Bauer ohne Vieh: Aufmerksame Tiroler Behörde stoppt Goldman-Banker

Lesezeit: 1 min
07.06.2015 12:10
Der ehemalige Chef von Goldman Sachs, Alexander Dibelius, hat in Österreich versucht, mit offenkundig unzutreffenden Angaben eine idyllische Alm zu erwerben. Die zuständige Behörde kam dem Berater von Angela Merkel auf die Schliche und lehnte den Ankauf ab. Der Fall zeigt: Im realen Leben ist das Tricksen schwerer als im Investmentbanking.

Der ehemalige Deutschland-Chef von Goldman Sachs, Alexander Dibelius, ist in Österreich mit dem Ansinnen gescheitert, eine Alm zu kaufen. Wie die Tiroler Tageszeitung berichtet, versuchte Dibelius, der auch einer der wichtigsten Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Bank-Fragen war, in der Nähe von Kitzbühel eine besonders malerische Alm zu kaufen: Die „Kleinstockeralm“ samt Gebäude in Kirchberg.

Dibelius, der offenkundig einen erheblichen Teil seines Vermögens in Immobilien steckt, wollte über das Investment-Vehikel 2013 die Kleinstockeralm für eine halbe Million Euro kaufen. „Der vorhanden­e Stall des kombinierten Wohn-und Wirtschaftsgebäudes steht leer“, heißt in der Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts. Auf den Flächen weiden lediglich die Tiere eines Nachbarn als Lehnvieh.

Dies sei nicht der Sinn von Almen, beschied die zuständige Bezirkshauptmannschaft dem Goldman-Banker, und lehnte den Kauf 2014 ab. Dibelius ließ sich nicht beirren. Doch statt endlich ein paar Rinder anzuschaffen und sein Versprechen einzulösen, ging er gegen den Bescheid in Berufung. Nun hat auch das Landesverwaltungsgericht Tirol das Ansinnen abgelehnt. Dibelius kann nun noch vor dem österreichischen Verwaltungsgerichtshof klagen.

Der Fall zeigt beispielhaft, worin der Unterschied zwischen Investment-Banking und der realen Welt besteht: Die Investmentbanker arbeiten immer mit künstlichen Papieren, deren wahrer Wert nicht in einer Tatsache, sondern in einer Behauptung liegt. Ob allerdings eine Kuh in einem Stall steht, kann jede lokale Behörde überprüfen. Im Unterschied zu den verschiedenen Aufsichtsbehörden in der Finanzindustrie sind Bezirkshauptmannschaften vergleichsweise cool und lassen sich von großen Namen nicht beeindrucken. Die Gesetze können angewendet werden, weil es die reale Welt gibt, für die die Gesetze gemacht werden werden.

Die Finten der ausgebufften Banker scheitern in der echten Welt oft, weil Kuhmist im Unterschied zu Geld stinkt und daher mit Gewissheit festgestellt werden kann, ob einer gelogen hat oder nicht.



DWN
Unternehmen
Unternehmen Gewinne im Ausland verpulvert, Güterverkehr ein Fiasko: Experte wirft der Bahn schwere Verfehlungen vor

Die Bahn kommt nicht aus der Krise. Im DWN-Interview entwirft Deutschland Bahn-Experte Nummer eins, Christian Böttger, das erschütternde...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Ratsmitglied deutet erstmals Aktienkäufe durch die Zentralbank an

Erstmals hat ein Mitglied des EZB-Rats öffentlich die Möglichkeit angedeutet, dass die Zentralbank künftig auch Aktien in ihre Bilanz...

DWN
Politik
Politik Bolivien: Militärs gehen brutal gegen die indigene Bevölkerung vor

Die bolivianischen Sicherheitskräfte setzen Panzer und Hubschrauber gegen die protestierende indigene Bevölkerung ein. Die selbsternannte...

DWN
Politik
Politik Epstein-Skandal: Fernseh-Interview wird für Prinz Andrew zum Fiasko

Prinz Andrew gerät im Zuge des Prostitutionsskandals um den inzwischen verstorbenen Jeffrey Epstein unter starken öffentlichen Druck.

DWN
Finanzen
Finanzen Bankenverband: Deutsche Institute zahlen rund 2 Milliarden Euro Strafzinsen pro Jahr

Die Banken im Euroraum mussten seit Einführung der Negativzinspolitik rund 25 Milliarden Euro an die EZB zahlen. Besonders stark betroffen...

DWN
Finanzen
Finanzen Aramco in Schwierigkeiten: Roadshows in London und New York gestrichen

Die Aussichten für einen Börsengang des saudischen Riesenkonzerns Aramco im Ausland schwinden weiter. Nachdem Aramco seine ehrgeizige...

DWN
Politik
Politik Griechenland: Die EU benutzt uns als „Parkplatz für Migranten“

In der EU existiert auch vier Jahren nach der Flüchtlingskrise von 2015 keine einheitliche Asyl- und Migrationspolitik. Der griechische...

DWN
Finanzen
Finanzen Krypto-Königin bringt Anleger um Milliarden und taucht unter

Die Gründerin der Betrugs-Kryptowährung OneCoin ist nach der Aufdeckung des Skandals untergetaucht. Ihr Bruder, der gestanden und...

DWN
Politik
Politik Ein Jahr „Gelbwesten“: Auf dem Globus tobt eine gewaltsame Protestwelle

Ein Jahr nach den ersten Protesten der sogenannten "Gelbwesten" in Frankreich toben in verschiedenen Ländern auf der ganzen Welt schwere...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Argentinien steht kurz vor dem Staatsbankrott: Auch deutsche Lebensversicherer betroffen

Die Schuldensituation Argentiniens verschlechtert sich seit Jahren. Kurz nach der Bereitstellung einer weiteren Kreditlinie durch den IWF...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Vizepräsident: „Die Nebeneffekte unserer Geldpolitik nehmen zu“

Dem Vize-Präsidenten der Europäischen Zentralbank zufolge sind die Nebeneffekte der ultralaxen Geldpolitik auf dem Vormarsch. Bei diesen...

DWN
Finanzen
Finanzen „Kein Krisenjahr“: DZ Bank überrascht mit positiver Konjunktur-Prognose fürs Jahr 2020

"Keine Panik", schreibt die Research-Abteilung der DZ Bank und legt einen durchaus optimistischen Konjunktur-Ausblick für das Jahr 2020...

DWN
Politik
Politik Trotz Brexit: Großbritannien muss in den nächsten EU-Haushalt einzahlen

Großbritannien muss auch im kommenden Jahr seinen monatlichen Beitrag für den EU-Haushalt beisteuern, obwohl der Brexit-Termin für den...

DWN
Deutschland
Deutschland Altmaier verteidigt Abstandsregeln: Windkraftgipfel geht ohne Ergebnisse zu Ende

Das Treffen zwischen dem Bundeswirtschaftsministerium und Vertretern der Windkraftbranche ist ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Die Politik...

celtra_fin_Interscroller