Frankreichs Traum von einem schwachen Euro wird sich nicht erfüllen

 

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12.06.2014 14:56
Die Rettung der Euro-Zone durch niedrige Zinsen kann nicht gelingen. Alle Notenbanken der Welt drucken seit Jahren hemmungslos Geld. Die entscheidende Frage ist: Wer hat den längsten Atem?
Frankreichs Traum von einem schwachen Euro wird sich nicht erfüllen

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Der französische EZB-Direktor Coeure hofft, mit einer langfristigen Niedrigzinspolitik den Euro zu schwächen. Dass der Wechselkurs der Gemeinschaftswährung aber tatsächlich fällt, hängt davon ab, ob die Notenbanken in den USA und Großbritannien bald die Zinsen erhöhen. Doch die großen Zentralbanken Fed, EZB und Bank of England halten sich gegenseitig in einer Niedrigzinsfalle fest.

Allen ist klar: Null- und Negativzinsen werden die Wirtschaft in den europäischen Krisenstaaten nicht ankurbeln. Denn die Banken dort sind nach wie vor kaum bereit, dass von der EZB erhaltene billige Geld für Investitionskredite weiterzugeben. Zu gering erscheint ihnen die Bonität der meisten Unternehmen, zu groß erscheint ihnen das Risiko. Ohne Investitionen aber kein Aufschwung.

Daher dürfte sich die EZB-Strategie als Irrtum erweisen. Der französische EZB-Direktor Benoit Coeuré hofft zwar auf einen langfristigen Effekt: „Wir werden die Zinsen für einen extrem langen Zeitraum nahe bei Null lassen, wohingegen die USA und Großbritannien ab einem gewissen Zeitpunkt zurückkehren werden zu einem Zyklus von Zinserhöhungen“. Dadurch, so Coeuré weiter, könnte der zuletzt stark gestiegene Euro wieder gedrückt werden und damit auch der Exportwirtschaft Luft verschafft werden.

Coeuré geht von einer falschen Annahme aus: Die Anleger würden ihr Geld lieber in den USA oder Großbritannien bei höheren Zinsen anlegen. Dazu müssen sie aber ihre Euros in Dollar oder Pfund umtauschen. Das gestiegene Angebot an Euros und die gestiegene Nachfrage nach Dollar oder Pfund lässt dann den Eurokurs absacken. Wenn in der Folge amerikanische oder britische Importeure mehr Euros für ihre eigene Währung bekommen, werden europäische Waren für sie billiger und sie werden in der Eurozone mehr Waren einkaufen und in ihre Länder einführen.

Franzosen wie Coeure denken bei ihren Überlegungen auch an Profizocker mit ihren Carry-Trades. Bei Carry-Trades verschuldet man sich in einer Währung mit niedrigen Zinsen und legt das Geld in einer Währung mit hohen Zinsen an. Verschulden sich die Carry-Trader nun in Euro und legen das Geld z.B. in Dollar an, muss der Euro fallen. Und da Carry-Trades in der heutigen Finanzwelt ein erhebliches Ausmaß annehmen können, können sie den Wechselkurs massiv beeinflussen.

Tatsächlich lohnen sich die meisten Carry-Trades nur aufgrund der Wechselkursgewinne. Carry-Trader setzen also darauf, dass Lemminge ihnen folgen, dass viele Trader ebenfalls ihr Geld von einer Niedrigzinswährung in eine Hochzinswährung umschichten und dass so der Kurs der Hochzinswährung immer weiter steigt, während der der Niedrigzinswährung immer weiter fällt.

Diese ganzen Überlegungen Coeures haben nur einen großen Haken. Werden Amerikaner und Briten (und die Japan als weiterer wichtiger Handelspartner nicht zu vergessen) tatsächlich ihre Zinsen schnell und nennenswert erhöhen? Danach sieht es im Moment ganz und gar nicht aus.

Von Reuters befragte Experten erwarten im Durchschnitt, dass die US-amerikanische Fed erst im zweiten Halbjahr 2015 beginnen wird, ihren Leitzins zu erhöhen. Bis dahin soll er bei rekordniedrigen 0,25 Prozent bleiben. Und trotz eines kräftigen Wirtschaftsaufschwungs lassen auch die britischen Notenbanker der Bank of England keine Eile bei Zinserhöhungen erkennen. So meinte der britische Notenbankchef Mark Carney, die Wirtschaft des Inselstaates beginne gerade erst, sich von der weltweiten Finanzkrise zu erholen.

Es ist keine Frage, dass US-Amerikaner und Briten bei ihren Zinsentscheidungen neben der einheimischen Wirtschaftslage auch die Zinspolitik der EZB berücksichtigen – gerade auch, damit Carry-Trades keine Lawine an den Devisenmärkten auslösen können. Und so erschwert die Negativzinspolitik der Euro-Notenbank es der Fed und der Bank of England erheblich, die Zinsen zu erhöhen. Alle großen Notenbanken der Welt laufen Gefahr, sich gegenseitig für lange Zeit in der Niedrigzinsfalle festzuhalten. Für die Sparer ein extrem negatives Szenario.

Auch die Devisenmärkte glauben allem Anschein nach bislang an die große Niedrigzinsfalle. Denn der Euro konnte nach der Zinsentscheidung der EZB seinen Kurs gegenüber dem US-Dollar wie gegenüber dem britischen Pfund Sterling weitgehend halten.


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