Wegen Negativ-Zinsen: Schweizer Pensions-Kassen flüchten ins Bargeld

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
31.03.2015 23:58
Die schweizerischen Pensionskassen wollen sich wegen der Negativ-Zinsen ihre Renten-Gelder von den Banken bar auszahlen zu lassen. Die Lagerung in Tresoren ist für die Pensionskassen billiger. Auch in Deutschland dürfte es bald Negativzinsen für größere Vermögen geben, die auch die Pensionskassen betreffen werden.
Wegen Negativ-Zinsen: Schweizer Pensions-Kassen flüchten ins Bargeld

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die schweizerischen Pensionskassen prüfen aufgrund der Negativ-Zinsen, Bargeld in Tresoren zu lagern. „Die Nationalbank verrechnet Strafzinsen von 0,75 Prozent. Das Lagern, der Transport und die Versicherung von Cash kostet hingegen nur rund 0,3 Prozent des Barbetrags“, berichtet Blick.ch unter Zitierung einer Meldung aus der NZZ am Sonntag. Es ist Pensionskassen gesetzlich nicht untersagt, Cash zu halten: „Wir sind mit mehreren institutionellen Kunden, darunter Pensionskassen wegen der Lagerung von Bargeld in Kontakt“, zitiert das Schweizer Fernsehen  SRF den Sprecher von Swiss Gold Safe, welches eines der größten schweizerischen Lagerfirmen für Bargeld ist, Ludwig Karl.

Wegen der Negativzinsen ist die Aufbewahrung von Bargeld bereits billiger als ein Bankkonto. Alle Banken müssen der Schweizerischen Nationalbank Strafzinsen von 0,75 Prozent für Einlagen zahlen. Die Banken geben diese Gebühren an die Kunden weiter. Die Lagerung in Tresoren, der Transport und die Versicherung von Bargeld kostet hingegen nur rund 0,3 Prozent des Barbetrags, hat der Blick errechnet.

Das Thema beschäftigt große institutionelle Anleger auch in Deutschland: Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten haben aus Bankenkreisen erfahren, dass auch in Deutschland hinter den Kulissen bereits über Negativzinsen für die Vermögen großer Anleger - also auch Pensionskassen - diskutiert wird. Es wird erwartet, dass solche Zinsen schon bald auf Bankbestände über 10 Millionen Euro erhoben werden könnten. Die Pensionskassen müssen jedoch aus Liquiditätsgründen flexibel sein, um die anstehenden Pensionen auszahlen zu können. Wegen der zahlreichen Baby-Boomer, die in den kommenden Jahren in die Rente gehen, wird dieser Bedarf noch steigen.

Zahlreiche deutsche Institute verlangen von großen Konzernen jetzt bereits Strafzinsen für größere Beträge - ein Dilemma für die Unternehmen, die aus rechtlichen Gründen gehalten sind, große Beträge im Unternehmen zu halten, um die Liquidität sicherzustellen.

Der Schweizer Pensionskassenverband ASIP hat einen Antrag bei der Nationalbank gestellt, wonach sie einen bestimmten Anteil ihrer Gelder zu einem Zinssatz von mindestens Null Prozent bei der Schweizerischen Nationalbank direkt lagern möchte. ASIP ist der Dachverband für 970 Vorsorge-Einrichtungen mit 2,5 Millionen Versicherten. Es verwaltet ein Vermögen in Höhe von 450 Milliarden Schweizer Franken. Das SRF zitiert aus dem Antrag: „Vor dem Hintergrund negativer Verfallsrenditen auf Bundesobligationen und der angekündigten Belastung negativer Zinsen von diversen Banken möchten wir beantragen, den schweizerischen Pensionskassen die Möglichkeit einzuräumen, ein Girokonto bei der SNB eröffnen zu können, das mindesten zu 0% verzinst wird“.

Allerdings ist unklar, ob auch alle Banken bereit sind, den Pensionskassen ihre Renten-Gelder in Bar auszuzahlen. Eine namentlich nicht genannte Bank soll nach Recherchen des SRF den Kassen die Auszahlung ihres Guthabens verweigert haben. Die Aushändigung derart hoher Summen in bar komme für das Finanz-Institut nicht in Frage. Um diese Entwicklung in den Griff zu bekommen, erwartet die Baader-Bank mittelfristig die Abschaffung des Bargelds in Europa. 

Die Folgen der tiefen Zinsen für Banken, Pensionskassen und Versicherungen müssten sorgfältig beobachtet werden, meldete vergangenen Woche der IWF. Die von der Regierung festgelegte Minimum-Verzinsung für Pensionskassen-Guthaben von derzeit 1,75 Prozent solle gesenkt werden.

Die Beratungsgesellschaft Towers Watson berichtete im Januar, dass seit der Aufgabe der Euro-Untergrenze 30 Milliarden von insgesamt 700 Milliarden Franken, die als Pensionskassen-Vermögen gehalten werden, durch Wertverluste vernichtet wurden.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..



DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektromobilität: In jedem Wandel stecken Chancen

Emissionen verringern, Kosten sparen und Imagegewinne erzielen – die Gründe für Unternehmen, in der Flotte auf Fahrzeuge mit...

DWN
Politik
Politik USA wütend: Vatikan will an Geheimabkommen mit China festhalten

Der Vatikan will an einem Geheimabkommen mit China festhalten. Doch die USA fordern vom Papst, dass dieser das Abkommen auslaufen lässt....

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Gazprom sieht bis Ende 2021 eine vollständige Erholung der Öl-Nachfrage

Nach einer Prognose von Gazprom soll sich die Ölnachfrage bis Ende des Jahres erholen.

DWN
Deutschland
Deutschland „Photovoltaik-Sozialismus“: Ausbau der Erneuerbaren Energien geht am Verbraucher vorbei

Ein Änderungsantrag zum EEG-Gesetzt verspricht Großes für die Zukunft, macht die Eigenversorgung mit Solarstrom aber unattraktiv. Aus...

DWN
Politik
Politik Bundesregierung plant Pflicht zu CO2-freiem Kerosin im Flugverkehr

Die Bundesregierung treibt den Klimakampf schneller voran, als von der EU vorgegeben. Einem Gesetzentwurf zufolge sollen bis 2030...

DWN
Deutschland
Deutschland Heute Klima-Demos: Spielen Corona-Abstandsregeln keine Rolle mehr?

Heute finden deutschlandweit Klima-Demos der Initiative „Fridays for Future“ statt. Umweltministerin Schulze sagte, sie sei...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutschlands Imker verzeichnen nur mittelmäßige Ernte

Deutschlands Imker haben dieses Jahr mit 34 Kilo Honig pro Volk nur eine mittelmäßige Honigernte einholen können.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Polen baut eigene Gasleitung, kappt die Verbindung mit Russland immer mehr

Was viele Länder schon seit langem versuchen, dürfte dem größten östlichen EU-Mitglied nun gelingen: Seine Abhängigkeit vom...

DWN
Politik
Politik Salafisten bewaffnen sich: Steuert die Türkei auf einen Bürgerkrieg zu?

Berichten zufolge sollen sich Salafisten-Gruppen in der Türkei für einen Bürgerkrieg bewaffnen.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Zuviel Bitcoin-Mining: Im Iran ist die Energie-Versorgung gefährdet

Die iranische Wirtschaft liegt am Boden – jetzt setzt sie auf Bitcoin. Doch das stellt ein großes Problem für die Energie-Versorgung...

DWN
Deutschland
Deutschland Gewerkschaft will Kontaktdaten von Restaurant-Besuchern digital erfassen

Die Kellner scheuen sich, die von ihren Gästen wegen Corona anzugebenden Kontaktdaten zu kontrollieren. Daher sollte nach Ansicht der...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Wahl: Goldman Sachs rechnet mit Dollar-Einbruch bei Sieg von Biden

Die US-Großbank Goldman Sachs meint, dass ein Wahlsieg Joe Bidens den Einbruch des US-Dollars beschleunigen würde.

DWN
Deutschland
Deutschland Verband: Wirtschaftliche Lage der Flughäfen spitzt sich zu

Die Flughäfen rechnen auch für die kommenden Jahre mit hohen Verlusten.

DWN
Politik
Politik Wenn im Mittelmeer ein Krieg ausbricht, ist Chinas Neue Seidenstraße tot - Teil 1

Chinas Neue Seidenstraße kann nur gelingen, wenn die Anrainer-Staaten im östlichen Mittelmeer sich vertragen. Doch im Moment stehen die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Corona: Millionen vom Hungertod bedroht, Armut nimmt dramatisch zu

Armut und Hunger werden aller Voraussicht nach durch Corona dramatisch zunehmen. Vor allem Kinder sind betroffen.

celtra_fin_Interscroller