Finanzen

EZB-Rat beschließt Bond-Kauf am Sekundärmarkt, lockert Anforderungen für Sicherheiten

Lesezeit: 2 min
06.09.2012 15:13
Zukünftig werde die EZB am Sekundärmarkt wieder Staatsanleihen von Ländern der Eurozone kaufen, so Mario Draghi. Dadurch können Verzerrungen am Markt bekämpft werden. „Wir handeln genau im Rahmen unseres Mandats“. Auch die Sicherheitsvorschriften sollen gelockert werden.
EZB-Rat beschließt Bond-Kauf am Sekundärmarkt, lockert Anforderungen für Sicherheiten

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Entscheidungen der EZB über einen erneuten Ankauf von Staatsanleihen bedrängter Schuldenstaaten fiel so aus, wie es viele erwartet hatten: Es wurde ein klassischer europäischer Kompromiss (wie übrigens präzise von Goldman Sachs vorhergesagt - mehr dazu hier). Der Anlass ist indes ernst: Der Chef der EZB, Mario Draghi erwartet eine lange Rezession sowie einen kurzfristigen Anstieg der Inflation in der Eurozone (hier) - ein Mitteilung, die in der Klarheit doch überraschte und ernsthaften Anlass zur Sorge geben muss.

Zur Verhinderung eines vorzeitigen Euro-Kollaps hat sich der EZB-Rat für so genannte „Outright Monetary Transactions" (OMT) entschieden. So wird die EZB künftig Staatsanleihen von Euroländern am Sekundärmarkt kaufen. Schließlich müsse man „in der Lage sein, die Funktionsweise der Geldpolitik in allen Ländern der Eurozone zu sichern“, so Draghi. Dies OMT „werden uns in die Lage versetzen, Verzerrungen auf den Staatsanleihenmärkten zu bekämpfen“. So könnten „zerstörerische Szenarien verhindert werden“, Szenarien, die die Preisstabilität in der Eurozone nachhaltig beeinflussen könnten. „Wir handeln strikt im Rahmen unseres Mandats.“

Der Anleihenkauf wird dadurch gekennzeichnet sein, dass er sich auf Transaktionen mit einer Laufzeit von ein bis die Jahren konzentriert und von vorneherein keine quantitativen Grenzen festgelegt werden – demnach also unbegrenzt. Draghi gab zudem an, dass die EZB wie alle anderen Anleihehalter behandelt werden soll, statt als bevorzugter Anleihegläubiger. Bedingung für das Eingreifen der EZB am Bondmarkt ist aber noch immer, dass EFSF und später EMS selbst am Bondmarkt aktiv werden. Darüber hinaus versuche man, den IWF „mit ins Boot zu holen“, so Draghi. Wöchentlich soll das Volumen der Anleihenkäufe ausgewiesen werden, über die Details zu den einzelnen Ländern sollen monatlich informiert werden. Sollten sich die entsprechenden Regierungen der betroffenen Länder nicht an die Auflagen für diese Intervention der EZB und der EU halten, behält sich die EZB vor, den Kauf zu beenden.

Die dadurch zusätzlich in den Markt gepumpte Geldmenge wird voll sterilisiert werden. Also an anderer Stelle wieder von der EZB aus dem Markt genommen werden. Dies kann die EZB, in dem sie beispielsweise andere Anleihen verkauft oder die Kreditvergabe an Geschäftsbanken einschränkt. Im Moment schöpft die EZB das zu viele Geld, das durch den ersten Anleihenkauf entstand, dadurch ab, in dem sie den Banken wöchentliche Termineinlagen mit nur 0,01 Prozent Zinsen anbietet (mehr hier).

Darüber hinaus, so der EZB-Chef, habe der Rat entschlossen, auch die geforderten Sicherheiten für den Zugang zum Eurosystem zu lockern – also die Sicherheiten, die hinterlegt werden müssen, um über die EZB Kredite aufzunehmen. Künftig sollen so auch Wertpapiere, die in anderen Währungen notiert sind, akzeptiert werden. Damit legt die EZB den Grundstein, enger mit der Fed bei künftigen geldpolitischen Maßnahmen zusammenarbeiten zu können.

Die Entscheidung fiel nicht einstimmig, Jens Weidmann widersetzte sich dem Draghi-Konzept - und bekam vom EZB-Chef ganz ungalant bei der Pressekonferenz noch eine mitgegeben (mehr zu dem Affront - hier).

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Finanzen
Finanzen Target2 macht's möglich: Deutsche Netto-Auslandsvermögen in Gefahr

Die Target-Forderungen Deutschlands innerhalb der EU haben längst astronomische Höhen erreicht. Ökonomen hatten zuvor inständig davor...

DWN
Politik
Politik Drohung aus der EU: „Angriff auf Ukraine heißt: sofortiges Öl/Gasembargo“ gegen Russland

Ein hochrangiger deutscher EU-Vertreter droht Russland bei einem Angriff auf die Ukraine mit einem Gas-Embargo, einem Ausschluss aus dem...

DWN
Politik
Politik Drei Brennpunkte bedrohen den Frieden: Schickt der Westen nur Berater - oder seine Armeen?

In seinem meinungsstarken Artikel analysiert DWN-Kolumnist Roland Barazon die weltweite Sicherheitslage.

DWN
Finanzen
Finanzen Explosion der Immobilien-Preise: Mieten lohnt sich immer öfter als Kauf

In 51 von 75 Städten ist die finanzielle Belastung durch die Miete geringer als beim Kauf. Die Unterschiede sind vor allem in den...

DWN
Deutschland
Deutschland Ernste Lage: Versorgungsengpass bei Lebensmitteln und Rohstoffen droht

In zahlreichen Branchen innerhalb der deutschen Lieferkette droht ein Kollaps bei der Versorgung. „Dann sprechen wir nicht mehr bloß...

DWN
Politik
Politik EU-Direktorin für Impfstoff-Zulassung war Pharma-Lobbyistin – unter anderem für AstraZeneca

Die aktuelle Direktorin der Europäischen Arzneimittelagentur, die für die Impfstoffzulassung verantwortlich ist, war zuvor für den...

DWN
Deutschland
Deutschland Gesetzes-Verschärfung steht bevor: Regierung will deutschlandweite Ausgangsbeschränkungen - Bundestag dürfte zustimmen

Die Bundesregierung will mittel einer Gesetzesverschärfung die Einspruchmöglichkeiten der Länder brechen.

DWN
Finanzen
Finanzen Banken sprechen von "Verwahrentgelt": In Wahrheit handelt es sich um Strafzinsen

Immer mehr deutsche Banken und Sparkassen berechnen ihren Kunden Strafzinsen.