Herrschaft über das Risiko: Rating-Agenturen machen Weltpolitik

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 1 min
30.03.2014 00:07
Die großen Rating-Agenturen haben das weltweite Monopol über die Bewertung finanzieller Risiken. Auf diese Weise entscheiden sie darüber, welche Staaten und Firmen zu welchen Zinsen Kredite erhalten. Diese Macht wird von einer kleinen Gruppe genutzt, um sich auf Kosten der anderen zu bereichern und um politische Ziele durchzusetzen.
Herrschaft über das Risiko: Rating-Agenturen machen Weltpolitik

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Rating-Agenturen tun nicht das, was sie bis heute vorgeben zu tun. Sie erstellen keine objektiven Urteile über die Qualität von Finanzprodukten, weder bei Staatsanleihen noch bei privaten Anlagepapieren. Stattdessen greifen sie immer wieder in die Weltpolitik ein, im Interesse eingeweihter Banker und Politiker.

Beim Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 wurde dies besonders deutlich. Die Rating-Agenturen bewerteten damals praktisch wertlose Papiere bis kurz vor dem Crash mit Bestnoten. Sie sind mitverantwortlich für die Finanzkrise. Denn wie später herauskam, wussten sie genau, dass ihre Urteile viel zu positiv waren.

Im Jahr 2011 forderten die Rating-Agenturen von den Staaten Europas, sie sollten Sparmaßnahmen durchführen. Andernfalls werde ihre Kreditwürdigkeit herabgestuft. Die EU-Staaten folgten den Forderungen der Rating-Agenturen. Allerdings führten die Sparprogramme in einigen Staaten zu einem Einbruch der Wirtschaft, sodass sie letztlich doch herabgestuft wurden.

Derzeit greifen die Rating-Agenturen erneut in das Schicksal von Staaten ein. In Österreich hat Standard & Poor‘s den Plan zur Rettung der Hypo Alpe Adria auf Kosten künftiger Generationen unterstützt (mehr hier). Um ein Top-Rating zu behalten, muss der österreichische Staat sich massiv verschulden. Wegen der Erpressung durch die Rating-Agenturen wird die Staatsverschuldung Österreichs um zusätzlich 10 Prozentpunkte steigen.

Die aktuelle Gesetzeslage gibt den Rating-Agenturen ungeheure Macht über die globale Finanzwelt. Sie haben das Monopol über die Einstufung finanzieller Risiken.

Wenn eine Rating-Agentur bestimmte Derivate einer Bank mit AAA bewertet, dann kann die Bank diese Papiere ganz legal als Sicherheit für massive Kredite hinterlegen, die aus dem Nichts geschaffen werden. Die Bank macht enorme Profite, denn sie zahlt der Agentur dafür nur eine relativ kleine Gebühr.

Die großen Rating-Agenturen bereichern nicht nur die Banken. Sie spielen auch eine weltpolitische Rolle. Denn offenbar schätzen sie die finanziellen Risiken in den USA regelmäßig geringer ein, als etwa in den Schwellenländern.

So haben die USA bei Fitch und Moody’s ein AAA-Rating und bei S&P ein AA+. Neben den massiven Anleihekäufen durch die Federal Reserve (QE) ist dies einer der Gründe, warum der größte Schuldner der Geschichte noch immer relativ günstig Kredite erhält. China hingegen hat bei keiner der Agenturen ein Triple-A.

Bereits im Jahr 2011 sagte der damalige FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle dem Handelsblatt. „Ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien. Aber manchmal fällt es schwer, den Eindruck zu widerlegen, dass einige amerikanische Ratingagenturen und Fondsmanager gegen die Eurozone arbeiten.“

Derzeit arbeiten die Agenturen offenbar gegen Russland. Moody’s droht dem Land wegen der Ukraine-Krise mit dem Entzug seiner Bonitätsnote „Baa1“ (mehr hier).


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Wie die EU-Kommission den deutschen Mittelstand in eine neue Leibeigenschaft führt

Die Corona-Krise könnte sich als bedeutendste Bruchlinie in Wirtschaft und Gesellschaft seit dem Zweiten Weltkrieg herausstellen....

DWN
Politik
Politik Wer ein Interesse an der Bargeld-Abschaffung hat

Hinter dem Bestreben, Bargeld aus dem Zahlungsverkehr zu verbannen, steht eine durchaus heterogene Gemeinschaft mit Eigeninteressen.

DWN
Politik
Politik „Es ist zu früh, die Korken knallen zu lassen“: EU-Milliardenpaket hat zwei große Schwächen

Willem Buiter über die zwei großen Schwächen des EU-Rettungspakets.

DWN
Deutschland
Deutschland Wie Deutschland bei den E-Batterien gegen China aufrüstet

Deutschland hängt weit hinter China hinterher, wenn es um die E-Mobilität geht. Doch jetzt beginnt das Land, mit Milliarden-Förderungen...

DWN
Politik
Politik Wie das FBI US-Präsident Donald Trump mit Lügen stürzen wollte

Der ehemalige FBI-Chef Jamey Comey wollte Trump mit einer fingierten „Trump-Russland-Affäre“ stürzen. Um dieses Ziel zu erreichen,...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Wie die deutschen Einzelhändler beim Einsatz von KI international hinterher hinken

Die künstliche Intelligenz (KI) im Einzelhandel kommt weltweit voran, in Deutschland hingegen spielt sie weiterhin nur eine unterordnete...

DWN
Politik
Politik Gegen China: Deal zwischen Israel und VAE bildet Startschuss für „arabische Nato“

Das jüngste Friedensabkommen zwischen Jerusalem und Abu Dhabi zielt offenbar darauf ab, eine „arabische NATO“ gegen den Iran, aber...

DWN
Finanzen
Finanzen Tübinger Impfstoff-Firma CureVac sammelt bei US-Börsengang Millionen ein

Das Biotechunternehmen CureVac hat mit seinem Börsengang an der Nasdaq frisches Geld eingesammelt. Der von den Tübingern entwickelte...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft USA beschlagnahmen Rekordmenge an iranischem Öl auf Tankern

Die US-Behörden melden eine Rekord-Beschlagnahme von iranischem Öl auf vier Tankschiffen. Laut einer Erklärung beförderten die vier...

DWN
Finanzen
Finanzen Apple auf dem Weg zum 2-Billionen-Dollar-Konzern

In der Corona-Krise ist es Apple gelungen, sich zum teuersten Börsen-Unternehmen der Welt aufzuschwingen. Zuletzt wurde der Kurs auch...

DWN
Politik
Politik Finanz-Spekulanten wollen Türkei aus dem östlichen Mittelmeer vertreiben

Die türkische Lira ist einer alljährlichen Spekulanten-Attacke, die auf den Monat August fällt, ausgesetzt. Doch diesmal geht es nicht...

DWN
Politik
Politik Was bringt die Rettung des Bargelds, wenn es seinen Wert verliert?

Politiker aller politischen Richtungen bemühen sich darum, die scheinbar unaufhaltsam voranschreitende Abschaffung des Bargelds noch...

DWN
Deutschland
Deutschland IfW: Corona-Paket der Bundesregierung schadet der Wirtschaft

Ein erheblicher Teil des Konjunkturpakets der Bundesregierung gegen die Corona-Krise verursacht mehr Schaden als Nutzen, so das Kieler...

DWN
Politik
Politik Merkel verurteilt Festnahme von Demonstranten in Weissrussland

Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilt, dass in Weissrussland Demonstranten wegen der Teilnahme an Demonstrationen festgenommen wurden.

celtra_fin_Interscroller