Estland: E-Voting führt zu höherer Wahlbeteiligung

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
03.03.2015 00:04
Estland hat bereits zum dritten Mal Parlamentswahlen zur Online-Abstimmung angeboten. Der Anteil der E-Wähler macht fast ein Viertel der Stimmen aus. Die meisten Online-Wähler sind dabei in den Städten zu finden.
Estland: E-Voting führt zu höherer Wahlbeteiligung

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

In Estland haben die Bürger bereits zum dritten Mal die Möglichkeit genutzt, via Internet die Parlamentswahlen zu entscheiden. Der digitale Musterstaat hat den jüngsten Premierminister Europas, den 35-jährigen Taavi Roivas, im Amt bestätigt. Roivas führt die konservative Reform-Partei, die als westlich-orientiert gilt. Die Reform-Partei gewann 27,7 Prozent der Stimmen und liegt damit 3 Sitze vor der Zentrums-Partei, berichtet die estnische Online-Zeitung Delfi.

Estland ist das erste Land der Welt, das landesweite Parlamentswahlen digital anbietet, nunmehr seit zehn Jahren. Dafür wurde der Staat heftig kritisiert, insbesondere wegen der technischen Anfälligkeit des Online-Voting-Systems, das Experten für noch nicht ausgereift halten. Nicht nur ausländische Hackergruppen, sondern vor allem die Staaten selbst könnten etwa über Geheimdienste die Wahlergebnisse leicht manipulieren, so eine Analyse einer unabhängigen Expertengruppe.

Allerdings halten die Befürworter des Systems entgegen, dass die Alternative der Briefwahl potentiell genauso manipulationsanfällig sei. Papierstimmen könnten ebenso verschwinden oder gefälscht werden.

Um das System sicherer zu machen, hat Estland eigens eine digitale Staatsbürgerschaft eingeführt. Damit hat jeder Bürger die Möglichkeit, einen elektronischen Pass mit biometrischen Daten zu beantragen und sich damit online zu identifizieren, zu wählen und Verträge zu unterschreiben.

Ziel bei der Einführung war demnach, die allgemeine Wahlbeteiligung zu erhöhen, durch die zusätzliche Wahl-Möglichkeit bequem von Zuhause. Dies ist nur in geringem Maße gelungen: Die Wahlbeteiligung lag 2015 bei 64 Prozent und damit fast gleich wie 2011 bei 63,5 Prozent und 2007 bei gut 62 Prozent. Vor der Einführung der Online-Wahlen 2003 lag die Beteiligung noch bei 58,2.

Der Anteil der Online-Wähler wuchs beständig und bewegt sich inzwischen bei fast einem Viertel der Stimmen: Von den insgesamt 578.104 abgegebenen Stimmen kam also mehr jede Fünfte aus dem Netz, also nutzten 176.491 Esten die Möglichkeit des Elektronischen Abstimmens, ein neuer Rekord. 2011 bei den letzten Parlamentswahlen lag die Zahl noch bei 141.000 oder 24,3 Prozent der Wähler.

Das besondere dabei: Die E-Voter hatten vom 19. bis zum 25. Februar Zeit ihr Stimmen abzugeben und konnten dies auch bis zum offiziellen Wahltag am 1. März online verändern. Durch den längeren Zeitraum sollten noch mehr Menschen zum Wählen animiert werden.

Ob und wie sich die Online-Wahlen auf die Stimmverteilung auswirken, bleibt umstritten: Es gab Theorien in beide Richtungen, fasst eine Analyse von Professor Trechsler des European University Institut zusammen: Zum einen, dass Online-Wahlen eher Reiche und damit eher konservative Wähler bevorzugen, oder eher Junge und damit linke Wähler anziehen.

Was die Ergebnisse bisher gezeigt haben ist, dass die meisten Online-Wähler in den Städten zu finden sind, während ländliche Regionen mit weniger Internet-Zugang die niedrigsten Online-Wähler-Quoten aufweisen, so Statistiken vom estnischen Rundfunk EPB.


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Die Schulden-Blase platzt: Nun drohen weltweite Insolvenz-Kaskaden und neue Finanzkrisen

Geldgeber misstrauen zunehmend der Bonität vieler überschuldeter Unternehmen, was sich in steigenden Renditen am US-Anleihemarkt...

DWN
Finanzen
Finanzen Wegen Corona-Epidemie: Aktie von US-Pharmaunternehmen auf Höhenflug

Die Aktie eines bestimmten US-Pharmaunternehmens befindet sich im Kurs-Höhenflug. Das Unternehmen könnte alsbald einen Corona-Impfstoff...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Einbruch am Weltmarkt: Deutsche Autobauer stehen vor riesigen Verlusten

Der Pkw-Weltmarkt verzeichnet einen riesigen Einbruch. Besonders der chinesische Markt ist betroffen – für die deutschen Autobauer und...

DWN
Deutschland
Deutschland Die Fleischsteuer wird kommen: Deutsche, zurück zum Sonntagsbraten

Die Einführung einer Fleischsteuer ist mehr als wahrscheinlich. Künftig könnte bei vielen Deutschen - wie in früheren Zeiten - Fleisch...

DWN
Politik
Politik Flüchtlinge: Türkei öffnet Grenze, ein neuer Exodus nach Europa beginnt

Die Türkei hat die Grenze zur EU geöffnet. Ein neuer Flüchtlings-Exodus hat begonnen, doch die EU reagiert nicht. Währenddessen kommt...

DWN
Technologie
Technologie Ende der großen Auto-Messen kündigt sich an: Der „Internationalen Motor Show“ in Genf laufen die Aussteller davon

Der Niedergang der großen Automessen geht weiter – jetzt droht auch die „Internationale Motor Show“ in Genf zu einem Flop zu werden.

DWN
Politik
Politik Athen schließt Grenzübergang zur Türkei, Premier zeigt Härte

Griechenland hat am Freitag den Grenzübergang zur Türkei bei Kastanies/Pazarkule geschlossen. Griechenlands Regierungchef Kyriakos...

DWN
Deutschland
Deutschland Nahrungsmittelspreise steigen kräftig um 3,3 Prozent

Die deutsche Inflationsrate verharrt im Februar bei 1,7 Prozent. Doch Nahrungsmittel und Energie verteuerten sich überdurchschnittlich.

DWN
Politik
Politik Putin und Erdogan vereinbaren angeblich Zusammenarbeit in Syrien

Der türkische Präsident Erdoğan und sein russischer Amtskollege Putin haben vereinbart, die Kontakte zwischen ihren Verteidigungs- und...

DWN
Technologie
Technologie Künstlich intelligenter Roboter liefert Postsendungen aus

Die Anwendungsbereiche für Roboter werden immer vielfältiger. Nun hat Ford eine Maschine vorgestellt, die als Postbote fungieren kann.

DWN
Deutschland
Deutschland VW-Dieselfahrer bekommen bis zu 6.257 Euro Entschädigung

Im Streit über die Entschädigung von Dieselbesitzern hat man sich im zweiten Anlauf geeinigt. Demnach stellt VW eine Entschädigungssumme...

DWN
Politik
Politik Iran: Corona-Virus infiziert Staatsspitze, erster Politiker tot

Im Iran ist der ehemalige Botschafter im Vatikan an den Folgen des Corona-Virus gestorben. Zudem haben sich die Chefberaterin des...

DWN
Finanzen
Finanzen Dax wegen Pandemie-Angst im freien Fall

Die Furcht vor einer weltweiten Rezession als Folge des Coronavirus hat einen erneuten Ausverkauf am deutschen Aktienmarkt ausgelöst. Die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Russland verbietet Import von chinesischem Kaviar

Die russische Aufsichtsbehörden haben den Import von chinesischem Kaviar verboten.

celtra_fin_Interscroller