Politik

51 US-Matrosen erkranken nach Fukushima-Einsatz an Krebs

Lesezeit: 2 min
19.12.2013 02:31
Crew-Mitglieder eines US-Flugzeugträgers wurden nach einem Rettungseinsatz in Japan mit verschieden Krebsarten diagnostiziert. Die Matrosen klagen gegen Tepco auf Schadensersatz. Sie werfen dem Unternehmen Fahrlässigkeit im Umgang mit der Atom-Katastrophe vor.

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

In Folge eines Rettungseinsatzes vor der Küste Japans leiden 51 Matrosen unter diversen Formen von Krebs. Der Flugzeugträger USS Ronald Reagan nahm am März 2011 an der „Operation Tomodachi“ teil. Dabei handelte es sich um eine Rettungsmission, bei der Opfer der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe aus den Küstengewässern geborgen wurden. Die erkrankten Matrosen streben nun eine Klage gegen Tepco an, wie Al Jazeera berichtet. Sie beschuldigen das Unternehmen sie nicht rechtzeitig vor der Kontaminierung des Meerwassers gewarnt zu haben.

Bei ihrem Einsatz befand sich die Mannschaft des Flugzeugträgers nur wenige Kilometer vor der Küste des Atomkraftwerks. Dabei gelangten viele Matrosen auf der Suche nach Überlebenden in Kontakt mit kontaminiertem Meerwasser und Trümmerteilen. Die betroffenen Matrosen, von denen viele gerade erst Mitte zwanzig sind, wurden mit Erkrankungen wie Schilddrüsenkrebs, Hodenkrebs, Hirntumoren und Leukämie diagnostiziert.

Der Anwalt Charles Bonner, der die Geschädigten vor Gericht vertritt, denkt, die Verstrahlung ginge über den direkten Rettungseinsatz hinaus. Als Grund für die Erkrankungen der Seeleute sieht Bonner die Kontaminierung des Trinkwassers an Bord.

Der Flugzeugträger verfügt über eine Entsalzungsanlage, wodurch Meerwasser durch Elektrolyse in Trinkwasser umgewandelt wird. Das gewonnene Trinkwasser wird auch zum Baden, Duschen und Kochen verwendet. Bei dem Rettungseinsatz gelangte vermutlich radioaktives Material aus dem Pazifik ins Trinkwasser. Mehrere Mitglieder der Mannschaft klagten nach dem Einsatz über Symptome von Verstrahlung wie starke Übelkeit, Kopfschmerzen und Nasenbluten. Erst nach mehreren Tagen wurden sie vom Kapitän des Schiffes darüber informiert, dass das Wasser an Bord und das Ventilationssystem kontaminiert sind.

Mike Sebourn, ein Mitarbeiter der Navy Luftwaffe, schloss sich der Sammelklage ebenfalls an. Er wurde nach der Katastrophe etwa 200 Kilometer von Fukushima entfernt stationiert und sollte dort die Flugzeuge auf radioaktive Strahlung überprüfen. Dabei war er einer erhöhten Strahlung ausgesetzt und zeigte nach dem Einsatz diverse Symptome von radioaktiver Verstrahlung. Sein Gesundheitszustand hat sich seit dem rapide verschlechtert.

„Ich habe gesundheitliche Probleme, die man mir nicht erklären kann. Es scheint als würde ich verfallen.“, sagte Sebourn dem Portal Stars and Stripes.

Das amerikanische Militär bestreitet einen Zusammenhang ihrer Erkrankungen mit der Katastrophe von Fukushima und behauptet, dass Militärangehörige ohnehin häufiger an Krebs erkrankten. Demnach entwickle jeder zweite Mann und jeder dritte Frau im U.S. Militär zu ihren Lebzeiten eine Form von Krebs.

„Die U.S. Navy hat proaktive Maßnahmen ergriffen, um den Grad von Fukushima-bezogener Verseuchung  auf U.S. Navy Schiffen und Flugzeugen zu kontrollieren und zu minimieren.“, sagte der Sprecher der U.S. Pazifik Flotte, Anthony Falvo. Zudem sei die USS Ronald Reagan während des Rettungseinsatzes einer maximalen Strahlungsdosis ausgesetzt gewesen, die „geringer war als die Strahlung der Soldaten während eines ein-monatigen Einsatzes durch natürliche Hintergrundstrahlung von Quellen wie Steinen, dem Boden und der Sonne“ ausgesetzt seien, so Falvo.

Die Berichte über die Krebserkrankungen und das Verhalten des U.S. Militärs in diesem Fall unterstützen die Aussagen von Arnie Gundersen. Der Experte für Reaktorsicherheit befürchtet, dass von der japanischen Regierung massiv medizinische Daten zu Krebserkrankungen unterdrückt werden (mehr hier). Gundersen zufolge sagten mehrere japanische Ärzte, sie wurden angewiesen ihre Patienten über die Ursachen ihrer Erkrankungen zu belügen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Finanzen
Finanzen Target2 macht's möglich: Deutsche Netto-Auslandsvermögen in Gefahr

Die Target-Forderungen Deutschlands innerhalb der EU haben längst astronomische Höhen erreicht. Ökonomen hatten zuvor inständig davor...

DWN
Politik
Politik Drohung aus der EU: „Angriff auf Ukraine heißt: sofortiges Öl/Gasembargo“ gegen Russland

Ein hochrangiger deutscher EU-Vertreter droht Russland bei einem Angriff auf die Ukraine mit einem Gas-Embargo, einem Ausschluss aus dem...

DWN
Politik
Politik Drei Brennpunkte bedrohen den Frieden: Schickt der Westen nur Berater - oder seine Armeen?

In seinem meinungsstarken Artikel analysiert DWN-Kolumnist Roland Barazon die weltweite Sicherheitslage.

DWN
Finanzen
Finanzen Explosion der Immobilien-Preise: Mieten lohnt sich immer öfter als Kauf

In 51 von 75 Städten ist die finanzielle Belastung durch die Miete geringer als beim Kauf. Die Unterschiede sind vor allem in den...

DWN
Deutschland
Deutschland Ernste Lage: Versorgungsengpass bei Lebensmitteln und Rohstoffen droht

In zahlreichen Branchen innerhalb der deutschen Lieferkette droht ein Kollaps bei der Versorgung. „Dann sprechen wir nicht mehr bloß...

DWN
Politik
Politik EU-Direktorin für Impfstoff-Zulassung war Pharma-Lobbyistin – unter anderem für AstraZeneca

Die aktuelle Direktorin der Europäischen Arzneimittelagentur, die für die Impfstoffzulassung verantwortlich ist, war zuvor für den...

DWN
Deutschland
Deutschland Gesetzes-Verschärfung steht bevor: Regierung will deutschlandweite Ausgangsbeschränkungen - Bundestag dürfte zustimmen

Die Bundesregierung will mittel einer Gesetzesverschärfung die Einspruchmöglichkeiten der Länder brechen.

DWN
Finanzen
Finanzen Banken sprechen von "Verwahrentgelt": In Wahrheit handelt es sich um Strafzinsen

Immer mehr deutsche Banken und Sparkassen berechnen ihren Kunden Strafzinsen.