Banken werfen deutschen Konsumenten Dummheit vor

Lesezeit: 2 min
22.08.2013 23:24
Die Deutschen sind klüger als ihre Banken: Sie verstehen die Finanzprodukte nicht - weil die meisten Produkte nichts sind als in Wortgeklingel verpackte heiße Luft. Auch die Briten sagen, dass es sich bei der Finanzindustrie um eine Fantasy-Branche handelt.

 

Die Deutschen liegen im europäischen Vergleich bei der Finanzbildung auf dem letzten Platz. 53 Prozent der Befragten einer Studie der ING-DiBa gaben zu, nicht genug Finanzbildung zu besitzen.

Da sind die Banken aber ganz baff.

Denn wer soll ihre komplizierten Produkte kaufen, wenn er sie nicht versteht?

„In absoluten Zahlen ausgedrückt outen sich damit 35 Millionen deutsche Erwachsene als finanzielle Analphabeten“, zeigt sich die Bank überaus besorgt.

Daher hat die Bank in ihrer Studie nachgelegt und ist wenig überraschend zu dem Ergebnis gelangt, dass die Banken das Übel an der Wurzel bekämpfen müssen: Die große Mehrheit der Befragten fordert nämlich angeblich, dass Finanzbildung in der Schule vermittelt werden sollte (78%). Doch nur 18 Prozent haben diese erhalten. „Damit haben 60 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland, dies entspricht 40 Mio. Menschen, gegen ihren Willen keine Finanzbildung in der Schule bekommen.“

Die Ergebnisse der Studie insgesamt belegen, dass Männer „weniger kompetent“ als Frauen angesehen werden. Die geringsten Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen in Deutschland. In Südeuropa sind die Unterschiede am größten.

Die Deutschen sind auch in den sozialen Medien noch nicht so sehr mit ihrer Bank in Kontakt getreten, wie andere Europäer. „Bankkunden in Deutschland sehen in Social Media mit nur 20% Nutzungsquote eher selten einen Kontaktkanal zur Bank.“

Ein Drittel aller Erwachsenen Deutschen nutzt Mobile Banking. Über die Hälfte aller Mobile Banking-Nutzer befindet sich dabei in den eigenen vier Wänden.

Die Banken wollen dieser Entwicklung nicht tatenlos zusehen: Sie drängen in die Schulen, um den Kindern zu erklären, wie man das Geld am besten verbrennt bei den Banken anlegt. Entsprechende Initiativen des deutschen Bankenverbandes stoßen Konsumenten-Schützern seit längerem auf (mehr zu diesen bemerkenswerten Entwicklungen - hier).

Gemeinsam mit dem Lobbyverband Schufa versuchen die Banken mittlerweile auch, den Kindern die Segnungen von Schulden beizubringen (hier).

Die Studie verfolgt darüber hinaus noch einen anderen Zweck: Es soll den Deutschen eingeredet werden, dass sie mehr Bankgeschäfte über Social Media machen müssten.

Hier kann man den Deutschen nur gratulieren - denn genau das tun die Deutschen nicht. Die aktuellen Datenskandale der US-Geheimdienste zeigen, dass die Behörden auf alle Daten zurückgreifen, derer sie habhaft werden können. Nicht ist so interessant wie Finanztransaktionen - und nicht ist so unsicher wie die Datenkraken von Facebook, Twitter und Google.

Möglicherweise unterliegen die Banken bei ihrer Umfrage insgesamt einem gravierenden Denkfehler: Es ist durchaus denkbar, dass sich die Deutschen in der Studie als propaganda-resistent geoutet haben und sagen: Wir verstehen viele Finanz-Produkte nicht, weil es da nichts zu verstehen gibt. Viele der von den Banken angebotenen Produkte verdienen diesen Namen nicht: Es handelt sich entweder um Wetten oder um Abzocker-Produkte, die nur dazu dienen, dass die Profis gegen diese Produkte wetten können.

Die Investmentbanken haben im Zuge der Subprime-Krise (zu Deutsch: Müll) zugegeben, gegen jene Produkte gewettet zu haben, die sie ihren Kunden verkauft haben.

Hier empfiehlt sich allerdings Sachverstand - denn die vom heutigen EZB-Vordenker beaufsichtigte IKB-Bank aus Düsseldorf hatte sich als die zweitdümmste Bank der Welt erwiesen, weil sie zur hellen Freude der Zocker den Müll (Banken-Deutsch: Subprime) massenweise gekauft und am Ende alles verloren hatten. Dümmer war nur noch die KfW und ihre legendäre Millionen-Überweisung an die nicht mehr existenten Lehman Brothers.

Offenbar haben die Deutschen einen gesunden Instinkt, der sie davor schützt, dass sie der Propaganda der Banken auf den Leim gehen und versuchen, etwas zu verstehen, dass nichts ist als in Wortgeklingel gehüllte, heiße Luft.

Diese These wird durch die Tatsache gestützt, dass auch die Briten angeben, dass sie nicht mehr verstehen, worum bei all den komplexen Produkten geht.

Denn London ist das Zentrum der Finanzindustrie, die Briten haben einen scharfen Verstand und sie können Englisch.

Daher kann man das Fazit ziehen: Wer die Finanzprodukte der Banken nicht versteht, ist nicht dumm, sondern hat recht.

Da gibt es nichts zu verstehen.



DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Ratsmitglied deutet erstmals Aktienkäufe durch die Zentralbank an

Erstmals hat ein Mitglied des EZB-Rats öffentlich die Möglichkeit angedeutet, dass die Zentralbank künftig auch Aktien in ihre Bilanz...

DWN
Finanzen
Finanzen Aramco in Schwierigkeiten: Roadshows in London und New York gestrichen

Die Aussichten für einen Börsengang des saudischen Riesenkonzerns Aramco im Ausland schwinden weiter. Nachdem Aramco seine ehrgeizige...

DWN
Politik
Politik Epstein-Skandal: Fernseh-Interview wird für Prinz Andrew zum Fiasko

Prinz Andrew gerät im Zuge des Prostitutionsskandals um den inzwischen verstorbenen Jeffrey Epstein unter starken öffentlichen Druck.

DWN
Politik
Politik Ein Jahr „Gelbwesten“: Auf dem Globus tobt eine gewaltsame Protestwelle

Ein Jahr nach den ersten Protesten der sogenannten "Gelbwesten" in Frankreich toben in verschiedenen Ländern auf der ganzen Welt schwere...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Argentinien steht kurz vor dem Staatsbankrott: Auch deutsche Lebensversicherer betroffen

Die Schuldensituation Argentiniens verschlechtert sich seit Jahren. Kurz nach der Bereitstellung einer weiteren Kreditlinie durch den IWF...

DWN
Deutschland
Deutschland Altmaier verteidigt Abstandsregeln: Windkraftgipfel geht ohne Ergebnisse zu Ende

Das Treffen zwischen dem Bundeswirtschaftsministerium und Vertretern der Windkraftbranche ist ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Die Politik...

DWN
Finanzen
Finanzen Lagarde beschwert sich über die Undankbarkeit der Sparer

EZB-Chefin Lagarde beschwert sich darüber, dass die Sparer gegen Negativzinsen sind. Die Sparer sollten schon glücklich sein, wenn sie...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Vizepräsident: „Die Nebeneffekte unserer Geldpolitik nehmen zu“

Dem Vize-Präsidenten der Europäischen Zentralbank zufolge sind die Nebeneffekte der ultralaxen Geldpolitik auf dem Vormarsch. Bei diesen...

DWN
Politik
Politik Illegal eingereister Clanchef klagt gegen abgelehnten Asylantrag und neuerliche Abschiebung

Ein bereits abgeschobener und illegal wiedereingereister Krimineller klagt gegen die neuerliche Ablehnung seines Asylantrags. Daneben hat...

DWN
Finanzen
Finanzen Krypto-Königin bringt Anleger um Milliarden und taucht unter

Die Gründerin der Betrugs-Kryptowährung OneCoin ist nach der Aufdeckung des Skandals untergetaucht. Ihr Bruder, der gestanden und...

DWN
Technologie
Technologie Bundesregierung will Bau tausender neuer Funkmasten mit Werbe-Initiative begleiten

Die Bundesregierung strebt eine vollständige Abdeckung Deutschlands mit dem neuen 5G-Netz an. Bedenken in der Bevölkerung hinsichtlich...

DWN
Politik
Politik Streit um EU-Erweiterung: Finnland schmettert Reformvorschlag aus Frankreich ab

Die Frage der EU-Erweiterung auf dem Balkan spaltet die Staaten der Gemeinschaft. Frankreich hat nun versucht, einen siebenstufigen...

DWN
Technologie
Technologie Zahl der Bitcoin-Geldautomaten weltweit steigt stark an

Seit Jahresbeginn ist die Zahl der Bitcoin-Geldautomaten weltweit um rund 50 Prozent auf über 6.000 Maschinen angestiegen.

DWN
Politik
Politik Ungarischer EU-Kommissar will die EU gegen Orban verteidigen

Der designierte ungarische EU-Erweiterungskommissar Oliver Varhelyi verspricht, dass er keine Anweisungen von Ungarns Staatspräsident...

celtra_fin_Interscroller