Machtwechsel in Saudi-Arabien: Krieg als Mittel zur Erhaltung des Status Quo

 

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30.04.2015 02:24
Der saudi-arabische König Salman hat seinen Neffen zum Kronprinzen und seinen Sohn zum Vize-Kronprinzen ernannt. Außenminister wird der ehemalige saudi-arabische Botschafter in den USA, der enge Kontakte zur Obama-Administration pflegt. Saudi-Arabien fürchtet um seine Position im Nahen Osten und will die USA als Schutzpatron an sich binden.
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Der saudi-arabische König Salman bin Abdulaziz al-Saud hat seinen Neffen Mohammed bin Nayef al-Saud zum Kronprinzen und zum stellvertretenden Ministerpräsidenten ernannt. Damit ersetzt er Muqrin bin Abd al-Aziz.

Zudem ernannte König Salman seinen Sohn Prinz Mohammed bin Salman zum Vize-Kronprinzen. Sein Sohn trägt auch das Amt des Verteidigungsministers. Der 29-jährige Mohammed bin Salman spielt eine führende Rolle beim Krieg gegen die Houthi-Rebellen im Jemen, wo das Reich fürchtet, dass der Iran seinen Einfluss in der Region ausbauen könnte, berichtet die Financial Times.

„Diese Maßnahmen, insbesondere in Bezug auf den Kronprinzen, scheinen beispiellos zu sein“, sagt Hasan Askari Rizvi, ein pakistanischer Kommentator für Sicherheitsangelegenheiten. „Und sie kommen zu einem Zeitpunkt, an dem der Jemen-Krieg noch läuft. Offenbar gab es Meinungsverschiedenheiten darüber, wie man am besten mit dem Jemen-Konflikt umgeht“, so Rizvi.

König Salman hat auch den Außenminister Saud al-Faisal durch den saudi-arabischen Botschafter in den USA, Adel al-Jubair, ersetzt. Al-Jubair gilt als Diplomat mit sehr engen Beziehungen zur Obama-Administration. Seine Ernennung werde zu einer Vertiefung der Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien führen, berichtet das Middle East Eye.

Die Ernennungen stärken damit die Position der „Sudairi-Sieben“ - eine Gruppe von sieben Vollgeschwistern - und ihrer Nachkommen. Diese gelten als außenpolitische Hardliner, berichtet The Sydney Morning Herald. Zudem hat diese Gruppe eine klare pro-amerikanische Ausrichtung, meldet The Telegraph.

Saudi-Arabien bemerkt, dass der gesamte Nahe Osten kurz vor einer Neuordnung steht und stuft diese Entwicklung für seine territoriale Integrität und seinen Einfluss sein. Im Januar berichtete die Washington Post, dass die Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien in den vergangenen Jahren gestört waren, weil das Königshaus von der Obama-Regierung vergeblich ein hartes Durchgreifen in Syrien forderte. Die Saudi-Araber sahen in den Amerikanern „nicht sehr hilfreiche Freunde“.

Doch in den vergangenen Monaten verbesserten sich die Beziehungen. „Ich denke, dass die Bedrohung durch den IS beide Länder einander näher gebracht hat“, sagte ein hochrangiger US-Beamter der Washington Post. Denn der IS gilt neben den Rebellen im Jemen als Bedrohung für die innenpolitische Stabilität Saudi-Arabiens. Denn beide Gruppen haben Anhänger in dem Königreich. Allerdings brauchen die Saudi-Araber die Amerikaner insbesondere, wenn es um den Schutz der Öl-Anlagen und der Schiffs-Wege geht. Die USA dürfte sich erfreut über die neue Staatsspitze des Königreichs zeigen. Im Gegenzug für eine pro-amerikanische Staatsspitze fordern Saudi-Araber, dass Washington auch weiterhin als Schutzpatron des Königreichs agiert. Denn in Saudi-Arabien soll alles so bleiben, wie es ist.


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