Zypern: EU hat erstmals Angst vor einem Bailout

Lesezeit: 1 min
26.11.2012 14:05
Die Troika findet keine Einigung bei den Verhandlungen über den 17 Milliarden Euro schweren Bailout für Zypern. Geschwindigkeit und Ausmaß des zypriotischen Sparplans werden in Frage gestellt. Erschwerend hinzu kommt, dass Zypern letzte Woche von Fitch erneut herabgestuft wurde.
Zypern: EU hat erstmals Angst vor einem Bailout

Aktuell: Europa bricht weg: Deutsche Exporteure suchen Ersatz-Märkte

Der zypriotische Präsident Dimitris Christofias hatte am Freitagabend voreilig eine Einigung mit der Troika für einen Bailout des Landes öffentlich kundgegeben: Die Auszahlung der Finanzhilfe in Höhe von 17 Milliarden Euro sei nur eine Frage der Zeit, sagte er einem Bericht von Rzeczpospolita zufolge. Die Vertreter von EZB, IWF und EU hingegen sehen das anders. Ohne eine Einigung hat die Troika das Land bereits wieder verlassen.

Vor allem die Geschwindigkeit des Reformprozesses ließe zu wünschen übrig: „Es wurden zwar Fortschritte gemacht“, sagte ein Sprecher der Troika, es seien aber noch weitere Arrangements für eine Wiederbelebung des zypriotischen Bankensektors notwendig. Die Finanzen müssten weiter stabilisiert und das Wirtschaftswachstum sichergestellt werden. Bereits am Mittwoch wurde Zypern jedoch erneut von der Rating-Agentur Fitch herabgestuft.

Experten sehen einen Bailout für Zypern keinesfalls als sicher an. Die Troika tut sich bereits schwer genug, die nächste Hilfstranche für Griechenland freizugeben (mehr hier). Nach Informationen des Londoner Think Tanks Capital Economics könne Zypern schon in wenigen Wochen das Geld ausgehen (hier). Es bestehe daher die Möglichkeit, dass Zypern viel eher als Griechenland die gemeinsame Währung verlassen könnte.

Bis 2014 rechnen die Analysten mit einer Gesamtverschuldung Zyperns in Höhe von 120 Prozent. Noch vor zwei Jahren lag die Verschuldung bei 61 Prozent. Ein Viertel der Gesamtverschuldung ist auf die Schuldenkrise in Griechenland zurückzuführen, die den zypriotischen Bankensektor in Mitleidenschaft gezogen hat.

Die kommunistische Regierung Zyperns hielt sich in den letzten Jahren durch Kredite aus Russland zu günstigen Konditionen über Wasser. Aus diesem Grund konnte sich das Land bislang bei den Verhandlungen mit der Troika als standhaft erweisen (hier). Der letzte Sparplan sieht für Zypern Kürzungen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro vor. Die Regierung Zyperns legte ein Gegenangebot in Höhe von rund 970 Millionen Euro vor.

Weitere Themen:

Warnung: Mineralöl in Advents-Kalender Schokolade gefunden

Mitten im Krieg: Israels Verteidigungsminister Barak tritt überraschend zurück

EU will militanten israelischen Siedlern Einreise-Verbot erteilen


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Streit um Weltbank-Kredit: Rivalität zwischen China und den USA greift auf internationale Organisationen über

Die US-Regierung versucht, bei der Weltbank die finanzielle Unterstützung Chinas mit billigen Krediten in Höhe von mehr als 1 Milliarde...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Telefonica: Europas viertgrößter Telekom-Konzern in der Schuldenspirale, die EZB hängt als Gläubiger mit drin

Um seine massiven Schulden zu tilgen, plant Telefonica einen spektakulären Rückzug aus allen Märkten Lateinamerikas. Doch die dringend...

DWN
Politik
Politik Lagebericht Syrien: Hellfire-Rakete schaltet ranghohen al Nusra-Befehlshaber in Idlib aus

In der syrischen Provinz Idlib hat die US-Luftwaffe ein führendes Mitglied der Al-Nusra-Front getötet. Damit leistete sie faktisch eine...

DWN
Deutschland
Deutschland Während Ungelernte kommen: 180.000 Akademiker und Fachkräfte verlassen Deutschland jedes Jahr

Rund 180.000 gut ausgebildete Fachkräfte oder Akademiker verlassen Deutschland jedes Jahr. Anstatt ständig den Zuzug ausländischer...

DWN
Finanzen
Finanzen Termingeschäfte eingeschränkt: Weltgrößter Pensionsfonds geht gegen Spekulanten vor

Mit einer Neuregelung zu seinem Aktienportfolio macht Japans staatlicher Pensionsfonds Leerverkäufern einen Strich durch die Rechnung....

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche Bank: Staatliche Kryptowährungen könnten Bargeld bis zum Jahr 2030 ersetzen

Einem Bericht der Deutschen Bank zufolge könnten von Staaten herausgegebene Kryptowährungen das Fiat-Geld bis zum Jahr 2030 ersetzen.

DWN
Politik
Politik Machtkampf um Bulgarien: Amerikaner gehen gegen dominante Russen in die Offensive

In Bulgarien begegnen sich die Einflussbereiche der USA und Russlands. Aktuell scheinen die Amerikaner wieder einen Schritt voraus gemacht...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Lithium-Reserven in Bolivien: Morales' Sturz ist ein herber Rückschlag für China

Ende September sollen die Chinesen mit der inzwischen gestürzten bolivianischen Regierung eine vertiefte Zusammenarbeit im Lithium-Markt...

DWN
Politik
Politik Das Schicksal der Welt in den Händen von 5 Staaten

Die UN dient faktisch als Instrument von fünf Staaten, die international ihre eigenen Interessen verfolgen. Im UN-Sicherheitsrat verfügen...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Weißrussland ruft Serbien zu Beitritt in die Eurasische Wirtschaftsunion auf

Serbien hat bereits ein Abkommen mit der euroasiatischen Wirtschaftsunion (EAWU) unterzeichnet - der Konkurrenzorganisation zur EU. Jetzt...

DWN
Finanzen
Finanzen Schwache Nachfrage: Indiens Goldimporte brechen um 20 Prozent ein

Der zweitgrößte Goldmarkt der Welt - Indien - verzeichnet für dieses Jahr die niedrigsten Goldimporte seit mindestens 2014. Ein Anstieg...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesregierung plant deutliche Verschärfung des Strafrechts für Firmen

Das Bundesjustizministerium arbeitet an einer Verschärfung der Gesetze zur Unternehmenskriminalität.

DWN
Finanzen
Finanzen Russland: Ausländer investieren zunehmend in Rubel-Anleihen

Der Anteil der ausländischen Anleger an den Rubel-Staatsanleihen hat die 30-Prozent-Marke überschritten.

DWN
Finanzen
Finanzen Lebens- und Rentenversicherungen: Die Luft wird dünn, Finanzaufsicht kündigt Intervention an

Die Situation bei den deutschen Lebens- und Rentenversicherungen spitzt sich weiter zu. Ursächlich dafür ist die seit Jahren betriebene...

celtra_fin_Interscroller