Boehringer: Wir fordern Transparenz über das deutsche Gold

 

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13.01.2014 00:53
Peter Boehringer von der Bürgerinitiative „Holt unser Gold heim“ fordert Transparenz von der Deutschen Bundesbank. Die Bürger müssten endlich erfahren, was mit dem deutschen Gold geschehen ist. Doch die Bundesbank setzt auf absolute Geheimhaltung. Das Vertrauen in die Ehrlichkeit der großen Zentralbanken der Welt steht auf dem Spiel.

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Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wie schätzen Sie die widersprüchlichen Aussagen der Bundesbank im Zusammenhang mit der Heimholung des deutschen Goldes ein? Kann so etwas kurz vor Weihnachten versehentlich geschehen?

Peter Boehringer: Versehen können immer passieren. Aber eine wichtige Meldung („Repatriierung von 37 Tonnen Gold“) ausgerechnet am 23.12. und ausgerechnet per Bild-Zeitung verlautbaren zu lassen, ist sicher ungewöhnlich. Zumal in der Bild-Meldung Unschärfen und Auslassungen vorliegen (etwa zu genauem Ort und Zeitpunkt der Umschmelzungen von Barren sowie zu den genauen Tonnagen und zur genauen Herkunft der nun nach Deutschland zurückgeholten Ware - Paris und New York). Unschärfen, die eine offizielle Pressemitteilung der Bundesbank sicher vermieden hätte. Dasselbe dann erneut bei der wiederum nicht per Pressemitteilung, sondern per Wirtschaftswoche-Artikel (am 7.1.) verbreiteten teilweisen Abänderung der BILD-Meldung durch die Bundesbank.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Das Vorgehen der Bundesbank ist komplett intransparent. Wer von den Verantwortlichen ist wirklich informiert? Warum werden die Informationen geheim gehalten?

Peter Boehringer: Leider ist für alle Außenstehenden nicht einmal transparent, ob und ggf. welche Bundesbank-Verantwortliche über was informiert sind. Angeblich gab es vor Monaten eine (nie näher erläuterte) „Inspektion“ der deutschen Barren bei der Fed durch Bundesbank-Mitarbeiter – übrigens nach 50 Jahren erstmals überhaupt. Auch sei Jens Weidmann im Dezember 2013 bei einer Visite bei der Fed gewesen und habe sich (irgendwie, nie näher erläutert) das Gold zeigen lassen.

Und angeblich gibt es vollständige Barrenlisten an allen Lagerorten. Doch nie wurde je eine dieser Listen veröffentlicht. Nie ein Prüfungsreport. Nie irgendwelche Details – obwohl diese keineswegs alle „sicherheitsrelevant“ wären, wie uns immer wieder erklärt wird. Sogar Nummern-Listen nunmehr ganz offiziell per Einschmelzung vernichteter Barren werden nicht bekanntgegeben. Von einem physisch anhand der ausländischen Barrenlisten durchgeführten Vollaudit ganz zu schweigen.

Wir können uns nicht einmal vorstellen, dass die Bundesbank den genauen physischen Status ihrer Auslandsbarren vollständig kennen KANN, da die Fed selbst seit 60 Jahren (!) keinen offiziellen Audit ihrer Goldtresore durchgeführt hat bzw. seitdem jedenfalls fast immer akribisch Externe oder gar Journalisten außen vor gehalten hat. Ebenso die Banque de France oder die Bank of England. Und wenn es Ausnahmen gab – so waren diese „Touristen-Events“ in den Fed-Tresoren niemals Vollaudits mit physischer Bewegung der z.T. seit Jahrzehnten unbewegten Barren.

Hinzu kommt, dass ein sauberer Audit auch mögliche Doppeleigentümerschaften und (buchhalterische) Entleihungen der Ware mit hätte umfassen müssen. Von all dem wurde niemals etwas berichtet. Vermutlich gab es bei keiner der drei „Partnerbanken“ der Bundesbank je einen umfassenden Audit durch Bundesbank-eigene oder deutsche externe Prüfer. Und falls es diese doch gegeben haben sollte, hätten die deutschen Bürger (als Eigentümer) ein Anrecht auf akribische Veröffentlichung und Erläuterung aller Inventur-, Listen-, Hersteller-, Umschmelzungs- und Prozessdetails. Sowie auf umfassende Foto- und Videodokumentation und auf ein personalisiertes und haftungsrelevantes Testat eines vereidigten Wirtschaftsprüfers.

Wir können und wollen nicht spekulieren, warum all diese Informationen ohne jede erkennbare Not geheim gehalten werden. Die von der Bundesbank implizit gegebene Antwort „Es geht euch nichts an“ akzeptieren wir nach Jahrzehnten des Fragens nun nicht mehr.

Leider haben weder der Bundesrechnungshof noch einige „Wir-kümmern-uns“-MdBs, die sich 2012 per mitfliegendem BILD-Fotoreporter wählerwirksam zusammen mit Fed-Portiers an der Fed-Eingangstür (ungleich Tresortür!) haben ablichten lassen, seitdem je eine ihrer schönen Forderungen nach Transparenz und Heimholung bei der Bundesbank nachgehalten! Case closed – aber noch nicht für uns.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Halten Sie es für möglich, dass die Bundesbank entgegen der eigenen Äußerungen lediglich die Echtheit der Barren prüfen wollte? Muss man die Barren dazu einschmelzen?

Peter Boehringer: Vermutlich wird dies die Antwort der Bundesbank sein, wenn erst die dubiose Aussage „Wir wollten LGD-Feinheit erlangen“ als Erklärung nicht mehr ausreicht. Es gab ja sogar im Oktober 2012 die Ankündigung der Bundesbank, 2013-2015 pro Jahr jeweils 50 Tonnen zurückzuholen, was offenbar schon im ERSTEN Jahr dieses Zeitraums nicht möglich war: Weder quantitativ (37 statt 50 Tonnen) noch qualitativ (warum sonst zuerst Umschmelzung, dann erst Prüfung?).

Und ja, man kann Barren natürlich auch ohne vollständige Einschmelzung prüfen: entweder per einfacher Stichprobe und/oder per Röntgenfluoreszenzanalyse, Stromleitfähigkeitsanalyse, Säuretest oder Ultraschallmessgerät (bei Profis sehr gebräuchlich).

Aber auch die Erklärung „LGD“ muss unbedingt plausibilisiert werden: Welches Material kam in welcher genauen Form und Reinheit von welchem Lagerort? War dies genau das Material, das die Bundesbank 1951-1967 eingekauft hatte? Welche Barrennummern waren dies genau? Falls es anderes/jüngeres Material war: Warum und wann wurde noch nach Abschluss der Käufe 1967 (Blessing-Brief) ein Umtausch der Ware vollzogen? Fragen über Fragen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sie fordern die Rückführung des gesamten deutschen Goldes. Gehen Sie davon aus, dass das Gold noch in New York ist? Warum dauert der Prozess so lange?

Peter Boehringer: Wir gehen hier von gar nichts aus. Die Bundesbank sagt seit Jahren, sie habe „keinen Anlass, an der vollen Integrität ihrer Partnerbanken zu zweifeln“. Also glauben wir das (wohl wissend, dass man das auch anders sehen kann).

Aber die Zweifel wachsen, wenn schon die ERSTE Tranche über poplige 37 Tonnen (also nur 1,6% des heimzuholenden Auslandbestands) nicht ohne Widersprüche und erhebliche Unklarheiten bzw. Intransparenzen durchführbar war. Wie soll dies dann erst bei WEITEREN Lieferungen werden? Ob alles wirklich in Originalform da war und ist, werden wir erst nach der letzten, hoffentlich dann sauber dokumentierten Lieferung erfahren. Beim aktuellen Tempo wäre das etwa im Jahre 2076.

Zudem ist unabhängig hiervon selbstredend von der Bundesbank eine saubere und öffentliche Inventur auch des IN DEUTSCHLAND gelagerten Goldes einzufordern. Auch beim hiesigen Gold warten wir bislang vergebens auf die Veröffentlichung der von uns schon 2011 eingeforderten Barrenlisten. Und/oder auf ein belastbares Testat eines unabhängigen Wirtschaftsprüfers nach erfolgter physischer Vollinventarisierung – gleichzeitig an allen deutschen Standorten. Das Testat muss zugleich einen Nachweis enthalten, dass die Bundesbank das EXKLUSIVE Eigentums-Recht auf diese Barren hat (keine buchhalterischen Mehrfachansprüche auf ein und dieselben Barren)!

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Was würde passieren, wenn die Bundesbank erklären würde, dass das deutsche Gold nicht mehr in New York ist? Welche Konsequenzen hätte dies für Deutschland und für die Welt?

Peter Boehringer: Nun, wir sprechen bei 1.500 Tonnen in New York und bei weiteren 800 Tonnen in London und Paris immerhin von knapp einer Weltjahresproduktion aller Minen und von über 10 Prozent der geschätzten Gesamt-Goldbestände westlicher Zentralbanken. Und wir sprechen von sehr knappem PHYSISCHEN Material: Im etwa einhundert Mal größeren PAPIERgoldmarkt wäre das zwar eine sehr geringe Menge: Merrill Lynch etwa verkaufte am 12.4.13 in wenigen Minuten 124 Tonnen Papiergold (!).

Aber in Zeiten, in denen der Bundesbank offenbar bereits die (Wieder-)Beschaffung von nicht einmal 50 physischen eigenen Tonnen in einem Jahr Schwierigkeiten bereitet und in denen Indien zur Erhaltung eines Angebots-Nachfrage-Gleichgewichts mit massivsten administrativen Maßnahmen die physische Nachfrage um 80 Prozent abwürgen musste, wären 2.300 Tonnen physischer Fehlbestand im offenen Markt rein markttechnisch ENORM viel.

NOCH wichtiger wäre allerdings der Vertrauensverlust der Welt sowohl in die Existenz des (physischen, unverliehenen) Goldbestands der Zentralbanken, als auch in die Vertrauenswürdigkeit der Fed und der USA. Wir überlassen es der Phantasie Ihrer Leser, sich auszumalen, was dies einerseits für den Goldpreis; andererseits für den Dollar und übrigens auch für das betrügerische fractional reserve Papier-Falschgeldsystem insgesamt bedeuten würde.

Doch all dies sind keine Spekulationen, die wir uns als Bürgerinitiative erlauben. Wir erlauben uns lediglich wichtigste und absolut angebrachte FRAGEN an die Bundesbank als Treuhänderin des zweitgrößten Goldhortes der Welt zu stellen. Ihre Frage nach möglichen Konsequenzen der Aufdeckung von Unstimmigkeiten geht allerdings in die richtige Richtung und könnte erklären, warum die Intransparenz bei weltweit allen Zentralbankgoldbeständen nun seit Jahrzehnten nicht aufzubrechen ist. In den USA natürlich ebenso – dort schon seit der letzten Inventur der US-eigenen Goldbestände unter Eisenhower 1953.

Peter Boehringer ist Vorstand der Deutsche Edelmetall-Gesellschaft e.V. und Co-Initiator der Bürgerinitiative „Holt unser Gold heim“. Diese beteiligt sich nicht an unbelegbaren Behauptungen und Verschwörungstheorien, sondern fordert lediglich Transparenz von der Deutschen Bundesbank. Auf seinem höchst interessanten Blog berichtet Boehringer regelmäßig auch über das seit vielen Jahrzehnten weitestgehend im Ausland gelagerte deutsche Gold.


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