Wegen Handy-Aufnahmen: Türkische Zivilpolizisten nehmen Journalisten fest

Am Jahrestag der Gezi-Proteste haben türkische Zivilpolizisten einen Journalisten der Zeitung Zaman vorübergehend festgenommen. Das Vergehen des Journalisten: Er wollte Aufnahmen mit seinem Handy machen.

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Der Journalist Emre Şencan wurde am vergangenen Wochenende von türkischen Zivilpolizisten vorübergehend festgenommen. (Screenshot)

Der Journalist Emre Şencan wurde am vergangenen Wochenende von türkischen Zivilpolizisten vorübergehend festgenommen. (Screenshot)

Am Sonntag haben in Istanbul türkische Zivilpolizisten den Journalisten der Zeitung Zaman, Emre Şencan, attackiert. Anlässlich des Jahrestags der Gezi-Proteste hatte der Journalist Video-Aufnahmen mit seinem Handy vornehmen wollen, berichtet die Zeitung Hürriyet. Im Zuge seiner Festnahme fragte Şencan nach den Namen der Polizisten. Einer der Beamten fragte zurück: „Und wem willst du unsere Namen geben? Den Amerikanern oder Fethullah Gülen?“

Die türkische Journalisten-Vereinigung TGC kritisierte die Festnahme scharf. Journalisten hätten schließlich die Pflicht, sich Informationen zu beschaffen.

Şencan sagte der Zeitung Yeni Asya, dass die Polizisten ausschließlich ihn derart behandelt hätten. Allen anderen Journalisten gegenüber seien sie zuvorkommend gewesen. „Als sie mitbekommen haben, dass ich von der Zeitung Zaman komme, ist ihr Verhalten besonders ekelhaft geworden“, so der Journalist.

Der Journalist wurde nicht in Untersuchungshaft genommen. Dazu erklärt er wörtlich: „Sie haben mich – obwohl ich wollte – ganz bewusst nicht in U-Haft genommen. Denn hätten sie das getan, hätten sie den Vorfall protokollieren müssen. Dann wäre die Unrechtmäßigkeit ihrer Handlung schriftlich erfasst worden. Denn eine andere Option gab es nicht. Sie haben mich eine halbe Stunde lang festgehalten und mir anschließend gesagt, dass ich ,abhauen´ soll.“

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