Crash-Gefahr: Europas Banken fehlen 770 Milliarden Euro

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
20.01.2014 00:10
Europas Banken sind weitaus schlechter aufgestellt, als die Verantwortlichen gerne behaupten. In Deutschland, Frankreich un Italien gibt es ähnliche Crash-Kandidaten, wie eine Studie ermittelt hat. Finanzkreise rechnen mit mindestens einer großen Banken-Pleite in den kommenden Monaten.
Crash-Gefahr: Europas Banken fehlen 770 Milliarden Euro


Die Banken im Euroraum benötigen einer Studie zufolge hunderte Milliarden Euro zusätzliches Eigenkapital, um gegen Finanzkrisen gerüstet zu sein. Darunter befinden sich deutsche, italienische und französische Banken. Nicht auszuschließen ist, dass die Banken erneut die Hilfe ihrer Staaten benötigen.

Demnach müssen sich die Steuerzahler auf weitere Banken-Rettungen einstellen. Das Problem: Die Staaten sind selbst pleite - und können im Grunde überhaupt keine Banken mehr retten, schon gar nicht in dieser Größenordnung.

In Banken-Kreisen wird, wie die Deutschen Wirtschafts Nachrichten erfuhren, mit mindestens einer großen Banken-Pleite in Europa gerechnet - und zwar noch in diesem Jahr. Die Banken hätten zwar einige Risiken abwälzen können, doch Bilanz-Korrekturen, wie die EZB sie fordert, könnten nicht innerhalb dieser kurzen Zeit realisiert werden, heißt es in Frankfurt.

Nach einer Analyse von Sascha Steffen, Professor an der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin, fehlen deutschen, italienischen und französischen Banken rund 770 Milliarden Euro Eigenkapital, um bei Finanzkrisen zu bestehen.

Demnach wurden 109 der 124 Banken, deren Daten öffentlich verfügbar sind und die in Kürze unter Leitung der EZB einem Banken-Stresstest unterzogen werden, von Professor Steffen und seinem US-amerikanischen Kollegen Viral Acharya untersucht (hier).

Das Ergebnis fällt ernüchternd aus. Französische Banken weisen mit 285 Milliarden Euro die größten Kapitallücken auf. Dies sei sowohl an absoluten Werten wie auch am Bruttoinlandsprodukt gemessen, berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Doch auch für deutsche Banken werden nach der Studie enorme Kapitalbedarfe in Höhe von 200 Milliarden Euro erwartet, hier insbesondere bei den Landesbanken, deren Bilanzen mit „überdurchschnittlichen“ vielen faulen Wertpapieren, insbesondere bei Schiffsfinanzierungen belastet seien.

In der Vergangenheit machte hierbei besonders die Landesbank HSH Nordbank von sich reden. Bereits 2009 hatte die HSH Kapitalspritzen von den Ländern erhalten und bis zu 30 Milliarden Euro aus dem Finanzmarktstabilisierungsfonds SoFFin (hier). Zur Lösung des Problems arbeiteten die für die HSH verantwortlichen Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein an einer Aufstockung des bereits bestehenden Garantierahmens um drei Milliarden Euro. Ursache waren vor allem die in der Vergangenheit ausgegebenen Kredite zur Finanzierung von Schiffen.

Dennoch sind noch bei weitem nicht alle Risiken in den deutschen Banken ausgemacht. Denn zur Frage der Risikobewertung der Bankbilanzen gehört beispielsweise bei der HSH Nordbank, dass 27 Milliarden Kredite für Schiffskredite ausgereicht wurden, ebenso bei der Commerzbank, die 18 Milliarden Euro und die Nord-LB, die ebenfalls 18 Milliarden Euro an Krediten für die krisengeschüttelten Reeder ausreichten (mehr dazu hier).

Die von Professor Steffen bekannt gemacht Studie besagt, dass sehr schwache Banken wie auf Zypern oder in Belgien und in den Niederlanden, wie auch spanische und italienische Banken weiterhin Kapitalhilfen ihrer Länder benötigen werden.

In Italien benötigt die Traditionsbank Monte dei Paschi derzeit dringend Kapital für ihre Sanierung. Eine Pleite würde das gesamte italienische Banken-System in Gefahr bringen. Die Bank hatte in den vergangenen zwei Jahren fast acht Milliarden Euro Verlust geschrieben. Die italienische Regierung stützt das Institut mit 4,1 Milliarden Euro. Darüber hinaus benötigt Monte dei Paschi derzeit eine Kapitalaufstockung von drei Milliarden Euro, (mehr dazu hier).

Professor Steffen rechnet damit, dass deutsche Banken mit bis zu 20 Prozent der benötigten Summen (ausgehend von 200 Milliarden Euro) vom Steuerzahler bezuschusst werden müssen.

Auch bestehe seiner Ansicht nach die Gefahr, dass vor allem Deutschland und Frankreich ihren Einfluss bei der EZB hinsichtlich der Ausgestaltung des Stresstests geltend machen werden, „um zu verhindern, dass die Schwächen der eigenen Banken bekannt werden". Hierbei bezieht sich Steffen auf den Fakt, dass die in den Bankenbilanzen vorhandenen Staatsanleihen bisher keinerlei Risikobewertung unterliegen.

Sowohl die EZB als auch die EU-Kommission schweigen sich über diese Frage noch immer aus. In den Bestimmungen der Bilanzierungsvorschriften werden Staatsanleihen als risikolos bewertet und müssen nicht mit Eigenkapital unterlegt werden, was Bundesbankpräsident Jens Weidmann seit längerem beanstandet und als „Illusion der Risikolosigkeit“ kritisiert.



DWN
Politik
Politik Gegen Iran und Türkei: Arabische Liga will Syrien wieder als Mitglied aufnehmen

Die Arabische Liga plant, Syrien erneut als Mitglied aufzunehmen. Der Schritt richtet sich eindeutig gegen die Türkei und den Iran. Die...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundesamt arbeitet an Notfall-Kochbuch für lange Stromausfälle und Wassermangel

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe entwickelt derzeit ein Kochbuch mit Rezepten, welche ohne Strom und...

DWN
Finanzen
Finanzen Coronavirus: Der „Schwarze Schwan“ für Deutschlands Industrie ist gelandet

Das Coronavirus wird die deutsche Industrie schwer treffen. Der „Schwarze Schwan“ landet ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, in dem die...

DWN
Politik
Politik Armee geht das Benzin aus: Soldaten in Venezuela müssen Panzer zur nächsten Tankstelle schieben

Venezuela hat am Wochenende ein groß angelegtes Militärmanöver durchgeführt.

DWN
Deutschland
Deutschland Insider: Merkel macht Druck, drängt Autobauer in die E-Mobilität

Berichten zufolge hat Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Treffen mit den Vorstandsvorsitzenden der deutschen Autobauer anberaumt. Der...

DWN
Finanzen
Finanzen Coronavirus: Hapag-Lloyd reduziert Fahrten nach China, Hamburg Süd ist kaum betroffen

Die beiden Hamburger Reedereien Hamburg Süd und Hapag-Lloyd spüren derzeit noch keine gravierenden Auswirkungen des Coronavirus auf ihr...

DWN
Finanzen
Finanzen Weltbank-Ökonom warnt: Neue Schuldenwelle wächst sich zum wirtschaftlichen Tsunami aus

Weltweit steigen die Schulden rapide an. Dies könnten eine wirtschaftliche "Tsunamiwelle" auslösen, warnt der Ökonom Kaushik Basu.

DWN
Deutschland
Deutschland Scholz, Warburg und „Cum Ex“: Hamburger SPD gerät vor Wahlen unter starken Druck

Nach Bekanntwerden eines Treffens zwischen Olaf Scholz und dem Chef der in der „Cum Ex“-Affäre verdächtigten Warburg Bank gerät die...

DWN
Technologie
Technologie Deutschlands gefährliche Wette auf den Beginn eines goldenen Elektro-Zeitalters

Deutschlands Automobilkonzerne entlassen zehntausende Mitarbeiter, um Milliarden in den Aufbau ihrer Elektrosparten zu stecken. Die Wette...

DWN
Politik
Politik Wieder Druck von der CDU? Kemmerich nun gegen Neuwahl in Thüringen

Thüringens Ministerpräsident Kemmerich sagt, dass er nun doch nicht mehr für eine zügige Neuwahl in Thüringen sei. Zuvor hatte er das...

DWN
Finanzen
Finanzen Dubai: Der glitzernde Schuldenturm im Wüstensand beginnt zu wanken

Ohne die Intervention des Schwesteremirats Abu Dhabi wäre Dubai schon 2008 bankrott gewesen. Noch täuscht die glitzernde Skyline über...

DWN
Finanzen
Finanzen Kahlschlag in London: Europas größte Bank streicht zehntausende Arbeitsplätze

Die Großbank HSBC streicht zehntausende Arbeitsplätze und will Milliarden einsparen. Es dürfte sich um Vorbereitungen für einen...

DWN
Finanzen
Finanzen Gericht: Russland muss 50 Milliarden Dollar an Yukos-Aktionäre zahlen

Ein Gericht in Den Haag hat entschieden, dass der russische Staat den Altaktionären des ehemaligen Energiekonzerns Yukos rund 50...

DWN
Politik
Politik US-Pharmakonzerne entwickeln Impfstoff gegen das Corona-Virus

Diverse US-Unternehmen arbeiten an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Corona-Virus. Sie hatten bereits während der Ebola-Krise...

celtra_fin_Interscroller