Finanzen

Riskante Finanzdeals: JPMorgan verklagt Berliner Verkehrsbetriebe

200 Millionen Dollar will die US-Großbank von der BVG. Um Steuern zu sparen, hatten sich die Berliner Verkehrsbetriebe auf Geschäfte mit JP Morgan eingelassen und sich verspekuliert. Doch statt die Verluste zu begleichen, will die BVG ihrerseits umgerechnet etwa 150 Millionen Euro von ihrer Kanzlei wegen schlechter Beratung.
14.01.2014 11:33
Lesezeit: 1 min

In London hat am Montag der Prozess von JP Morgan gegen die Berliner Verkehrsbetriebe vor dem High Court begonnen. Thema des Streits ist ein noch vor der Finanzkrise abgeschlossener Deal zwischen den beiden. Dabei geht es unter anderem um Kreditausfallversicherungen (CDO) – die meist als hochriskante Wetten gewertet werden. Der Fall sorgt nicht nur in Berlin für Aufsehen. Schließlich handelt es sich hier um den ersten einer Reihe erwarteter Rechtsstreitigkeiten, in dem eine öffentliche, europäische Behörde noch vor der Kreditklemme komplexe Finanzprodukte genutzt hatte.

Steuern sparen

Insgesamt 22 Verträge schloss die BVG mit JP Morgan zwischen 1997 und 2002. Um Steuern zu sparen, übernahm JP Morgan 427 U-Bahn- und 511 Straßenbahnwagen von den Berliner Verkehrsbetrieben. Gleichzeitig leaste die BVG diese Wagen aber, um sie selber weiter nutzen zu können. Die Laufzeiten dafür lagen zwischen 12 und 30 Jahren. Damit nutzten beide ein Schlupfloch im US-Steuersystem und JP Morgan beteiligte die BVG daran. Bis 2008 verschaffte dies der BVG einen Vorteil von 104 Millionen Euro, so die Berliner Zeitung. Allerdings war dies nur ein Teil des Finanzdeals.

Hochriskantes Geschäft

So soll die BVG mit JP Morgan vereinbart haben, der US-Bank 220 Millionen Dollar zu zahlen, falls bestimmte Drittunternehmen in Zahlungsverzug geraten sollten, berichtet die FT. Von 150 Unternehmen und Banken ist die Rede. Für diese Absicherung hatte JP Morgan der BVG 7,8 Millionen Dollar gezahlt. Nach der Finanzkrise 2008 gerieten tatsächlich einige der Drittunternehmen in Zahlungsverzug. Die BVG weigerte sich jedoch, die Forderungen JP Morgans zu erfüllen. Stattdessen zog die BVG die deutsche Partnergesellschaft der Clifford Chance Kanzlei mit in das Verfahren vor dem High Court hinein. Sie wirft dieser vor, sie schlecht beraten zu haben.

Sarrazin versagte bei Aufsicht

Der Deal kam unter Regie Thilo Sarrazins zustande. Dieser war zu der Zeit Aufsichtsratsvorsitzender der Berliner Verkehrsbetriebe. „Damals war die Welt noch eine andere", zitiert die Welt Sarrazin bereits 2008 zu den Geschäften mit JP Morgan. Aus der Vorlage für den Aufsichtsrat seien die wahren Risiken nicht ersichtlich gewesen.

Die Berliner Verkehrsbetriebe sind jedoch nicht die einzigen, die diverse hochriskante Geschäfte eingegangen sind. Brandenburg investierte in zypriotische Anleihen (hier). Die Stadt Pforzheim verspekulierte sich erst mit einem Finanzprodukt der Deutschen Bank und wurde anschließend von JP Morgan über den Tisch gezogen (mehr bei den DMN).

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Politik
Politik Friedensgespräche: Putin und Selenskyj – weshalb die Gegner nicht zusammenfinden
29.08.2025

Die Erwartungen an neue Friedensgespräche zwischen Putin und Selenskyj sind groß, doch Hindernisse bleiben massiv. Misstrauen,...

DWN
Finanzen
Finanzen BYD-Aktie bricht ein: Gewinnserie beim chinesischen E-Autobauer reißt – Preiskrieg belastet den Marktführer
29.08.2025

BYD legt Halbjahreszahlen vor – und überrascht mit einem Rekordumsatz, aber auch dem ersten Gewinneinbruch seit Jahren. Anleger fragen...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Drohnen-Start-up aus Bayern: Donaustahl erhöht Tempo bei Produktion und Finanzierung
29.08.2025

Das Drohnen-Start-up Donaustahl hat seinen Umsatz 2024 verdoppelt und will ab 2026 in Bayern eigene Drohnenmotoren fertigen. Rückenwind...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungslos trotz Job: Wohnungsnot betrifft in Deutschland zunehmend Erwerbstätige
29.08.2025

Die Wohnungslosenzahlen steigen in Deutschland rasant: 474.700 Menschen gelten aktuell als wohnungslos – das sind 8 Prozent mehr als...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflationsrate klettert auf 2,2 Prozent: "Inflation ist hartnäckiger als gedacht"
29.08.2025

Die Inflation in Deutschland bleibt ein zentrales Thema: Verbraucherpreise steigen, Kaufkraft sinkt und Ökonomen warnen vor anhaltender...

DWN
Politik
Politik Russland: Angriff auf Ukraine zerstört Hoffnung auf Friedensgespräche
29.08.2025

Ein russischer Luftangriff erschüttert die fragile Hoffnung auf Frieden im Ukraine-Krieg. Während in Kiew zahlreiche Opfer beklagt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zwischen Kontrolle und völliger Freiheit: Welcher Führungsstil ist vorteilhafter?
29.08.2025

In Zeiten, in denen Gehälter immer seltener das entscheidende Kriterium im Wettbewerb um Arbeitskräfte sind, müssen Arbeitgeber etwas...

DWN
Technologie
Technologie DKB-Störung: Kunden bundesweit vom Online-Banking und der App abgeschnitten
29.08.2025

Die Deutsche Kreditbank kämpft aktuell mit einer massiven Störung. Weder Login noch Überweisungen funktionieren zuverlässig – Kunden...