Finanzen

Russland hat kein Interesse an einem Crash in Griechenland

Lesezeit: 1 min
30.06.2015 00:43
Entgegen den landläufigen Behauptungen ist Russland nicht an einem Crash in Griechenland interessiert. Russland hat im Unterschied zu EU erkannt, dass man mit großen Partnern leichter große Geschäfte machen kann. Daher erfolgen die Grexit-Vorbereitungen der russischen Zentralbank äußerst widerwillig.
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In verschiedenen Schreckens-Szenarien in Europa und in den USA wird gerne behauptet, Russland habe Griechenland gezielt destabilisiert, um sich nach dem Zerfall der Euro-Zone die Südflanke zu schnappen. Diese Überlegungen sind offenkundig Unsinn: Die Russen sehen einen möglichen Grexit als nicht wünschenswert an, weil damit die Stabilität in Europa gefährdet wird.

Die russsiche Notenbank-Chefin Elvira Nabiullina sagt, dass Turbulenzen auf dem EU-Finanzmarkt sich auch immer negativ auf Russland auswirken. Die EU sei einer der wichtigsten Handelspartner Russlands. Eine Destabilisierung der EU bedeute eine gleichzeitige Destabilisierung Russlands.

Russland bereitet sich offenbar auf den Grexit vor und trifft dementsprechende Vorkehrungen. Elvira Nabiullina, Chefin der russischen Notenbank, sagte dem US-Sender CNBC. „Wir stufen dieses Szenario als eines von mehreren Risiken ein, die die Turbulenzen am europäischen Finanzmarkt erhöhen würde. Die EU ist einer unserer wichtigsten Handelspartner. Deshalb bereitet uns diese Entwicklung Sorgen.“

Aufgrund der EU-Sanktionen, des Ölpreis-Verfalls und der Rubel-Abwertung kam es in den vergangenen Monaten in Russland zu einer Destabilisierung der Wirtschaft. Allein im Mai ist die Industrieproduktion um 5,5 Prozent zurückgegangen, so Nabiullina.

Hinzu kommt, dass die Rufe nach einem Schuldenschnitt in den südlichen EU-Staaten sich letztlich auch negativ auf die russische Wirtschaft auswirken könnten. Nabiullina befürchtet, dass dies in den betroffenen Staaten zu einem Nachfragerückgang bei russischen Produkten führen könnte.

Die Angst vor einem russischen Einfall hatten die Amerikaner in den vergangenen Wochen geschürt: Die New York Times hatte gemutmaßt, es bestehe die Gefahr, dass im Falle eines Gexit „ein enttäuschtes und verarmtes Griechenland, geführt von einer ohnehin schon Putin-freundlichen linken Regierung, dem russischen Führer eine noch sicherere Handhabe geben werde, Europa zu teilen“.

Als Zeugen zitierte die Times den bulgarischen Präsidenten Rosen Plevneliev mit den Worten: „Russland nützt jede Gelegenheit, um die Europäische Union zu spalten und zu schwächen.“ Dass die Auswahl auf Bulgarien fiel, ist kein Zufall: Militärbeobachter sehen in Bulgarien einen Ersatz für Griechenland. Schon heute werden die wichtigsten Nato-Operationen im Osten über Bulgarien lanciert.

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