziellen Bedrohung für den Konzern gebannt. „VW hat die Kunden enttäuscht und zahlt dafür am Ende einen hohen Preis. Aber das Unternehmen wird weiter bestehen, auch wenn die Belastung extrem ist“, sagte Müller der „Bild am Sonntag“. „Anders wäre die Lage, wenn wir erkennen müssten: Die Amerikaner wollen unser Unternehmen ruinieren. Dann wären viele, viele Arbeitsplätze in Gefahr, und die Politik im Spiel. Aber danach sieht es wirklich nicht aus.“ Analysten schätzen, dass die Aufarbeitung des Skandals den Konzern am Ende insgesamt zwischen 20 und 35 Milliarden Euro kosten wird, sogar von bis zu 50 Milliarden ist vereinzelt die Rede.

„Jetzt bekommen wir immer mehr das Heft des Handelns in die Hand, können neben Krisenmanagement wichtige Themen für das Unternehmen vorantreiben“, sagte Müller. Dem Traditionskonzern hat der 63-Jährige eine neue Führungskultur verordnet, hat Manager an Schlüsselpositionen ausgetauscht und die Macht der Konzernzentrale beschnitten. Er will den Wolfsburger Tanker mit seinen zwölf Marken umkrempeln, ihn fit für die neuen Mobilitätsdienste machen und in der Elektromobilität ganz vorne mitspielen.

Müller räumte Versäumnisse bei Elektroautos ein, doch schon bald werde der Konzern trotz Krise aufholen. „2020 kommt VW geballt mit einer völlig neuen Plattform. Dann werden wir 30 elektrisch betriebene Modelle anbieten und reden über Reichweiten von 500 bis 600 Kilometer.“ Zudem arbeite der Konzern unter Federführung von Porsche an einem Schnelllade-Projekt, in 15 Minuten 80 Prozent der Batterie zu laden. „Das wird schon bald spruchreif.“

Bei selbstfahrenden Autos habe VW mit Apple und Google über eine Zusammenarbeit verhandelt. „Das Rollenverständnis war dann doch zu unterschiedlich, deshalb wurden die Gespräche abgebrochen“, sagte Müller. „Was wir verhindern werden, ist, dass wir als Hersteller zum reinen Zulieferer von Hardware werden“, machte der VW-Chef deutlich. „Wer die Kundenschnittstelle bedient, hat das Sagen. Das müssen wir sein, als klare Nummer eins.“

Durch die Beteiligung an Gett ist Volkswagen vor wenigen Monaten in das Geschäft mit Fahrdienstleistungen eingestiegen. „Das ist ein Markt, in den gerade richtig Bewegung kommt“, begründete Müller die 300 Millionen Dollar schweren Investitionen in das relativ kleine Start-up aus Israel. Der japanische Rivale Toyota hatte sich dagegen mit einer nicht bezifferten Investition den Zugang zum Branchenprimus Uber gesichert. VW habe auch Gespräche mit Uber geführt, sagte Müller. „Aber wir wollten uns nicht in die Rolle des Zulieferers drängen lassen.“

Verstärkte Kooperation mit chinesischen Technologieriesen

Hingegen baut der Konzern seine Zusammenarbeit mit chinesischen Technologieriesen aus. Gemeinsam mit dem Onlinehändler Alibaba, der Internetsuchmaschine Baidu und dem Facebook -Rivalen Tencent will der Konzern Funktionen für das vernetzte Auto der Zukunft entwickeln, wie die VW-Tochter Audi am Sonntag mitteilte. Audi und das VW-Joint-Venture FAW-Volkswagen wollen ihre Zusammenarbeit mit den chinesischen Konzernen auf den Gebieten Datenanalyse, fahrzeugbezogene Internet-Plattform und intelligente Mobilitätslösungen für Städte vertiefen.

„China ist zu einem wichtigen Leitmarkt für digitale Technologien geworden“, sagte Audi-China-Chef Joachim Wedler. In Zusammenarbeit mit Alibaba hat das Unternehmen bereits Echtzeit-Verkehrsinformationen in das Audi-Infotainmentsystem eingeflochten, mit Tencent arbeitet Audi an der Integration von WeChat-Funktionen wie das Teilen von Standortinformationen und Musik in seine Modelle. Mit mehr als 700 Millionen aktiven Nutzern ist WeChat die führende Kommunikations-App in Asien.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen „All-in“ für den Goldpreis: Die US-Notenbank setzt mit voller Wucht auf Inflation

Die US-Notenbank Fed hält an ihrem inflationären Kurs fest. Eine Zinserhöhung ist trotz Ankündigung sehr ungewiss. Doch eine höhere...

DWN
Finanzen
Finanzen Bank of England hält an lockerer Geldpolitik fest, wartet auf höhere Inflation

Die britische Notenbank belässt Zinsen und Anleihekäufe unverändert. Mit einer Straffung der Geldpolitik will sie vorerst noch warten.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft OPEC+ will ab August Ölförderkürzungen lockern, Bank of America mit heftiger Preisprognose

Die OPEC+ plant, ab August 2021 die Drosselung der Ölproduktion zu lockern. Die Bank of America hat eine interessante Prognose zur...

DWN
Finanzen
Finanzen Cannabis auf Rezept: Gegen diese Krankheiten wirkt die Heilpflanze

Cannabis ist vielen nur als Droge bekannt. Dabei nutzen Menschen das Kraut seit Jahrtausenden auch als Heilpflanze. Seit 2017 können...

DWN
Politik
Politik Merkel fordert neue Durchgriffsrechte für EU-Kommissare

Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert neue Durchgriffsrechte für EU-Kommissare in mehreren Bereichen. Die Pandemie habe gezeigt, dass ein...

DWN
Politik
Politik Russland verlegt Kriegsflugzeuge in Richtung des Schwarzen Meeres

Russland verlegt drei U-Boot-Abwehrflugzeuge vom Typ Tu-142 vom Luftwaffenstützpunkt Kipelovo zum russischen Marinestützpunkt in Jeisk....

DWN
Politik
Politik EILMELDUNG: Bombenalarm im Wahlkreis-Büro von Angela Merkel

Im Wahlkreisbüro von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Stralsund hat es am Donnerstag einen Bombenalarm gegeben.

DWN
Politik
Politik Deutschland baut seine Rolle in Libyen nach Absprache mit den USA aus

Deutschland baut seine Rolle im Libyen-Konflikt aus – doch nur in Kooperation mit den USA.