15 Euro pro Kopf: Planwirtschaft schafft keine Arbeitsplätze

Lesezeit: 2 min
28.06.2013 09:00
Die EU will zusammen mit den Mitgliedsländern den Kampf gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit aufnehmen. Die Regierungschefs haben beschlossen, dafür sechs Milliarden Euro aus dem neuen EU-Haushalt zu nutzen. Ein scheinbar hoher Betrag, doch am Ende sind das in den kommenden Jahren monatlich 15 Euro, die pro arbeitslosen Jugendlichen investiert werden.
15 Euro pro Kopf: Planwirtschaft schafft keine Arbeitsplätze

Beim EU-Gipfel am Donnerstag haben sich die Staats- und Regierungschefs auf die sowieso schon angekündigten sechs Milliarden Euro zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa geeinigt. 5,627 Millionen junge Menschen unter 20 Jahren sind EU-weit arbeitslos (Stand: April 2013). Das entspricht einer Quote von 23,5 Prozent.

Tatsächlich ist die hohe Jugendarbeitslosigkeit ein wirklich großes Problem. In manchen südeuropäischen Ländern beträgt diese bereits über 50 Prozent: Griechenland (62,5%), Spanien (56,4%). Doch nicht nur in der Peripherie Europas ist Jugendarbeitslosigkeit zu finden. Auch in Frankreich und vor allem den skandinavischen Ländern gibt es immer mehr junge Menschen ohne Job (hier).

Angesichts dieser Zahlen ist unverkennbar, dass die Mitgliedsstaaten handeln müssen. Das Risiko sozialer Unruhen wächst (mehr hier). Da klingen sechs Milliarden Euro erste einmal gar nicht schlecht. Und dann sollen diese Gelder auch schon in den kommenden beiden Jahren in die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit investiert werden – nicht schlecht, könnte man meinen.

Doch es ist geradezu lächerlich diese Summe als Mittel zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit zu bezeichnen. Ganz gleich, ob diese sechs Milliarden 2014 und 2015 ausgezahlt werden – festgelegt ist: Sechs Milliarden des neuen Haushalts. Und dieser läuft von 2014 bis 2020. Da spielt es keine Rolle, ob es in den sechs Jahren in regelmäßigen Abständen investiert wird, oder sofort. Die sechs Milliarden wird es für den Zeitraum von 2014 bis 2020 geben – also für sechs Jahre.

Das würde bedeuten, dass theoretisch jedes Jahr eine Milliarde Euro aus dem EU-Haushalt zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit zur Verfügung steht. Was in etwa 83,333 Millionen Euro monatlich entspricht. Etwas über 83 Millionen Euro monatlich also für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in den kommenden sechs Jahren. Doch bei ca. 5,627 Millionen Menschen unter 25 Jahren, die arbeitslos sind, wären das monatlich etwas mehr als 14,80 Euro pro arbeitslosen Jugendlichen, die investiert würden.

Oder anders gesagt. Bei 27 Mitgliedsländern macht das theoretisch, wenn jedes Land dieselben Mittel erhielte, ca. 37,037 Millionen Euro jährlich pro Mitgliedsland für den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Mit Kroatien als neues Mitglied der EU sogar nur noch 35,714 Millionen Euro im Jahr.

Ein Tropfen auf den heißen Stein. Vor allem, wenn man bedenkt, wie viele Milliarden bereits in marode europäische Banken geflossen sind und noch fließen werden. Aber man muss noch nicht einmal in Richtung Bankenrettung schauen. Ein Blick in die Agrarsubventionen reicht völlig. Diese machen immer noch 40 Prozent des gesamten EU-Haushalts aus. Hierfür hat man erst kürzlich mal wieder 58 Milliarden Euro jährlich bewilligt (hier).

So etwas stellt sich die EU, und allen voran die deutsche Kanzlerin vor, wenn von Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit die Rede ist (mehr hier). Arbeitschancen für die junge Generation sind demnach weniger entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Länder und der EU als hochsubventionierte Großbetriebe in der Landwirtschaft. Über die Agrarfonds fließen nämlich sogar EU-Gelder in die Rüstungsindustrie. Und die ist wiederum vor allem in Deutschland eine der erfolgreichsten Industrien (hier).



DWN
Unternehmen
Unternehmen Telefonica: Europas viertgrößter Telekom-Konzern in der Schuldenspirale, die EZB hängt als Gläubiger mit drin

Um seine massiven Schulden zu tilgen, plant Telefonica einen spektakulären Rückzug aus allen Märkten Lateinamerikas. Doch die dringend...

DWN
Deutschland
Deutschland Während Ungelernte kommen: 180.000 Akademiker und Fachkräfte verlassen Deutschland jedes Jahr

Rund 180.000 gut ausgebildete Fachkräfte oder Akademiker verlassen Deutschland jedes Jahr. Anstatt ständig den Zuzug ausländischer...

DWN
Politik
Politik Machtkampf um Bulgarien: Amerikaner gehen gegen dominante Russen in die Offensive

In Bulgarien begegnen sich die Einflussbereiche der USA und Russlands. Aktuell scheinen die Amerikaner wieder einen Schritt voraus gemacht...

DWN
Technologie
Technologie Beginnt die Abkopplung der Supermächte? Huawei baut erstmals Handy ohne US-Bauteile

Das neueste Handy des chinesischen Herstellers Huawei kommt ganz ohne in den USA gefertigte Chips aus. Es könnte das erste Anzeichen für...

DWN
Technologie
Technologie Flixbus stellt einzige Strecke mit E-Fernbus ein

Flixbus stellt nach rund einem Jahr den Betrieb mit Elektrobussen ein. Das Elektrobusse nicht wettbewerbsfähig sind, hatte sich zuvor...

DWN
Politik
Politik Machtkampf um Bulgarien: Amerikaner gehen gegen dominante Russen in die Offensive

In Bulgarien begegnen sich die Einflussbereiche der USA und Russlands. Aktuell scheinen die Amerikaner wieder einen Schritt voraus gemacht...

DWN
Finanzen
Finanzen Japans Regierung versucht Rezession mit riesigem Kreditprogramm abzuwenden

Seit Monaten schwächt sich die Produktion und der Export des Landes ab. Nun versucht die Regierung mit dutzenden Milliarden gegenzuhalten.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Autozulieferer Bertrandt streckt Fühler nach Wasserstoff-Markt aus

Der schwäbische Industriedienstleister Bertrandt stemmt sich mit einem neuen Geschäftsfeld gegen den Abschwung. Der Markt dafür ist...

DWN
Politik
Politik Neue US-Behörde soll Länder vom Kauf chinesischer Technologie abhalten

Der Handelskrieg wird um eine Facette reicher. Eine neu geschaffene US-Behörde soll, ausgestattet mit einem Milliarden-Budget, Länder...

DWN
Finanzen
Finanzen Flucht in den Dollar: Syriens Währung fällt auf Rekord-Tief

Der Kurs der syrischen Lira ist Anfang der Woche auf ein neues historisches Tief gesunken. Hintergrund ist nicht zuletzt die Krise im...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Weißrussland ruft Serbien zu Beitritt in die Eurasische Wirtschaftsunion auf

Serbien hat bereits ein Abkommen mit der euroasiatischen Wirtschaftsunion (EAWU) unterzeichnet - der Konkurrenzorganisation zur EU. Jetzt...

DWN
Politik
Politik Das Schicksal der Welt in den Händen von 5 Staaten

Die UN dient faktisch als Instrument von fünf Staaten, die international ihre eigenen Interessen verfolgen. Im UN-Sicherheitsrat verfügen...

DWN
Politik
Politik Moral predigen, Macht ausüben: Die Herrschaft der internationalen Organisationen

Eine neue Art von Akteuren spielt auf der Bühne der globalen Machtkämpfe mit. Doch ihnen und den etablierten internationalen...

DWN
Finanzen
Finanzen Lebens- und Rentenversicherungen: Die Luft wird dünn, Finanzaufsicht kündigt Intervention an

Die Situation bei den deutschen Lebens- und Rentenversicherungen spitzt sich weiter zu. Ursächlich dafür ist die seit Jahren betriebene...

celtra_fin_Interscroller