Politik

Commerzbank will tausende Stellen abbauen

Lesezeit: 1 min
23.09.2016 02:18
Die Commerzbank steht vor einem radikalen Umbau, bei dem bis zu 5.000 Stellen wegfallen könnten. Kein Bereich soll verschont bleiben. Beobachter glauben, dass die Kürzungen auf lange Sicht nicht reichen werden, um die Bank in eine vernünftige Profitabilität zu bringen.
Commerzbank will tausende Stellen abbauen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Commerzbank-Chef Martin Zielke wird in der kommenden Woche aller Voraussicht nach seine neue Strategie vorstellen. Finanzkreisen zufolge will Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus ordentlich abspecken und steuert deshalb auf den Abbau tausender Stellen zu. Die Arbeitnehmerseite stelle sich darauf ein, dass im Konzern deutlich mehr Stellen wegfallen werden als die zuletzt kolportierten 1500, sagten mehrere Insider der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Bislang kreisten die Überlegungen vor allem um die Mittelstandsbank, die offenbar aufgespalten werden soll. Doch auch in der zentralen Verwaltung arbeiteten noch immer 2000 Leute zu viel, betonte eine Person mit Einblick in die internen Schätzungen.

Noch liegen die endgültigen Zahlen zum Jobabbau nicht vor, wie die Insider betonten. Der Aufsichtsrat werde über die Pläne voraussichtlich am Mittwoch informiert. Die Commerzbank, die insgesamt gut 50.000 Menschen beschäftigt, wollte die Informationen nicht kommentieren.

Das Institut mit seinem starken Fokus auf Privat- und Firmenkunden steht im Niedrigzinsumfeld besonders unter Druck. Der für dieses Jahr eigentlich angestrebte Milliardengewinn ist seit der enttäuschenden Halbjahresbilanz passé. Investoren erwarten deshalb, dass Zielke die neue Mittelfrist-Strategie gleich mit einem ordentlichen Sparkurs verbindet - nach dem Motto: harte Entscheidungen am Anfang treffen. Die Commerzbank selbst stellt ihre neue Strategie unter die Schlagworte Kosten, Erträge und Digitalisierung.

Zuletzt war aus Finanzkreisen durchgesickert, dass auch ein radikaler Konzernumbau diskutiert wird. So erwägt die Commerzbank offenbar, die Mittelstandsbank, das einstige Aushängeschild, in zwei Teile zu zerlegen. Sie leidet unter der schwachen Kreditnachfrage in Deutschland. Deshalb soll das Geschäft mit exportorientierten Großkunden mit der ebenfalls verkleinerten Investmentbank zusammengefasst werden, kleinere Mittelständler sollen von der Privatkunden-Sparte betreut werden, wie mehrere mit den Überlegungen vertraute Personen berichteten. Die Pläne würden für die Mitarbeiter der Mittelstandsbank noch größere Einschnitte bedeuten als erwartet. Allein die verstärkte Digitalisierung könnte dort mehr als 1000 Jobs überflüssig machen, hieß es zuletzt. Hinzu kämen Stellenstreichungen durch den Schrumpfkurs der Sparten.

Dass es auch im Privatkundengeschäft Kürzungen geben wird, gilt intern als sicher - schon allein deshalb, weil Zielke seine ehemalige Sparte aus politischen Gründen nicht verschonen könne. Ein Insider rechnet damit, dass konzernweit am Ende etwa ein Zehntel der Belegschaft wegfallen könnte: "Ein Abbau von 5000 Stellen wäre durchaus plausibel." Damit hätte der Sparkurs in etwa die gleiche Dimension wie bei der Deutschen Bank. Sie will nach jetzigem Stand 9000 der weltweit 100.000 Stellen streichen, davon 4000 in Deutschland. Ob das ausreicht, ist allerdings völlig offen - analysiert Reuters.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber 5 Immobilienweisheiten – oder wie Sie den Wert Ihrer Immobilie steigern können

Aufgrund der hohen Nachfrage zeigen Immobilien eine äußerst positive Wertentwicklung. Mit ein paar Maßnahmen lässt sich der Preis der...

DWN
Finanzen
DWN
Technologie
Technologie „Die Debatte um die Atomkraft wird nahezu faktenfrei geführt“

Fluch oder Segen? Der Analyst für Energie- und Atom-Politik, Mycle Schneider, empfiehlt einen nüchternen Blick auf die Kernenergie. Und...

DWN
Finanzen
Finanzen Die USA brechen die Regeln des internationalen Finanzsystems

Wegen kurzfristiger Vorteile verspielt Amerika seinen guten Ruf.

DWN
Finanzen
Finanzen Kommt die Vermögensabgabe – und wie schützen sich Anleger?

Immer mehr Stimmen fordern einen Corona- oder Ukraine-Lastenausgleich – also eine verpflichtende Vermögensabgabe, die die exorbitanten...

DWN
Politik
Politik Einflussreicher US-Stratege sagt, der Westen trage Mitschuld am Krieg: Hat er Recht?

Stellt der Ukraine-Krieg nur die logische Folge eines erneut aufkeimenden russischen Imperialismus dar? Nein, so der berühmte US-Stratege...

DWN
Technologie
Technologie Energiewende führt zu Strommangel-Wirtschaft, De-Industrialisierung und Verarmung

So, wie die Energiewende derzeit geplant ist, gefährdet sie den Wirtschaftsstandort Deutschland und unseren Sozialstaat. DWN-Autor Henrik...

DWN
Finanzen
Finanzen Zinswende: Mit Vorsatz in den nächsten Crash

Die Fed befindet sich in einem Teufelskreis: Lässt sie die Zinsen unangetastet, steigt die Inflation. Erhöht sie die Zinsen, brechen die...

DWN
Technologie
Technologie Wenn Russland den Hahn zudreht: "Dann gnade uns Gott"

Kernenergie, sagt der Diplomingenieur für Kernenergetik, Manfred Haferburg, ist sicher. Die deutsche Energiewende hingegen sieht er...