Politik

Shillbots: Regierung kann Internet-Foren mit Robotern manipulieren

Lesezeit: 2 min
06.01.2014 02:07
Eine neue Generation von Computer-Programmen kann die Diskussion in Internetforen manipulieren. Die Programme erkennen regierungskonforme Antworten auf kritische Posts, kopieren diese und fügen sie an geeigneter Stelle automatisch ein. Die regierungstreue Seite der Diskussion wird um ein Vielfaches verstärkt. In Deutschland ist die Technologie auf Seiten der Programmierer weit entwickelt. Für die Politik dürfte sie noch eher Neuland darstellen.
Shillbots: Regierung kann Internet-Foren mit Robotern manipulieren

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Regierungen unterwandern uns mit sogenannten Shillbots. Ein Shillbot ist ein Computer-Programm, das Kommentare in Internet-Foren einfügt. Dazu kopiert das Programm die Posts menschlicher Nutzer an der einen Stelle und fügt sie an einer anderen Stelle wieder ein. Auf diese Weise wird die freie Meinungsäußerung im Internet manipuliert.

Die Entwicklung dieser Technologie stammt bereits aus den 1950er Jahren, wo mit dem sogenannten Turing-Test Computer in einen Dialog mit Menschen eingetreten sind (mehr dazu bei Wikipedia).

Im Journalismus werden ähnliche Methoden unter anderem beim Magazin Forbes eingesetzt, wo Roboter mit Hilfe von semantischen Technologien bestimmte Nachrichten erstellen (mehr zu diesem interessanten Experiment bei den DMN).

Wenn etwa jemand in einem Forum einen Kommentar schreibt, in dem er Barack Obama kritisiert, kann der Shillbot dies erkennen. Er prüft nun alle Antworten auf die Kritik und sortiert Spam und Zustimmung automatisch aus, berichtet der Podcast Blendover. Der Shillbot merkt, wenn ein anderer Nutzer der Obama-Kritik widerspricht. Diesen Kommentar speichert der Shillbot.

Wenn der Shillbot in einem Forum erneut einen Kommentar findet, in dem Obama kritisiert wird, kann er sich als menschlicher Nutzer ausgeben und die vorher gespeicherte Antwort posten. Der automatische Kommentar des Shillbot wirkt echt, denn er ist von Menschen entwickelt. Dadurch wird die Diskussion manipuliert. Die regierungstreue Seite in der Diskussion wird um ein Vielfaches verstärkt.

Auch in Deutschland ist die Entwicklung solcher zur Manipulation geeigneten Technologien bereits weit fortgeschritten, wie Franziskus Geeb belegen kann.

In der Community sind die auch Chatbot genannten Roboter heftig diskutiert. So schreibt Franzikus Geeb in seiner interessanten Abhandlung über das Wesen dieser Maschinen mit menschlichem Flair:

Chatbots sind nicht zuletzt in ihrer moralischen, ethischen und rechtlichen Konsequenz umstritten. So wird teilweise belegt, dass die anthropomorphe Metapher durch diese starke Personalisierung eines Maschineninterfaces beim Benutzer zu hohe Erwartungen in der Kommunikation/Interaktion mit der Maschine hervorruft. Es wird konstatiert, die Einführung menschlicher Züge in das Maschineninterface sei für Kommunikationszweck schädlich. Zudem sei es dem Benutzer durch die Verwendung eines Chatbot nicht möglich, die Reaktion der Maschine vorherzusagen oder mehrfach erneut exakt abzurufen, worin ein erhebliches Usabilityproblem besteht.

Anmerkung in eigener Sache: Angesichts der vielen kritischen Kommentare auf den DWN gehen wir davon aus, dass sich solche Shillbots bei den DWN noch nicht durchgesetzt haben, und wenn es sie gibt: Sie befinden sich deutlich in der Minderheit. Das mag damit zusammenhängen, dass Angela Merkel das Internet erst vor wenigen Wochen noch als Neuland bezeichnet hat.

Die Banken haben die Chats inzwischen für Trader verboten (hier). Gut möglich, dass sich mittlerweile Shillbots miteinander austauschen. Das würde die irrationale Entwicklung der Börsen-Kurse erklären.


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Frankreichs Staatspräsident Macron beginnt Staatsbesuch in Deutschland
26.05.2024

Das Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland wird oft und gerne gelobt. Erstaunlich ist da schon, dass der letzte richtige...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutschlands Kapitalmarkt: Hemmnis für die Finanzierung der Zukunft
26.05.2024

Die heimischen Kapitalmärkte spielen als Finanzierungsquelle deutscher Unternehmen eine untergeordnete Rolle – Bankkredite dominieren...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Europas Herausforderung für die geo-ökonomische Wettbewerbsfähigkeit
26.05.2024

Ökonomen neigen dazu, sich nicht allzu viele Gedanken über die internationale Wettbewerbsfähigkeit eines Landes zu machen....

DWN
Finanzen
Finanzen Service: So vermeiden Sie teure Fehler beim Berliner Testament
26.05.2024

Die Zukunft stets im Blick behalten und optimal vorsorgen. Wenn Sie Ihren Nachlass planen, kann das sogenannte Berliner Testament eine...

DWN
Panorama
Panorama Jubiläum eines Kultkastens: Die rote Telefonzelle wird 100 Jahre alt
26.05.2024

In Deutschland sind sie rar geworden, in England auch. Immerhin gibt es noch hie und da einen der nostalgischen Häuschen. Ein Foto in der...

DWN
Politik
Politik Präsidentschafts-Wahlen in Amerika: Wie Robert F. Kennedy das Rennen aufwirbelt
26.05.2024

Es gibt bei der Präsidentschaftswahl in den USA am 5. November nicht nur Blau gegen Rot, Esel oder Elefanten, Demokaten gegen...

DWN
Politik
Politik Zweiter Teil des DWN-Interviews: Deutsche Offiziere haben Warnungen ignoriert
26.05.2024

In dieser Fortsetzung des Gesprächs mit dem norwegischen Militärexperten Tor Ivar Strømmen (von gestern) erfahren Sie, warum deutsche...

DWN
Technologie
Technologie Künstliche Intelligenz auf Obstplantagen: Schädlinge besser erkennen
26.05.2024

Die Künstliche Intelligenz (KI) erobert immer mehr Bereiche der Wirtschaft. Selbst in der Landwirtschaft könnten Anwendungen in Zukunft...