Finanzen

Analysten nervös: Bilanz der Schweizer Notenbank gewaltig aufgebläht

Lesezeit: 2 min
11.01.2013 01:40
Die SNB hat sich innerhalb weniger Jahre von einer konservativen Institution zum größten Zocker der Welt gewandelt. Ihre Bilanz hat bereits 75 Prozent des Schweizer BIPs erreicht. Besonders gefährlich ist, dass die einstige Inflations-Wächterin mittlerweile zu einem Mekka der Währungs-Spekulation geworden ist.
Analysten nervös: Bilanz der Schweizer Notenbank gewaltig aufgebläht

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Aktuell

Angst vor der Demokratie: CDU-Politiker rät Briten von EU-Referendum ab

Die großen Zentralbanken der Welt haben ihre Bilanzen in den letzten Jahren extrem verlängert: die amerikanische Zentralbank Federal Reserve (Fed) auf circa 20 Prozent des amerikanischen BIP und die Europäische Zentralbank (EZB) sogar auf circa 30 Prozent des BIP der EU (mehr hier). Doch sogar dieser Wahnsinn kann noch übertroffen werden, wie die Bilanz der Schweizer Nationalbank (SNB) zeigt. Ihre Aktiva haben eine Höhe von fast 500 Milliarden Franken (etwa 410 Milliarden Euro) erreicht, berichtet das WSJ. Das entspricht etwa 75 Prozent des BIP der Schweiz.

Denn die SNB hat wie verrückt Franken gedruckt und innerhalb von nur fünf Jahren ihre Bilanz verfünffacht. Mit dem Geld hat sie vor allem Euros und andere ausländische Währungen gekauft. Sie hält aber auch Anleihen, Aktien und Gold. Der Großteil der Aktiva basiert auf ausländischen Währungen, da es nicht genügend Schweizer Staatsanleihen und andere in Franken notierte Vermögenswerte gibt. Die SNB hält 12 Prozent ihrer Reserven in ausländischen Aktien, berichtet das WSJ. Dies ist für eine Notenbank höchst ungewöhnlich.

Dieser Umstand macht die SNB sehr anfällig für Wechselkursschwankungen. Um die Risiken zu begrenzen, hat sie weit diversifiziert: 48 Prozent ihrer Bestände basieren auf dem Euro, 28 Prozent auf dem Dollar und 24 Prozent in anderen Währungen wie dem Britischen Pfund und dem Australischen Dollar (Daten vom September 2012). „Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas sehe. Eine anti-inflationäre konservative Institution [wie die SNB] hält unsere Währung als Reserve“, zitiert das WSJ den australischen Zentralbanker Glenn Stevens.

Die SNB begründet die extremen Maßnahmen damit, dass sie die Stärke des Franken bekämpfen will. Im September 2011 kündigte sie an, den Eurokurs des Franken nicht unter 1,20 fallen zu lassen. Würde die Zentralbank den Franken erstarken lassen, würden Schweizer Exporte teurer werden. Zu wenig Beachtung findet hingegen, dass ein starker Franken gleichzeitig die Importe für Schweizer Unternehmen billiger machen würde. Auch die Ersparnisse der Schweizer Bürger würden massiv aufgewertet.

Bisher scheint die Strategie der SNB aufzugehen: Die Wirtschaft der Schweiz wächst langsam, die Exporte steigen. Grund zur Sorge bereiten allerdings die steigenden Immobilienpreise. Und die Risiken der extremen Geldpolitik bleiben enorm. Wenn etwa durch Probleme in der Eurozone der Euro zehn Prozent an Wert verlieren würde, dann würde ein großer Teil des SNB-Kapitals vernichtet werden.

Weitere Themen:

Draghi ernüchtert: EZB kann Arbeitslosigkeit nicht senken

Van Rompuy: Briten müssen ohne Wenn und Aber in der EU bleiben

USA überrumpeln Brüssel und verschaffen sich Zugriff auf Daten der EU-Bürger

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Halbzeit Urlaub bei ROBINSON

Wie wäre es mit einem grandiosen Urlaub im Juni? Zur Halbzeit des Jahres einfach mal durchatmen und an einem Ort sein, wo dich ein...

DWN
Finanzen
Finanzen Studie: Falsches Timing beim Einkauf kostet Verbraucher viel Geld
13.04.2024

Der falsche Zeitpunkt beim Kauf von Konsumgütern verursacht erhebliche Mehrkosten für Verbraucher. Das lässt sich nicht immer vermeiden,...

DWN
Panorama
Panorama Der Chefredakteur kommentiert: Eine rauschende Ballnacht! Wirklich?
12.04.2024

Liebe Leserinnen und Leser, jede Woche gibt es ein Thema, das uns in der DWN-Redaktion besonders beschäftigt und das wir oft auch...

DWN
Finanzen
Finanzen Vor der nächsten Zinswende: Welche Zinsprodukte lohnen sich noch und wie viel Geld sollte man festverzinslich anlegen?
12.04.2024

Die nächste Zinswende steht kurz bevor, aber noch gibt es für Anleger attraktive Zinsen. Welche Zinsprodukte sind empfehlenswert und wie...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungsnot? Wo zigtausende Häuser und Apartments leer stehen
12.04.2024

Nicht überall gibt es vergleichbare Probleme auf dem Wohnungsmarkt wie in Berlin, Hamburg oder München. Entsprechend macht eine generelle...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Das KaDeWe ist verkauft und darf nun auf eine neue Blütezeit hoffen
12.04.2024

Während mit der Pleite von Rene Benkos Signa-Holding in Wien wohl der letzte Dominostein gefallen ist, herrscht wenigstens bei der...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Krieg in der Ukraine: So ist die Lage
12.04.2024

Die Schweiz plant einen Friedensgipfel zur Beendigung des Ukraine-Kriegs, doch Moskau bleibt fern. Ohne Russland – ein...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Scholz' China-Reise: Drahtseilakt zwischen Wirtschaft und Diplomatie
12.04.2024

Bundeskanzler Olaf Scholz führt für vier Tage eine Delegation nach China. Sein Besuch im Reich der Mitte soll auf wirtschaftliche...

DWN
Finanzen
Finanzen Volkswirt: Die Phase hoher Inflation ist beendet
12.04.2024

Sinkende Preise bei Nahrung und Energie bringen Erleichterung: Inflationsrate auf tiefstem Stand seit Jahren. Was bedeutet das für die...