Technologie

3D-Drucker macht aus alten Plastik-Flaschen Druckerpatronen

Lesezeit: 3 min
16.07.2014 00:34
Ein 3D-Drucker, der als Toner alte Plastikflaschen verwendet, soll noch dieses Jahr in den Handel kommen. Der Ekocycle Cube macht aus dem Plastik-Müll Handyhüllen, Blumenvasen oder Armreifen. Der Recycling-Anteil des Materials liegt noch bei einem Viertel, soll aber langfristig steigen.
3D-Drucker macht aus alten Plastik-Flaschen Druckerpatronen

Die Idee ist ziemlich genial. Coca Cola ist für extrem viel Plastikmüll weltweit verantwortlich. Eine Menge Produkte aus dem Sortiment werden in Plastik abgefüllt. Und diese Plastikflaschen werden in vielen Ländern nicht recycelt, sondern einfach weggeworfen. Ein System wie unsere heimischen Pfandflaschen ist leider noch rar weltweit. Umso wichtiger ist es, mit einer derartigen Erfindung wie dem 3D-Drucker, den Müll sinnvoll weiterzuverarbeiten.

Wenn viele Länder das schon nicht machen, steht immerhin zukünftig diese Option jedem User selbst zur Verfügung. Vor allem die Umweltbelastung durch die Masse an PET-Flaschen könnte damit ein ein kleines bisschen reduziert werden. Voraussetzung dafür ist logischerweise, dass der neue 3D-Drucker mit dem Namen Ekocycle Cube auch bezahlbar und benutzerfreundlich ist.

Als Preise haben Coca Cola und 3DSystems bereits die $1.199 anvisiert. Wie viel eine Druckerpatrone kosten wird, ist noch nicht bestätigt worden. Fakt ist, 25 Prozent in jeder Patrone stammen von recycelten PET-Flaschen. Das Konzept funktioniert also zumindest zu einem Viertel als Recycler. Das bedeutet aber auch, dass in Zukunft noch höhere Anteile an der Druckerpatrone aus Recyclingmaterial stammen können. Mit entsprechender Forschung ist dies sicherlich umzusetzen.

Doch genau das führt zu dem entscheidenden Knackpunkt. Die Entwicklung wird nur weitergehen, wenn es ausreichend Nachfrage gibt und auch viele Druckerpackungen verbraucht werden. Der Erfolg ist dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit abhängig von den Einsatzmöglichkeiten des Ekocyckle Cube. Nur wenn die Anwender langfristig sinnvolle Gegenstände herstellen können, macht die Anschaffung überhaupt Sinn. Welche Zielgruppe zu Beginn angesprochen wird, ist deutlich zu erkennen. Der 3D-Drucker wird vor allem damit beworben, dass Benutzer ihre eigenen Handyhüllen drucken können.

Für die eigene Handyhülle sind der Preis von umgerechnet knapp 900 Euro doch wohl etwas zu stolz. Es kommt also darauf an, welche Funktionen der Ekocycle darüber hinaus bieten wird. In einem Video preist der Musiker [will.i.am] den Drucker an. Über die möglichen Kreationen wird jedoch nicht viel verraten. Ein paar Objekte werden gezeigt. Wie schnell der Eigenbedarf an Armreifen, Teelichtbehältern und Vasen gedeckt ist, kann jeder selbst entscheiden.

Es bleibt zu hoffen, dass 3DSystems und Coca Cola ihren Kunden freie Hand lassen und die Produktion nicht nur auf wenige Objekte beschränken. Auch wenn die Bedienbarkeit im Vordergrund stehen soll, erst mit dieser Option kann der Ekocycle erst zum Erfolg werden. Denn was nützen nur wenige Formen, die Kunden selbst drucken können? Es geht hier tatsächlich um Kreativität und das in Kombination mit Recycling.

Eigene Geschäftsideen erlaubt dieses Produkt natürlich auch. Besonders an ökologisch orientierte Kunden können Eigentümer des Ekocycle Eigenkreationen verkaufen. Ob das jetzt in Richtung Schmuck und eher Dekoration geht, bleibt jedem Künstler selbst überlassen. Es besteht aber durchaus die Chance mit diesem 3D-Drucker eine besondere Zielgruppe anzusprechen und seine Produkte zu verkaufen. Wichtig dafür wäre natürlich auch eine große Auswahl an Farben. Aktuell soll der Ekocycle mit vier Druckfarben zur Auswahl geliefert werden: Natur, Rot, Schwarz und Weiß.

Das Besondere an den gedruckten Gegenständen ist ihre Flexibilität. Das liegt an dem Material der PET-Flaschen. Dadurch sind die Druckerzeugnisse in gewissem Maße beweglich – ähnlich wie Plastikflaschen. Das wiederum bietet wieder deutlich mehr Spielraum für neue Ideen, die zu Hause produziert werden können.

Eine Frage die noch offen bleibt ist, wie ökologisch das restliche Druckermaterial ist. Wenn 25 Prozent aus Recycling bestehen, wäre es gut zu wissen, woher die restlichen 75 Prozent stammen. Denn nur weil alte Plastikflaschen wiederaufbereitet werden, muss das System noch lange nicht umweltfreundlich sein. Und es hängt nun einmal auch vom Anwender ab. Wenn aus dem ehemaligen Müll nur wieder neu Müll entsteht, ist dies wohl auch nicht im Sinne des Erfinders.

Die produzierten Drucke haben dennoch viele Möglichkeiten. Die maximale Seitenlänge eines 3D-Drucks kann laut 3DSystems und Coca Cola immerhin 15 cm umfassen. Zumindest die nächste Generation von Smartphones kann also durch den Ekocycle mit einer Hülle versorgt werden.

Ein positiver Recyclingansatz ist gemacht. Jetzt liegt es an der Benutzerfreundlichkeit und Kreativität der Anwender, ob der Ekocycle Cube zu einem Erfolg bei der 3D-Drucktechnik wird. Mit einem Preis von $1.199 kostet er rund doppelt so viel wie neue Smartphones. Trotzdem wird wohl bei vielen Technikfans das Herz höher schlagen, wenn der Ekocycle endlich ausgeliefert wird. Den genauen Zeitpunkt der Markteinführung lassen die Hersteller noch offen. Offiziell wird lediglich von der zweiten Jahreshälfte 2014 gesprochen.

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